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Freizeit | Tier & Mensch

Wo nur Optik zählt

Von Tanja Warter | 23. Nov 2011 um 16:53 in Tierisch gut | Kommentare (1)

Wo nur Optik zählt

© Tanja Warter

Ein Hund soll fähig sein zu sehen, zu atmen und allein zu gehen - das fordern Experten. Ist doch normal, möchte man sagen. Ist es nicht.
Bekanntermaßen liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Schönes  ist begehrt, Begehrtes wiederum ist wertvoll und kann hohe Preise erzielen. Die Hundezucht macht da keine Ausnahme. Für „schöne Schäferhunde" werden aktuell Preise bis zu - festhalten - 100.000 Euro bezahlt! Da bleibt für Tiergesundheit kein Platz. „450 genetisch bedingte Krankheiten kennen wir mittlerweile", berichtete Irene Sommerfeld-Stur bei ihrem jüngsten Vortrag in Salzburg auf Einladung der Veterinärbehörde. Sie ist Professorin für Tierzucht und Genetik an der veterinärmedizinischen Uni Wien und kämpft gegen züchterische Exzesse. Nehmen wir Bulldoggen, Möpse oder Pekinesen. Sie alle erfüllen mit ihren runden Köpfen, den hervorquellenden Augen und der kurzen, teilweise bei seitlicher Ansicht nicht einmal mehr erkennbaren Nase alle Kriterien des Kindchenschemas. Darum finden viele Menschen sie niedlich. Aber: Dass diese Hunde nur mit extremer Anstrengung überhaupt die zum Leben notwendige Luft einatmen können,  daran denkt kaum jemand.  Das übergroße Gaumensegel schwingt zu stark, es bekommt kleine Verletzungen, die Tiere schnarchen rund um die Uhr. Manche Experten empfehlen Besitzern deshalb, selbst einmal mehrere Minuten bewusst zu schnarchen, um zu spüren, wie weh das tut. Sommerfeld-Stur: „Verschlimmernd kommt hinzu, dass Hunde eigentlich reine Nasenatmer sind. Maulatmung müssen sie ganz bewusst durchführen. Im Schlaf geht das aber nicht. Darum kollabieren sie im Schlaf leicht." Manche hätten sogar einen Trick: „Sie nehmen ein Spielzeug ins Maul, damit sie nachts keine Atemnot bekommen."
Bekannt sind Gesundheitsprobleme durch züchterischen  Schönheitswahn schon lang. Doch trotz dieses Wissens ist Besserung nicht in Sicht. Kommentar einer fanatischen Dalmatinerzüchterin: „Besser der Hund ist taub, als er  hat falsche Flecken." Schöne Aussichten für die Welthundeausstellung in Salzburg im Frühjahr.
 
 
Kommentar (1)
 
  • mankei123

    24. Nov 2011
    08:00 Uhr

    Sehr erfreulich, wenn sich auch Tierärzte offen gegen Qualzuchten aussprechen. Jede/r, die/der einen solchen Rassehund hält, sollte sich bewusst sein, dass damit physisches und psychisches Tierleid gefördert wird.

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