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Alice: Madness Returns

Von stef/FRITZ | 18. Jun 2011 um 11:54 in PC, Playstation, Xbox | Kommentare (1)

Alice: Madness Returns

© stef/FRITZ

Wahnsinn im Wunderland: Lewis Carrolls Kindergeschichte frei interpretiert - und digitalisiert als düsteres Märchen im Gothic-Chic. „Alice: Madness Returns" ist ein albtraumhafter Psychotrip, visuell prächtig, spielerisch aber ernüchternd. Der programmierte Irrsinn im PS3-Test.

„Alice im Wunderland" erzählt eine Geschichte, die viel Raum für Interpretation lässt. Wenig verwunderlich also, dass das Entwicklerstudio American McGee bereits vor elf Jahren den Versuch wagte, aus dem kindlichen Märchen mit der Grinsekatze und dem Hutmacher ein düsteres Videospiel für Erwachsene zu machen.

„Alice: Madness Returns" führt die Geschichte aus dem ersten Teil fort, setzt zehn Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers an. Alice, die ihre Eltern bei einem schrecklichen Brand verloren hat, wird noch immer von schlimmen Schuldgefühlen und schrecklichen Albträumen geplagt. Sie flieht aus der Rutledge-Irrenanstalt, in die sie als Kind eingewiesen wurde. Zurück im Wunderland muss sie mit Entsetzen feststellen, dass sich der einst so idyllische Zufluchtsort in eine finstere Horrorvision verwandelt hat.

Auch die Wesen im Wunderland sind kaum noch wiederzuerkennen, sie sehen unheimlich aus, wie Monster aus dem Horrorspiel „Silent Hill". Während sich der Anfang des neuen Abenteuers recht farbenfroh präsentiert, verliert das früher noch einladende Wunderlandes rasch sein unschuldiges Antlitz, wird zur Kulisse des Grauens. Die Farben verblassen, alles wird trist und diffus, auch ungemütlich. Alice taucht immer tiefer ein in seelische Abgründe, wird mit ihren inneren Dämonen konfrontiert, muss schreckliche Ungeheuer bekämpfen - ein großes Arsenal an Waffen hilft dabei. „Madness Returns" ist definitiv kein Kinderspiel! Im Gegenteil: Hier fließt viel Blut, auf die Altersbeschränkung sollte beim Kauf geachtet werden.

Die Reise beginnt im viktorianischen London und endet im Kaninchenbau. Visuell ist „Alice: Madness Returns" wirklich atemberaubend. Nicht etwa, weil die Grafik neue Maßstäbe setzt. Vielmehr wissen das kreative Leveldesign, die schrägen Figuren und tollen Kostüme und zu begeistern. Spielerisch vermisst man dagegen Abwechslung und frischen Input. Doppelsprünge, Rutscheinlagen und Miniaturmissionen sind längst aus anderen Videospielen bekannt, Eigenständiges fehlt hier. Als suboptimal erweist sich auch die Kamera, die häufig deplatziert, das Spielgeschehen nur unzureichend einfängt und präzise Sprünge verhindert.

Fazit: „Alice: Madness Returns" erinnert, zumindest optisch, stark an Tim Burtons Kinofilm mit Johnny Depp - düster, blutig und beklemmend ist die Atmosphäre. Ein schriller Psychotrip. So ausgefallen und skurril die Inszenierung, so gewöhnlich und banal ist allerdings das flache Hack&Slash-Gameplay, das nur selten frische Ideen auf den Bildschirm zaubert. Vollends überzeugen kann das Action-Adventure daher nicht. Wer kurzweilige Unterhaltung sucht, darf die Pille aber gerne schlucken.  

Info: „Alice: Madness Returns" (EA Games; USK 16, PEGI 18) erscheint für PC, Xbox 360 und PS3 (getestet).

#stephan kliemstein

Hier noch der Trailer zum Spiel:
 
 
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