Pilotprojekt. In Graz gibt es den ersten integrativen Kindergarten der Steiermark. Jung und Alt tauschen sich ein Mal pro Woche aus.
Marcel, Gitti und Andreas sind erfinderisch. Aus Sesseln werden Waggons und schon laden sie die Gäste des Kindergartens, allesamt Vertreter der 70-plus-Generation, zum Einsteigen in den „Expresszug". Viel Gelächter im Gruppenraum, und dass ein Passagier bereits 98 Lenze auf dem Buckel hat, geht im gemeinsamen Spiel von Alt und Jung total unter.Gemeinsam Feste feiernSeit Anfang Oktober hat er der erste „intergenerative Kindergarten" der grünen Mark seine Pforten geöffnet, die ersten Erfahrungen mit dem Pilotprojekt sind sehr positiv. „Wir haben bislang gemeinsam gesungen, getanzt, geturnt, gekocht, gezeichnet und Feste gefeiert und wir können jetzt schon sagen, dass beide Generationen sehr profitieren", erklärt Nina Gaugl, die Leiterin des Betriebskindergartens der Geriatrischen Gesundheitszentren Graz (GGZ) im SN-Gespräch. Die Kinder würden zu den Senioren, die ein Mal pro Woche den Kindergarten besuchen, rasch Vertrauen fassen, für die Älteren wiederum ist die Begegnung mit der jungen Generation eine willkommene Abwechslung im Geriatriealltag. „Wir reden ja sonst oft nur über unsere eigenen Krankheiten. Jetzt freuen wir uns auf das Zusammentreffen mit den Kindern. Plötzlich hat das Leben wieder einen neuen Sinn", erklärt Erika, eine 78-jährige Teilnehmerin des Modellprojekts „Betreutes Wohnen". Was sie besonders wundert? „Dass wir Alten so wohlwollend aufgenommen werden. Da gibt es keine Berührungsängste, wir sind heiß begehrt." Die 45 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren müssen von den Betreuerinnen sogar manchmal „gebremst" werden. „Beim Spielen wollen einige immer gleich Halligalli. Da müssen wir dann einschreiten und Rücksicht auf die Senioren nehmen", sagt Gaugl, deren Konzept des intergenerativen Kindergartens sich an ausländischen Projekten orientiert. Vor allem Japan sei in dieser Hinsicht führend, betont die Kindergartenleiterin.
An den Wänden der Gruppenräume hängen bunte Blumen- und Tierbilder, diese Zeichnungen und Aquarelle sind Gemeinschaftsarbeiten von Kindern und Senioren. Beim Zeichnen und Singen - einige Senioren haben sich zur Gruppe „Geriatric Singers" formiert - kommt man sich rasch näher, auch dann, wenn die Leihomas und Leihopas Geschichten aus ihrem Leben erzählen, einfach nur plauschen oder aus Büchern vorlesen. In der Vorweihnachtszeit steht gemeinsames Keksebacken auf dem Programm. Ab 2010 soll das Projekt auf die zwei Kinderkrippen des GGZ-Betriebskindergartens ausgeweitet werden.Selbstständigkeit erhaltenIm Zentrum aller Begegnungen steht das Thema Selbstständigkeit. Nina Gaugl: „Was die Kleinen noch lernen müssen, soll den älteren Menschen möglichst lang erhalten bleiben." Die Pädagogin räumt ein, auch selbst von der Erfahrung der Älteren lernen zu können: „So manche Oma trifft immer den richtigen Ton." Marcel, Gitti und Andreas bitten ihre Passagiere zum Aussteigen aus dem Sesselzug: „Bis nächste Woche". Händeschütteln und freundliches Winken.
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Lichtblicke 09
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