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Freizeit | Tier & Mensch

Wenn Vögel klug verhandeln

Von Tanja Warter | 14. Sep 2011 um 16:34 in Tierisch gut | Kommentare (0)

Wenn Vögel klug verhandeln

© Tanja Warter

Aktuelle Studie. „Gibst du mir das Brot zurück, bekommst du den Käse." Vor diese stressige Aufgabe stellte eine Forscherin ihre Krähen und Raben.

Probieren Sie das mal mit einem Hund: Halten Sie in einer Hand ein Stück Brot und in der anderen ein Stück Wurst. Geben Sie ihm das Brot und zeigen Sie ihm unmittelbar darauf die Wurst. Jetzt soll er sich entscheiden, ob er das Brot wieder hergibt, damit er stattdessen die Wurst bekommt. Schafft er nicht? Dann ist er so gierig wie jeder normale Hund. Bis jetzt war nur von Schimpansen bekannt, dass sie sich beim Futter zurückhalten können, wenn sie wissen, dass es später im Austausch dafür entweder mehr oder etwas Besseres gibt.

Heute erscheint in „Biology Letters" eine Untersuchung, an der auch Claudia Wascher, Wissenschafterin von der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau, maßgeblich mitgeforscht hat. Zusammen mit ihren Kollegen hat sie herausgefunden, dass auch Krähen und Raben in der Lage sind, für einen guten Tausch den ersten Happen nicht zu verspeisen, sondern ihn eine Zeit lang aufzubewahren und zu warten. Eine besondere Herausforderung, da sie den Bissen ja bereits im Schnabel haben. Wascher: „Die Affen, mit denen diese Experimente gemacht worden sind, hatten ihn in der Hand."

Brot war in den Versuchen stets die Ausgangsbasis. Als stärkeren Reiz präsentierte Wascher den Vögeln in der anderen Hand entweder eine Traube, ein Stück Käse oder ein Stück Wurst. Die Frage lautete: Wie lang würden die Krähen und Raben in der Testreihe  auf das bessere Futter warten? Wann müssen sie dem Druck nachgeben und schlucken das Brot, das sie in diesem Tauschexperiment wieder zurückgeben sollen, doch hinunter, weil sie einfach nicht mehr länger warten können? „Die Unterschiede bei den Charakteren der Vögel sind extrem", hat Claudia Wascher festgestellt. „Der Geduldigste von ihnen hat es unglaubliche fünf Minuten lang ausgehalten. Im Schnitt haben sie für Käse länger gewartet als für eine Traube und für Wurst länger als für Käse."

Anders als bei den Affen spielt die Menge des Futters für die Entscheidung aber keine Rolle. Die Vögel geben nicht ein Stück Wurst wieder her, um dafür zwei oder drei zu bekommen. Wascher: „Quantität hat sie nicht interessiert. Sie tauschen nur für eine Steigerung der Qualität." Sie fragen sich gewissermaßen: Nehme ich eine Wartezeit für das schmackhaftere Gegenangebot in Kauf?

Im Gegensatz zu anderen Versuchen gibt es beim Futtertausch kein Richtig oder Falsch. Die Tiere können sich frei nach ihren Vorlieben entscheiden. „Darum war es spannend zu sehen, wie relevant die Persönlichkeit der Vögel ist."

Bild: SN/dpa