Meinung

Kommentare und Standpunkte der Journalisten der Salzburger Nachrichten.

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Leere Versprechen

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Weil ja jetzt so viel von direkter Demokratie die Rede ist. Und weil sich ja auch die Regierungsparteien überschlagen in ihren Ankündigungen, das Volk verstärkt in die politische Willensbildung einbinden zu wollen: Warum legt die geschätzte Regierung eigentlich den EU-Fiskalpakt nicht den Bürgern zur Abstimmung vor? Dieser betrifft die Zukunft unseres Landes weit mehr als sämtliche Parkpickerl, Stromleitungen und Flußkraftwerke zusammengenommen. Doch er wurde ruckzuck von der Regierung unterzeichnet, und das Parlament darf nun seinen Segen dazu geben. Es mag ja sein, dass SPÖ und ÖVP das Volk für zu beschränkt halten, über derlei komplexe Materien zu urteilen. Dann würden wir wenigstens um die  Freundlichkeit bitten, nicht fortwährend mit direktdemokratischen Versprechen belästigt zu werden,  die ohnehin nicht ernst gemeint sind.

 
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Kreisverkehre und Straßenbeleuchtungen machen bitter klar, dass über die Verschandelung der Welt nicht nachgedacht wird. Sie wird einfach umgesetzt.Ein bisserl ist es wie bei so gut wie jedem Kreisverkehr. Da fährt man auf jeden neu gebauten drauf zu, trotz bitterer Erfahrungen immer noch guten Willens, und sieht schon, dass doch wieder was hingebaut wurde. Wieder dachte irgendeiner in irgendeiner Beamten- oder Gemeindestube, dass ein paar Sträucher oder Blumen nicht genug sind. Wieder bildete sich einer ein, dass da was hingestellt werden muss - unbedingt!  Und man denkt sich, wie man so drauf zufährt, es könnte ja auch Kunst sein. Weil Kunst kann, darf, soll, muss ja vieles sein.
 
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Vorsicht, Falle! Für manchen ist der Ruf nach „Reform" nichts weiter als eine Ausrede, sich die Politik ein wenig nach eigenem Geschmack zurechtzubiegen. Wie etliche Beispiele belegen.So viel Reform war nie. Die Koalition schreitet an die Reform der Partei- und der Transparenzgesetze. Alle rufen nach einer Reform des Wahlrechts, Stichwort: Persönlichkeitswahl. Die Forderung nach einer Reform der direkten Demokratie gehört heutzutage zum politischen Einmaleins wie das Amen zum Gebet. Von der Reform des Beamtendienstrechts, der Unterrichtsverwaltung, des Föderalismus, des ORF und etlicher anderer ehrwürdigen Institutionen unseres schönen Landes ganz zu schweigen
Wenn alle den Schlachtruf „Reform" auf den Lippen führen, ist das einerseits lobenswert. Andererseits ist es verdächtig. Denn bei genauerem Hinhören ist zu bemerken, dass nicht alle das Gleiche meinen, wenn sie „Reform" sagen. Für manchen ist die Reform nichts weiter als eine Ausrede, sich die Politik ein wenig nach eigenem Geschmack zurechtzubiegen.
 
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Wieder einmal können wir alten Kämpfer hier auf "Hauptsache Sport" nur müde lächeln. "...sowas hab' ich noch nicht erlebt!", "...gehört nicht ins Stadion!" und "Skandal!", hechelten sie, nachdem das Relegationsmatch Düsseldorf - Berlin vor lauter Freudenbekundungen etwas länger dauerte. Ach Kinder, alles schon dagewesen.

 
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In Frankreich musste soeben  eine der neuen Ministerinnen auf Geheiß des neuen Ministerpräsidenten aus ihrer Sozialwohnung ausziehen. Aus Gründen der Vorbildwirkung.
Ehe nun bei uns der Sturm jener losbricht, die dies als beispielhaft bejubeln, verbunden mit
 einer Hatz auf Politiker im Gemeindebau, sei kurz innegehalten: Ist es wirklich erstrebenswert, wenn jeder, der ein Mandat ergattert, sogleich seine angestammte Umgebung verlässt und in ein Nobelviertel übersiedelt? Ist es nicht besser, Politiker behalten ihre Wurzeln? Besteht das Wesen einer Republik nicht darin, dass Bürger politische Verantwortung übernehmen, aber dennoch Bauern, Angestellte, Gemeindebaubewohner bleiben? Nicht alles, was unter der Flagge des Privilegienabbaus daherkommt, verdient diesen Namen.

