Diesen Samstag profitiert der Verein Selbstbewußt (www.selbstbewusst.at), der sich um die Prävention von sexuellem Missbrauch bei Kindern kümmert, von Gerald Bauer. Wie? Ganz einfach: „Am Samstag von 9 bis 17 Uhr fahre ich non Stopp, also ohne die Füße von den Pedalen zu nehmen, und möchte so Spenden aufbringen." Stattfinden wird dieses öffentliche Rad-Training bei Intersport Eybl in der Alpenstraße. Aber funktioniert das so einfach - radeln für den guten Zweck? Strampeln für das Kinderglück?
Gerald Bauer (www.bauergerald.com) weiß, dass es funktioniert: „Ich starte jedes Jahr mit irgend einem karitativen Event in die Saison", sagt der 29-jährige Extremsportler und ausgebildete Trainer nicht ohne Stolz. Einmal war es ein Kind in Hallein, für das aufgrund der von Bauer gesammelten Spenden ein Behindertenhund angeschafft werden konnte. Ein anderes Mal wurde einem kleinen Mädchen aus Oberalm ermöglicht, eine Spezialschule, wo sie besonders gefördert wird, zu besuchen. Bauer ist dafür ganz einfach einen Marathon gelaufen - aber nicht quer durchs Gelände, sondern Indoor: 222 Runden in der Sporthalle Rif. „Da kriegt man fast einen Drehwurm", beschreibt er sein Gefühl. Wie er auf seine Projekte kommt? „Durch Tipps von Bekannten", sagt Bauer, der in Hallein lebt, „mir ist auch wichtig, dass ich einen persönlichen und einen regionalen Bezug dazu habe." Im Fall des Vereins Selbstbewusstsein etwa hat ihn die tagesaktuelle Berichterstattung auf das Thema aufmerksam gemacht: „Der Verein macht präventiv etwas gegen sexuellen Missbrauch. Sie gehen in Schulen und sensibilisieren Lehrer, Eltern und Schüler." Das hat Gerald Bauer beeindruckt - und er wollte helfen: Denn ein Kurs kostet 150 bis 300 Euro pro Klasse - und Bauer will nicht, dass so eine wichtige Arbeit an solchen geringen Geldbeträgen scheitert.
Apropos Geld: Das ist derzeit auch für Sportler wie ihn, die auf Sponsoren angewiesen sind, in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht einfach aufzutreiben. Noch dazu im Radsport, wo derzeit ein Doping-Fall den anderen jagt. Aber Bauer, dessen Spezialdisziplin 24-Stunden-Radmarathons sind, weiß, dass er auch hier Glück hat: „Mein Sponsor will nicht maximale Leistung, sondern die Emotion auffangen und transportieren. Es ist nicht oberstes Ziel, zu gewinnen. Auch das Erleben von Höhen und Tiefen ist wichtig und gehört dazu.
Was motiviert den studierten Sportwissenschafter und ausgebildeten Trainer Bauer immer wieder, sich solche Qualen anzutun? Wo ist sein Lichtblick - in der 24. Stunde an durchgehender Quälerei am Fahrrad - um doch noch ins Ziel zu kommen? Die Antwort des Radprofis klingt simpel: „Was mich motiviert, ist die Freude an der Bewegung. Schönes Wetter gibt mir viel Kraft und Freude zurück." Und dann gibt es da auch noch spezielle Events, zu denen er sich die Teilnahme erst erkämpfen muss, wie seinen heurigen Saisonhöhepunkt, das 24-Stunden-Radrennen im australischen Canberra. Oder wie im Vorjahr der Radmarathon in Spanien: „Das Ziel war Madrid. Und wir sind gerade rechtzeitig angekommen, damit ich mir das WM-Finale auf dem Hauptplatz ansehen konnte. Das war ein unvergessliches Erlebnis."
Aber als Radrennfahrer muss er natürlich auch zum Thema Doping Stellung beziehen. Dazu hat Gerald Bauer - er betreut als angestellter Trainer im Olympiazentrum Rif (http://www.lbz-rif.at Sportler, unter ihnen bekannte Namen wie den Triathleten Roland Schwarzl oder den Boxer Oliver Obradovic - eine klare Position: „Als Trainer tuts mir leid für Sportler von mir, die wissen, dass sie gegen gedopte Kollegen antreten. Und als Radsportler fühle ich mich bestätigt, mich von der Elite zurückgezogen zu haben, und auf eine spezielle Disziplin konzentriert zu haben." Und beim 24-Stunden-Fahren komme es viel mehr auf das soziale Umfeld, die Technik, die Betreuung und die eigene Motivation an, um durchzuhalten, als auf Pillen und Spritzen. Auch der wirtschaftliche Druck und die Preisgelder seien viel geringer als bei der Tour de France und ähnlichen Rennen.
Für sein öffentliches, karitatives Training am Samstag, bei dem man so nebenbei auch mit ihm plaudern kann, wird die besondere Herausforderung das schöne Wetter sein. Aber Gerald Bauer verspricht trotzdem, sein bestes zu geben: „Im Idealfall schaffe ich einen 40-km/h-Schnitt. Dann wären das nach acht Stunden mehr als 300 Kilometer. Und wenn wir fünf bis zehn Euro an Spenden pro Kilometer schaffen, sind das im besten Fall über 3000 Euro." Geld, das er für seinen persönlichen Lichtblick, glückliche Kinder, einsetzen will.



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