Erst im Mai war mit "Abnormally Attracted To Sin" das letzte Album von Tori Amos erschienen. Meine Wenigkeit befand damals, dass die Musikerin schon eindrücklichere Werke abgeliefert hat. Nun, ein halbes Jahr danach, gibt es schon wieder Neues von der Pop-Fee: Eine Weihnachts- und Winterplatte samt Glockengeläut und mystischem Inhalt.
Die Pastorentochter aus North Carolina hat mit "Midwinter Graces" (Universal) wohl nicht zuletzt ihren Eltern einen lang ersehnten Wunsch erfüllt. Doch es wäre nicht Tori Amos, wäre trotz Winterzauber und Spiritualität nicht auch allzu Menschliches behandelt und vertont worden. Beginnen tut die Scheibe freilich mit der Frohbotschaft der Ankunft des Herren - und ja, es ist eine zauberhafte musikalische Mitteilung.
Goldene Pop-Perlen ...
Schon mit dem zweiten Track "Star of Wonder" schüttelt die Musikerin einen weiteren fabelhaften Popsong aus dem Ärmel. Die Formel für gediegene, im Refrain von eleganter Harmonie strotzende Pop-Perlen beherrscht Tori Amos mittlerweile leichtfüßig und variantenreich. Die Nummer "Harps of Gold" zum Beispiel glänzt tatsächlich wie Gold - erstaunlich, wie man aus der Zeile "Gloria in Excelsis Deo" einen derart unwiderstehlichen Popsong stricken kann.
Neben biblischen und mystischen Inhalten widmet sich die Göttin am Klavier aber auch weltlichen Themen, die im Winter verhaftet sind. "A Silent Night With You" fröhnt der stillen, ausdauernden Romantik, während "Pink and Glitter" eine erotisch aufgeladene Ballade ist, die nicht zuletzt durch den Einsatz einer swingenden Big-Band herrlich viel Spaß macht - und Tori beschwört dabei den Himmel ins Mikrofon hauchend, er möge doch die Welt rosa glitzernd abduschen. Das ist kitschig - und unsagbar schön.
... von transzendenter Strahlkraft
Die neuerliche Reduktion der Bandarbeit ist diesmal auch passend zum Konzept der Platte: Nur wenig Schlagzeug, selten jubilieren Gitarren, doch jeder Farbtupfer von Tori Amos' langgedienter Band scheint an der richtigen Stelle platziert. Und in der Mitte thront ohnehin stets Piano und eine unverkennbare, mit allen Möglichkeiten ausgestattete Stimme. Einige Songs auf "Midwinter Graces" besitzen eine schier transzendente Strahlkraft und bestechen durch musikalische Raffinesse und Komplexizität. Unterstützt wird dies durch orchestrale Arrangements, orientalische Anklänge und barocke Zitate.
Und auch die traurigen, melancholischen Stücke der Platte überzeugen: Bei "Snow Angel" richtet die Sängerin beispielsweise ihren Fokus auf das Leid und die Hoffnung von Kindern. Ebenso herzzerreißend ist das Ende, wenn Tori Amos in "Our New Year" Trauer und das gerade zu Weihnachten oft stark ausgeprägte Gefühl, jemand Verlorenen zu vermissen, thematisiert und dabei zum Schluss inbrünstig die Wörter "you're not there" wiederholt.
Weihnachtsplatten können grundsätzlich ja ein eher problematisches Unterfangen darstellen.
Tori Amos aber ist mit ihrer Variante ein grandioses Stück Wintermusik gelungen. Amen.
# Robert Innerhofer
Hörproben gibt's auf:
www.toriamos.com
www.myspace.com/toriamos
Und hier noch ein Live-Video von "Pink and Glitter":
Die Pastorentochter aus North Carolina hat mit "Midwinter Graces" (Universal) wohl nicht zuletzt ihren Eltern einen lang ersehnten Wunsch erfüllt. Doch es wäre nicht Tori Amos, wäre trotz Winterzauber und Spiritualität nicht auch allzu Menschliches behandelt und vertont worden. Beginnen tut die Scheibe freilich mit der Frohbotschaft der Ankunft des Herren - und ja, es ist eine zauberhafte musikalische Mitteilung.
Goldene Pop-Perlen ...
Schon mit dem zweiten Track "Star of Wonder" schüttelt die Musikerin einen weiteren fabelhaften Popsong aus dem Ärmel. Die Formel für gediegene, im Refrain von eleganter Harmonie strotzende Pop-Perlen beherrscht Tori Amos mittlerweile leichtfüßig und variantenreich. Die Nummer "Harps of Gold" zum Beispiel glänzt tatsächlich wie Gold - erstaunlich, wie man aus der Zeile "Gloria in Excelsis Deo" einen derart unwiderstehlichen Popsong stricken kann.
Neben biblischen und mystischen Inhalten widmet sich die Göttin am Klavier aber auch weltlichen Themen, die im Winter verhaftet sind. "A Silent Night With You" fröhnt der stillen, ausdauernden Romantik, während "Pink and Glitter" eine erotisch aufgeladene Ballade ist, die nicht zuletzt durch den Einsatz einer swingenden Big-Band herrlich viel Spaß macht - und Tori beschwört dabei den Himmel ins Mikrofon hauchend, er möge doch die Welt rosa glitzernd abduschen. Das ist kitschig - und unsagbar schön.
... von transzendenter Strahlkraft
Die neuerliche Reduktion der Bandarbeit ist diesmal auch passend zum Konzept der Platte: Nur wenig Schlagzeug, selten jubilieren Gitarren, doch jeder Farbtupfer von Tori Amos' langgedienter Band scheint an der richtigen Stelle platziert. Und in der Mitte thront ohnehin stets Piano und eine unverkennbare, mit allen Möglichkeiten ausgestattete Stimme. Einige Songs auf "Midwinter Graces" besitzen eine schier transzendente Strahlkraft und bestechen durch musikalische Raffinesse und Komplexizität. Unterstützt wird dies durch orchestrale Arrangements, orientalische Anklänge und barocke Zitate.
Und auch die traurigen, melancholischen Stücke der Platte überzeugen: Bei "Snow Angel" richtet die Sängerin beispielsweise ihren Fokus auf das Leid und die Hoffnung von Kindern. Ebenso herzzerreißend ist das Ende, wenn Tori Amos in "Our New Year" Trauer und das gerade zu Weihnachten oft stark ausgeprägte Gefühl, jemand Verlorenen zu vermissen, thematisiert und dabei zum Schluss inbrünstig die Wörter "you're not there" wiederholt.
Weihnachtsplatten können grundsätzlich ja ein eher problematisches Unterfangen darstellen.
Tori Amos aber ist mit ihrer Variante ein grandioses Stück Wintermusik gelungen. Amen.
# Robert Innerhofer
Hörproben gibt's auf:
www.toriamos.com
www.myspace.com/toriamos
Und hier noch ein Live-Video von "Pink and Glitter":




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