WALLENBERG | Uraufführung und Koproduktion mit der Deutschen Bühne Ungarn
Von Alexander Linse | 11. Okt 2011 um 10:58 in Theater | Kommentare (1)
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Jurij Below
25. Okt 2011
15:24 Uhr
Es war eine hervorragende Vorstellung mit vielen Fragen zur Ethik, Politik und Kontroversen zur Person des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, der auf der Bühne von Stiegl-Brauwelt endlich nicht als einen Held dargestellt wurde, sondern als ein Mensch. Vor allem muss ich anerkennen, dass mit derart etwas gefährlichem Thema eine kleine Truppe unter Regie von Alex Linse den Fall Wallenberg zum Spielball der Mächte hochemotional stilisiert und dabei einen guten Beitrag geleistet um Heuchelei dieser Welt.
Man spricht seit etwa 30 Jahren von Holocaust und dabei vergisst, den Gegenpol GULAG, wo über 70 Millionen Menschen in Russland in Namen des Sozialismus abgeschlachtet wurden. Eine Erinnerung an eines schließt doch nicht aus die Erinnerung an der größte Hekatomba des Kommunismus.
Beispiel Wallenberg zeigt wie den Westen für seine Illusionen in dem dieser der Kommunismus mit dem Gulag salonfähig gemacht hat in Budapest bestraft wurde. Ich finde besonders brisant, dass durch ganzes Bühnenstück die Gestalten von Stalin und Molotow geistern. Obwohl alles quasi um die Juden ging. Man muss nie vergessen, dass Lubjanka-Zentrale in Moskau tausenden der naiven Westler zermahlt hat - sodass dazu gehörige Gestalt von Adolf Eichmann kommt als Retter der Juden vor mit seinem Madagaskarplan und nicht der Wallenberg selbst. Denn er war kein Politiker gewesen, sondern einen Mensch mit Herz.
In diesem Stück lege ich höchsten Wert an Erzähler Rolle (Andreas Peer), der nicht nur erzählt, sondern übernimmt ganz tragische Momente und letztendlich für mich ein Hauptdarsteller ist. Wie in Mittelalter er spielt einen Narr, weil nur einen Narr der Unsinn des Geschehens verstehen kann. Alexander Mitterer (Wallenberg) dagegen wirkt nicht wie ein Held, sondern ein Mensch für den die Heldentaten sind fremd, weil er eher romantisch und durchaus selbstlos wirkt.
Ich wünsche weiterhin viel Erfolg mit diesem Stück – denn was die Politik für uns präpariert ist mehr oder weniger doch „politisch“ korrekt und vor allem Lügenbedürftig. Die Kunst selbst wenn um die Fakten gehe, bemüht sich nicht darum und lässt die Menschen durch Emotionen nachdenken. Ich hoffe, dass eines Tages Theateroffensive in Salzburg wird auch in betroffenen Ländern wie Deutschland, Schweden und Russland die Menschen zum Nachdenken bringen.
Herzliche Grüße aus Frankfurt
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