Battlefield 3
Von stef/FRITZ | 1. Nov 2011 um 21:24 in PC, Playstation, Xbox | Kommentare (0)
© stef/FRITZ
„Go, go, go" ruft der Teamkollege, bevor er sich in die Schlacht stürzt. Im Tiefflug rast ein Kampfjet vorbei, aus den Turbinen schießt Feuer. Brennende Helikopter trudeln am Himmel, Rauchschwaden steigen auf, Häuserfassaden stürzen ein.
„Battlefield 3" ist ein Ungetüm von einem Videospiel, Krieg mit Köpfchen, mit Pixelschlachten der Superlative. Die Herstellung hat Millionen Dollar gekostet, alleine das Marketing mit aufwendigen Trailern, auch im TV, muss Unsummen verschlungen haben. Produziert hat das Game die schwedischen Electronic-Arts-Tochter DICE. Fortan zischt, knallt, pfeift und rattert es. Ein gigantisches Chaos, simulierter Krieg. Die Areale und Schlachtfelder sind teils so riesig, dass ein Vorrücken nur mit fahrbarem Untersatz sinnvoll ist: im Humvee, Panzer, Heli, Schlauchboot oder Düsenjet. Teil 3 verfügt über eine Singleplayer-Kampagne, das Szenario dürfte Fans von Ego-Shootern bekannt vorkommen: Der Held, Seargent Blackburn, ein Soldat des United States Marine Corps wie er in Propagandaschriften steht, zieht gegen eine terroristische Vereinigung, die PLR, in den Krieg, um nukleare Anschläge auf westliche Metropolen zu verhindern. Neben den USA haben auch Russland und die zwielichtigen Gestalten Solomon und Kaffarov ihre Hände im Intrigenspiel. Erzählt wird die Geschichte in Rückblenden, neu ist das nicht: Schon in „Call of Duty: Black Ops" diente ein Verhör als Aufhänger für lose zusammengestückelte, spielbare Erinnerungsfragmente, verbunden durch Zwischensequenzen.
Es geht nach Teheran, Paris und in den Big Apple, nach New York. An der Seite von Computer gesteuerten Kameraden hetzt man im Kugelhagel über lebensecht wirkende Schlachtfelder. Jede Sequenz verläuft dabei streng nach Skript. Soll heißen: Der Ablauf der Ereignisse ist von den Machern vorgegeben, ein Abweichen von der Story dagegen nicht. Rein optisch gehört „Battlefield 3" zum Besten, was die Videospielbranche in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Staub und Müll wirbelt unentwegt durch die Luft, Zivilisten unterhalten sich in den Straßen, während Soldaten patrouillieren und ihre Einsätze planen. Die Straßen glänzen vom Regen, auf der Kamera formen sich Wassertropfen zu kleinen Perlen. Sonnenlicht wird durch herumliegenden Scherben reflektiert, in der Nacht blenden einen die Lichter von Straßenlaternen - wer sich gestört fühlt, schießt die Lichter einfach aus. Projektile zischen durch die Luft und hinterlassen tiefe Einschusslöcher in Wänden und Karosserien, besonders die Truppen und Soldaten sehen atemberaubend echt aus: ihre Bewegungen, die Mimik und Ausrüstung. Aber auch der Smalltalk zwischen den Feuergefechten wirkt unmittelbar aus dem Leben gegriffen und schafft eine bislang einzigartige Atmosphäre, die durch ansehnliche Licht- und Schatteneffekte, plastische Rauchwolken, zerstörbare Kulissen und großflächige Einsatzgebiete wunderbar ergänzt wird.
Inhaltlich dagegen bietet die Kampagne nur wenig Neues. Überholte Klischees vom über jeden Zweifel erhabenen Soldaten trüben die anfängliche Begeisterung des Spielers, der bis zuletzt auf frischen Wind für das Genre gehofft hatte. Fans der Serie dürfte das aber nicht wirklich kümmern, immerhin wurde die „Battlefield"-Reihe stets als gigantisches Multiplayer-Ereignis konzipiert, das seine Stärken primär in Team basierten Schlachten festlegt.
Wie schon beim Ableger „Bad Company" ist die Kampagne hier nicht mehr als eine Zugabe - und natürlich (r)eine Marketingstrategie. Das „Call of Duty"-Franchise, das zu den erfolgreichsten Spielen überhaupt zählt, hat hier deutliche Akzente gesetzt und eines ganz klar gemacht: Mit Szenen nach Drehbuch lässt sich besser werben als mit chaotischem Schlachtgetümmel, bei dem der Spieler die Regeln bestimmt. Doch genau das macht „Battlefield 3" so unnachahmlich. Sandkastenspiel nennt das der Fachkundige, wenn der Spieler sich frei entfalten kann. Wenngleich virtuelle Welten nach wie vor gewissen Grenzen unterworfen sind, räumt „Battlefield 3" dem Spieler erstaunlich viele Möglichkeiten ein. Bis zu 64 PC-Spieler und 24-Konsolenspieler tummeln sich hier auf dem virtuellen Schlachtfeld: Scharfschützen, Sanitäter, Techniker. Sie alle erfüllen bestimmte Aufgaben, der eine versorgt die Verwundeten, der andere sorgt für Munitionsnachschub. Es geht um Strategie, Taktik und Teambuilding. Nur wer sich mit dem Rest seines vierköpfigen Squads, seiner Einheit im Platoon, abstimmt, geht als Sieger vom Platz. Hinsichtlich der Multiplayer-Modi hat man ungeniert auf frühere Teile zurückgegriffen, was aber keineswegs von Nachtteil ist.
So ausgeklügelt und fortschrittlich die Technik in „Battlefield 3" sein mag, es gibt auch Schattenseiten: nervige Bugs in Form von schwebenden Waffen, eingefrorene Soldaten, Körper, die durch Wände ragen. Hinzu kommt, dass zum Spielen die umstrittene Software „Origin" auf dem PC installiert werden muss - ein Programm, das massiv in den Datenschutz eingreift. Trotz einer Entschärfung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen gilt „Origin" in der Spielergemeinde weiterhin als Spyware, weil es angeblich ohne Zustimmung des PC-Users Informationen über Nutzungsverhalten und Lizenzrechte an den Hersteller liefert. Im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, heißt es. Offenbar gilt das auch für den Pixelkrieg.
Info: „Battlefield 3", in Österreich freigegeben ab 16 Jahren, erscheint für PC (getestet), Xbox 360 und PS3.
#stephan kliemstein
Hier noch der Trailer zum Spiel:
Kommentare
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