| | |
Gefällt mir 2 Gefällt mir

Freizeit | Spiele & Trends

Rochard - Im Weltraum hört dich niemand fluchen

Von Sebastian Kienzl | 7. Dez 2011 um 00:00 in PC, Playstation | Kommentare (0)

Rochard - Im Weltraum hört dich niemand fluchen

© Sebastian Kienzl

Einer der überraschendsten Videospiel-Helden dieses Herbstes ist weder muskelbepackt, noch hochintelligent und schon gar kein Schönling - sondern untersetzt, bestenfalls bauernschlau und trägt einen Schnurrbart, der schon aus der Mode war, als Magnum sich noch keinen wachsen lassen konnte. Sein Name: John Rochard.

Wer ist also dieser John Rochard? Rochard sucht mit seinem Team in einer Weltraummine erfolglos nach Rohstoffen und sein Tag fängt damit an, dass sein Chef beschließt, die gesamte Belegschaft zu feuern. Hinter dieser Bösartigkeit steckt allerdings eine sehr viel größere Verschwörung, sodass sich Rochard bald nicht mehr nur Sorgen um sein nächstes Gehalt machen muss. Um mit einem Teil seiner Crew noch mit dem Leben davon zu kommen greift, zieht, kämpft und beschädigt sich Rochard mit einem G-Lifter, dem funktionellen Ebenbild der Gravity-Gun aus Half Life 2, durch die Mine. Mit diesem Gerät kann Rochard zunächst nur Kisten anziehen und auf allerhand Ziele schießen bzw. legen. Im Spielverlauf kommen aber jede Menge zusätzliche Funktionen und Werkzeuge hinzu, deren Rochard sich bedienen kann. So kann er bald per Knopfdruck die Gravitation verändern oder explosive Projektile aus dem G-Lifter feuern, um den Lakaien seines ehemaligen Arbeitgebers beizukommen.

Der Spielverlauf, der sehr fair mit Checkpoints bestückt ist, besteht dann auch hauptsächlich aus der Interaktion mit Kisten: Kante zu hoch? Kiste drunterstellen. Etwas steht im Weg? Kiste draufhauen. Jemand schießt auf dich? Mit Kiste verprügeln. Auf dieser einfachen Basis führt das Spiel ständig behutsam neue Elemente ein, die sich allesamt sehr geschmeidig in die Spielwelt einfügen. Und obwohl einen das Spiel sehr pädagogisch an seine Mechanismen heranführt, werden diese oft in Sequenzen verpackt, die einem jeden Nerv rauben. Wenn man gleichzeitig mit richtigem Timing loshüpfen, im Sprung irgendwas mit dem G-Lifter treffen und dazu noch im richtigen Moment die Schwerkraft hochdrehen muss, lässt man sich nur allzu gern vom dauerfluchenden Rochard mitreißen. Immerhin sind solche Passagen aber in der Regel optionale Abzweigungen im Spiel. Man kann sich an der eigenen Verzweiflung also getrost selbst die Schuld geben.

Natürlich ist aber auch an Rochard nicht alles eitel Wonne: die Steuerung des Mannes mit der Warnweste ist bei niedriger Schwerkraft (die man ständig aktivieren muss um etwa an höher gelegene Stellen zu gelangen) ziemlich verhunzt und sorgt oft für ungläubiges Starren auf den Bildschirm, wenn der Titelheld zum - meist wiederholten - Mal, irgendeinen Schacht hinunterstürzt, den er nicht hinunterstürzen sollte. Außerdem ist mir im Test nicht ganz klar geworden, weshalb sich Rochard nun wirklich in eine gewisse Richtung dreht. Das hat aber dankenswerter Weise keine so dramatischen Auswirkungen.

Unterm Strich ist und bleibt Rochard aber ein intelligentes und unterhaltsames Spiel, das sich visuell zwar stark an andere Spiele (etwa Team Fortress 2) anlehnt, aber doch eigenständig bleibt und für ein Spiel eines unabhängigen Entwicklers (Recoil Games aus Helsinki) eine überraschend polierte Optik aufweist. Der Star des Spiels ist aber weder die Schwerkraft, noch sein Comicstil - sondern John Rochard höchstselbst. Seine Gestik und die ständigen Kommentare im Südstaatenslang machen aus einem klugen Spiel ein paar richtig schöne Stunden. Und der Preis ist auch ganz vertretbar: etwa €10 kostet der Spaß auf Steam und im PlayStation Network.