Seither sind schon einige Jahre vergangen, da war ich auf einer mehrwöchigen Geschäftsreise in Japan. Wir hatten ein Hotel im Zentrum von Osaka gebucht und genossen an Wochenenden unsere Freizeit. Unter anderem besuchten wir die Osaka Burg (eine von Japans berühmtesten Burgen, welche eine wichtige Rolle bei der Vereinigung Japans im 16. Jahrhundert spielte) und auch die Kaiserstadt Kyoto.
Vor unserer Abreise wurden wir von unseren japanischen Gastgebern auf eine Ausflugsfahrt eingeladen. Nach einer Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fuhren wir mit PKWs durch reizvolle Landschaften - durch das gebirgige Hinterland mit malerischen Dörfern und bis zu 1.000 m hohen Bergen. Wir sahen faszinie-rende Tempel, Pagoden und Schreine und hatten herrliche Ausblicke auf den Fuji. Mitten im Bergland machten wir Rast in einer einsamen Sushi-ya.
Wir saßen an der Theke und beobachteten den Koch der das Sushi zubereitete. Die Runde um mich war außer sich, denn nach den Erzählungen waren es die besten Sushi weit und breit. Ich erinnere mich, dass ich diese allgemeine Hochstimmung nicht ganz teilen konnte. Obwohl ich mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger bereits virtuos mit den Stäbchen jonglieren konnte, hatte diese Sushi-Premiere meine Geschmackszellen (noch) nicht vollkommen überzeugt.
Spät abends kehrte ich wieder in mein Hotel zurück. Ich bereitete noch alles für die Abreise am nächsten Morgen vor. Die Koffer waren gepackt und den Rest verstaute ich am nächsten Morgen in der Reisetasche. Nach dem Frühstück im Hotelrestaurant war nur noch die Hotelrechnung zu bezahlen. Ich suchte gerade meine Traveller-schecks, als sie mir der freundliche junge Mann an der Rezeption entgegen hielt.
Mit "Sie haben die Schecks gestern in einer Sushi-ya verloren" unterbrach er meine Sprachlosigkeit. "Die Wirtsleute haben mit der Unterschrift auf den Schecks ihre Identität und ihren Aufenthaltsort ausfindig gemacht und zirka um Mitternacht im Hotel angerufen und uns den Fund mitgeteilt." Und weiter: "Da wir wussten, dass Sie heute abreisen, haben wir dann einen Boten zu der Sushi-ya geschickt. Dieser hat sich sofort auf den Weg gemacht - schließlich sind es insgesamt mehr als 300 Kilometer - und die Schecks gerade noch rechtzeitig hergebracht."
Wie es den Wirtsleuten gelungen ist, mich in Japan ausfindig zu machen, wird mir immer ein japanisches Rätsel bleiben. Vielleicht war es der Vergleich meiner Unterschriften auf den Schecks (Travellerschecks müssen beim Erwerb unterschrieben werden) mit der Unterschrift auf einem Dokument am Flughafen bei der Einreise? Auf diesem Papier musste ich auch den Aufenthaltsort (mein Hotel) anführen.
Jedenfalls: Großartig wohltuend dieses Tun und eine hohe Latte für Nachahmer.
Beispielhaft. Danke Japan.
Robert Lackner
www.h-eureka.com



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