Die wohl größte Stärke des Spiels ist die spannende Story. Rasant, dramatisch, emotional und mit viel Gefühl wird die Geschichte des Rettungsspezialisten Ray erzählt, ein junger Mann der fast neurotisch Menschenleben retten will. Die Schuldgefühle, dass er seinen Freund Steve bei einem Vulkanausbruch nicht retten konnte, begleiten ihn das ganze Spiel hindurch. Er fühlt sich nun verpflichtet auf dessen jüngere Schwester Lisa aufzupassen, diese wird aber, mitsamt eines Seismologen, von der Terroreinheit SURGE entführt. Bald darauf wird die USA von einer Naturkatastrophe nach der anderen heimgesucht. Städte werden zerstört, viele Menschen sterben und die Vereinigten Staaten stehen vor der größten Krise in der Geschichte. Nun droht SURGE mit dem Einsatz von Atomwaffen um ihre Forderungen erfüllt zu sehen.
Als Ray kämpft man sich von Kapitel zu Kapitel, und rettet sich und andere vor unterschiedlichsten Naturkatastrophen. Soviel zuerst: das Spiel ist unglaublich abwechslungsreich und voller unterschiedlicher Gameplay-Facetten. Grob gesagt lassen sich die Aufgaben des Spielers in drei Bereiche einteilen: die Naturkatastrophen überleben, Menschenleben retten und gegen die Terrorgruppe SURGE kämpfen.
Um die Naturkatastrophen zu überleben findet man im HUD wichtige Informationen über Rays körperlichen Zustand. Einen Pulsmesser, die verbleibende Ausdauer, eine Anzeige über den Zustand der Lungen und natürlich eine Schadensanzeige. Den meisten Katastrophen entkommt man nur durch Schnelligkeit: so läuft man von einem riesigen Tsunami davon oder fährt mit dem Auto einen explodierenden Vulkan herunter. Bei Bränden, Feuerstürmen oder regnender Vulkanasche wird es aber schon kniffliger.
Das Retten von Menschenleben geschieht auf freiwilliger Basis, gibt aber wichtige Punkte. Aber unabhängig davon - wer würde schon Schwerverletzte einfach liegen lassen. Zu den Rettungsaktionen gehört je nach Situation Wunden verbinden, Verunglückte aus Trümmern befreien oder sie in sichere Gebiete tragen. Besonders spannend ist das Reanimieren, wobei die Wiimote mit gutem Timing regelmäßig nach unten gepresst werden muss.
Als wären die Katastrophen nicht genug sitzt Ray noch die Terrorgruppe im Nacken. Während der Mission kommt es immer wieder zu Schusswechseln die im Stil eines Rail-Gun-Shooters ablaufen. Um Bewegung muss man sich nicht selber kümmern, man kann sich stattdessen ganz auf das Schießen konzentrieren. Mit B wird gefeuert, mit Z geht kann man stets in Deckung gehn, was für einen heilen Ausgang unerlässlich ist. Man kann außerdem vier verschiedene Waffen (wie Pistolen, Schrotflinten, Maschinengewehre oder R-Werfer) mit sich tragen und stets per Steuerkreuz wechseln.
Das Gameplay ist darüber hinaus noch viel umfangreicher, zum Teil ist es fast zu viel des Guten. So gibt es während des Spiels immer wieder Anleitungen zu lesen, die den Spielfluss etwas stören. Die Steuerung ist einwandfrei und funktioniert super. Vor allem die Shooterpassagen sind vom Feinsten - hier kommt richtiges Arcade-Feeling auf. Allein die Quicktime-Events, bei welchen man schnell eine gewisse Armbewegung ausführen muss, sind oft unklar und missglücken leicht. Aber sie kommen zum Glück nicht allzu oft vor um ins Gewicht zu fallen. Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, auch Hardcorezocker können sich auf mehrere Versuche einstellen.
Die Punkte die durch das Retten von Menshen oder während Feuergefechten durch besonders kunstvolle Treffer oder Kombos gesammelt werden, können zwischen den Missionen dafür verwendet werden, um entweder neue Waffen zu kaufen, die vorhandenen zu optimieren, oder Rays Fähigkeiten (wie Kraft, Stoffwechsel etc.) zu verbessern. Wie man sieht, ein Spiel mit vielen Facetten und auch taktischen Überlegungen.
Technisch bewegt sich das Spiel zwischen Licht und Schatten, und zwar bei der Grafik als auch beim Sound. Die Videosequenzen sind gerendert, aber nach heutigen Standards nur auf mittlerer Qualität. Die Ingame-Grafik ist größtenteils sehr gut, auch die Katastrophen sind gewaltig in Szene gesetzt, jedoch gibt es hin und wieder Gebiete die wirklich furchtbar aussehen. Außerdem trübt starkes Kantenflimmer die Optik, was vor allem bei HD-Fernsehern stört. Was den Sound angeht, so ist die Musikuntermalung gewaltig, ebenso wie das Voice-Acting, das richtig gut getroffen wurde, und sehr glaubwürdig ist. Umso unverständlicher sind dafür die miesen Soundeffekte. Vor allem die Schrittgeräusche beim Gehen sind so grässlich, dass sie anfangs stören, bis man sie überhören lernt.
Disaster: Day of Crisis ist alles in allem ein tolles Spiel mit einigen Schönheitsfehlern. Story und Gameplay sind fesselnd, man wird aber durch viele Anleitungen und Sequenzen zu oft aus dem Spielfluss gerissen. Das Spiel ist sehr abwechslungsreich, wirkt dadurch aber noch ein bisschen unausgegoren. Grafik und Sound sind super, zeigen aber oft ihre Mankos. Man sieht dass Nintendo gerade etwas Stress mit den Hardcoregames hat, und das Spiel einfach her musste. Die noch nicht ausgebügelten Schwächen kann man sehen. Aber nichts desto trotz: Disaster ist klasse - zugreifen und überleben ;-)


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