 
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Wäre die Salzburger Uni eine politische Partei, müsste sich Rektor Schmidinger keine Sorgen machen. Denn wenn den Parteien eine Geldquelle versiegt (im gegebenen Fall die Wahlkampfkostenrückerstattung), öffnet sich sofort sprudelnd ein neuer Brunnen, sprich: Die Parteienförderung wird erhöht, und alles bleibt wie gehabt. Anders bei den Universitäten, denen kein Mensch und am allerwenigsten die Politik den Wegfall der Studiengebühren kompensiert. Was die Unis zu heftigen Sparprogrammen zwingt, während die Parteien weiterhin aus dem Vollen schöpfen. So viel zur
Prioritätensetzung in unserem Land. Man erinnert sich dunkel, dass die Regierungsspitze stets beteuerte, Wissenschaft und Forschung seien vom Spardiktat ausgenommen.  Wahrscheinlich waren die Parteiakademien
gemeint.
 
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Rechtzeitig zum ÖFB-Cup-Finale Red Bull Salzburg - SV Ried haben wir ein paar G'schichtln über diesen hierzulande immer schon etwas wunderlichen Wettbewerb zusammengetragen.

* Die Mutter aller Cupsensationen passierte 1964. Austria Wien hatte die lästige Pflicht einer ersten Pokalrunde beim SC Marchegg zu erledigen. Der Regionalligaclub kegelte die großen Stars mit 1:0 aus dem Bewerb. Hochmut kam vor dem Fall: Die Veilchen hatten noch am Vortag 1860 München freundschaftlich mit 4:2 besiegt und geglaubt, den Cup in der Provinz locker mitnehmen zu können. 

* Die Marchegger konnten sich lange an ihrem Sieg erfreuen. Durch Terminschwierigkeiten dauerte es ein geschlagenes Dreivierteljahr, bis endlich ihre Partie der folgenden Cup-Runde gegen Bischofshofen ausgetragen werden konnte. Inzwischen war nicht nur von anderen Vereinen bereits ein Teil der übernächsten Runde gespielt worden. Die Austria-Killer hatten das Siegen verlernt und unterlagen Bischofshofen.

 
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Die Aushecker

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Auf Seite Drei dieser Ausgabe wird lobend des Umstandes gedacht, dass die Koalition zuletzt einige ernsthafte Schritte der Verwaltungsreform setzte. Bravo! Leider können SPÖ und ÖVP auch das Gegenteil recht gut, nämlich das Aushecken unsinniger Gesetze. Wie etwa das neue Gesetz über die Harmonisierung der Parteiförderung. Bisher durften Länder und Gemeinden die Parteien in jenem Ausmaß fördern, das sie für richtig hielten, was einen Wildwuchs ergab. Also schritt die Koalition zur Harmonisierung - und schrieb genau jene Summen ins Gesetz, mit denen die Länder und Gemeinden schon bisher ihre Parteien fördern. Es ändert sich also genau nichts, nur dass dieses Nichts ab sofort durch ein umfangreiches Gesetz dekretiert wird. Als Überwachungsinstanz würden wir das Salzamt empfehlen, das bisher noch jede Verwaltungsreform überstanden hat.

 
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Aus dem Lehrbuch

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Getrennt marschieren, vereint zuschlagen? Die Tiroler ÖVP hat sich für das Motto „Getrennt marschieren, einander totschlagen" entschieden. Bei der Innsbrucker Stadtwahl haben die Stadt-ÖVP und die ÖVP-Abspaltung „Für Innsbruck" gemeinsam eine solide Mehrheit errungen. Doch die beiden bürgerlichen Parteien sind einander spinnefeind: Die ÖVP wollte „Für Innsbruck" den Bürgermeistersessel abjagen; nun revanchierte sich „Für Innsbruck", indem sie die ÖVP in die Opposition schickt. Der überforderte schwarze Landeshauptmann schafft es nicht, diesem Treiben Einhalt zu gebieten, im Gegenteil: Er heizte durch parteiische Eingriffnahme in den schwarzen Zwist diesen erst richtig an. Das von Salzburger und steirischen Erfahrungen strotzende ÖVP-Lehrbuch „Wie verspiele ich eine satte Mehrheit" könnte bald ein drittes Kapitel erhalten.

 
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Abgott außer Dienst. Es gab eine Zeit, da hätte Karl-Heinz Grasser jede Direktwahl zum Großen Führer der österreichischen Nation locker gewonnen. In diesem Zusammenhang stellen sich einige Fragen.Im Nachhinein ist es vielen ja peinlich. Dennoch sei an dieser Stelle in gebotener Diskretion daran erinnert, dass Karl-Heinz Grasser noch vor wenigen Jahren für so manchen in diesem Land als große politische Hoffnung gegolten hat.
Die Industriellenvereinigung öffnete dem Mann bereitwillig ihre Schatulle (dass die noble Geldspende der Industrie spurlos in Grassers nächster Umgebung verschwunden ist, versteht sich von selbst).