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Freizeit | Tier & Mensch

Von wegen Friedenstaube

Von Tanja Warter | 27. Okt 2011 um 16:43 in Tierisch gut | Kommentare (0)

Von wegen Friedenstaube

© Tanja Warter

Rausschmiss. Dem Taubenkobel am Bahnhof steht das Ende bevor. Die Tiere werden vor die Tür gesetzt, zwischen ÖBB und Stadt herrscht dicke Luft.

Wo Tauben auftauchen, sind Konflikte nicht fern. Nicht nur Tier- und Denkmalschützer lassen bei dem Thema Federn, in Salzburg sorgt der Kampf ums Täubchen für dicke Luft zwischen ÖBB und Magistrat. Bis vor ein paar Jahren waren es Scharen von Tauben, die im und rund um den Salzburger Bahnhof ihr Unwesen trieben. Eine echte Plage, immerhin produziert jedes einzelne Exemplar pro Jahr zwölf Kilogramm Exkremente. Das Projekt „Taubenkobel" wurde ins Leben gerufen. Das Prinzip: Die Tiere werden mit artgerechtem Futter und guter Betreuung an einen Schlag gebunden. Dort können sie leben und brüten. Die Eier werden konsequent gegen Kunststoffeier ausgetauscht. Am Ende soll eine angepasste, gesunde Taubenpopulation stehen, die unter tierwürdigen Bedingungen leben kann. 

Gesagt, getan. Die Bundesbahnen stellten kostenlos einen Raum zur Verfügung, im Auftrag von Vizebürgermeister Harald Preuner wurde der Kobel durch die städtische Tischlerei eingerichtet und regelmäßig Futter angeschafft. Zwei ehrenamtliche Helfer waren auch gefunden, die Sache schien zu funktionieren. Tierschutzombudsmann Alexander Geyrhofer ist zufrieden: „Die Tauben haben sich schnell an den Schlag gewöhnt und die Anzahl konnte definitiv verringert werden." Auch Bernd Huber vom Büro Preuner hat „seither keine Beschwerden mehr zum Taubenthema am Bahnhof hereinbekommen".

Doch jetzt steht das Projekt vor einem abrupten Ende. „Im Zuge des Bahnhofsumbaus brauchen wir den Raum für die Haustechnik", sagt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel, „andere Räume stehen aufgrund des Denkmalschutzes nicht zur Verfügung." Die Tauben, es dürften den Betreuern zufolge an die 300 sein, müssen in Kürze raus. Den Ball für eine alternative Unterbringung spielen sich Magistrat und ÖBB gegenseitig zu. Jeder sieht den jeweils anderen in der Verpflichtung, sich darum zu kümmern. Also werden in Kürze die Vögel auf der Straße sitzen, überall nach Essbarem suchen und sich wieder unkontrolliert vermehren.

Bild: SN/EPA