Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

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Neues von Gertraud Leimüller

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Ob Facebook oder die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China: Viele Wirtschaftstrends beruhen auf Masseneuphorie und nicht auf Intelligenz.
 
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Auch Netzwerke können versagen. Das wird von vielen im derzeitigen Vernetzungs-Hype leider allzu gern ausgeblendet. Es ist aufregend. Mensch mit Mensch. Maschine mit Mensch. Maschine mit Maschine. Die Verknüpfungsmöglichkeiten sind unendlich, die möglichen Ergebnisse atemberaubend, vom Kundennetz, das ein Kleinunternehmen aus Österreich selbst im fernen Südamerika aufziehen kann, bis zum Auto, das mit der Ampel kommuniziert, oder der Prothese, die durch bloße Menschengedanken gesteuert wird.
Netzwerke jeder Art sind das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft. Nirgends ist das so stark zu spüren wie in Jugend-Cliquen oder in der Geschäftswelt, und das nicht nur, weil es in Kürze das soziale Netzwerk Facebook schaffen dürfte, den weltgrößten Börsegang einer Technologiefirma hinzulegen.
 
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Soziales Unternehmertum wird zu einem spannenden neuen Marktfeld. Etablierte Institutionen müssen aufpassen, den Zug nicht zu versäumen. Nehmen wir an, ein Land weist die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU auf. Diese erkauft es sich durch das zweitniedrigste Pensionsantrittsalter aller Industrieländer, also durch Frühpensionierungen. Damit ist auch klar, dass die Bürger dieses Land eine hohe Steuerlast tragen müssen, exakt: die  siebthöchste Abgabenquote der EU.
 
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Die Insolvenzwelle in der deutschen Solarindustrie zeigt, dass Fabriken Hirnschmalz brauchen, wenn sie in Europa ihren Platz behalten wollen. Wenn es einen Unterschied zwischen Deutschland und Österreich gibt, den man beim Grenzübertritt bereits aus der Ferne sehen kann, so ist es die Dichte von Solarmodulen auf den Dächern. In Deutschland ist diese, dank einer hohen staatlichen Förderung, wesentlich höher als in Österreich. Photovoltaik galt bis vor Kurzem als Leitindustrie, die vor allem im schwierigen Osten Tausende Jobs schaffen konnte.
 
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Es entsteht eine private Parallelökonomie, von der auch die Wirtschaft profitieren kann. Eigentlich ist es irrational: Noch nie wurden so viele Konsumgüter produziert wie heute. Noch nie waren viele von ihnen, zumindest in einer Basisausführung, so günstig wie heute. Dennoch legen immer mehr Menschen selbst Hand an: In New York wird auf Dachflächen Gemüse gezogen und dieses privat verspeist oder an hippe Restaurants verkauft. „Guerilla Gardening", also das Bepflanzen von Verkehrsinseln oder Brachflächen in der Stadt, ist auch in Hamburg und Wien zu beobachten. Regionen erzeugen ihren eigenen Strom und wollen energieautark werden. Im Wochentakt entstehen private Tauschbörsen, deren Mitglieder sich gegenseitig Talente, Zeit und Geräte borgen. Manchmal ganz ohne Geld. Bei anderen wiederum dreht sich alles um das Geld, etwa bei privaten Kredit- und Crowdfunding-Plattformen.
 
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Warum haben Kleinbetriebe zwar eine Buchhaltung, aber keine Forschungsabteilung?
Die Größe ist kein Argument, sich nicht mit der Zukunft zu beschäftigen.

Eine Antwort gleich vorweg: Am Geld kann es nicht liegen. Forschung muss nicht viel kosten. Auch viele große Konzerne investieren nur Bruchteile ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. BMW in Steyr knapp fünf Prozent. Voestalpine ein Prozent. Der deutsche Chemiekonzern BASF knapp drei Prozent. Zweistellige Prozentzahlen wie in den Pharmafirmen sind die große Ausnahme.

 
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Wirtschaft und Gesellschaft profitieren vom teuren Treibstoff stärker, als ihnen dieser schaden kann. Höhere Preise für knappe Güter setzen Innovation frei. Öl und Gas sind das Schmiermittel der Wirtschaft. Mit dieser Idee sind ganze Generationen aufgewachsen: Gibt es kein Öl, bricht das Wachstum ein. Man muss sich einschränken. Diese Logik stimmt jedoch nicht mehr: Mittlerweile haben jene Unternehmen bessere Wachstumsaussichten, die Geld ins Energiesparen und grüne Technologien investieren. Selbst große Fonds kommen an Greentech, die Klammer über ressourcenschonende, neue Technologien, nicht vorbei: „Achtung, hier warten satte Gewinne!"
 
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Die Menschen ziehen in die Stadt, weil sich dort das wirtschaftliche Leben abspielt.
Könnte man diesen Trend nicht umkehren? Das Land wächst.  In den nächsten 18 Jahren um mehr als eine halbe Million Menschen. „9,0 Millionen Einwohner", wird 2030 im elektronischen Schulbuch zu lesen sein, wenn dort ein Kind auf Österreich klickt.
 
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Es ist erstaunlich, woran wir vor ein paar Jahren noch glaubten. Selbst Experten verschätzen sich mitunter.
 
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Maximales Lernen statt maximalem Gewinn. Gnadenlose Experimente statt gnadenloser Effizienz. Das ist die Richtung, in die es gehen muss. Für die Wirtschaft sind Schulen so etwas wie magische Orte: Ich kenne kein Großunternehmen, das nicht die Nähe zu Schülern und Studierenden sucht. Sie zum Tag der offenen Tür einlädt. Ideenwettbewerbe ausschreibt. Unterrichtsmaterial und Projekte bezahlt. Lehrer weiterbildet. Oder sogar Klassenzimmer renoviert. Auch kleinere und mittlere Unternehmen beginnen nun damit. Das Ausmaß, in dem dies geschieht, ist neu, das Motiv nicht: Gute Mitarbeiter sind schon heute schwer zu finden. Künftig werden sie - Stichwort Demografie und Spezialisierung -  noch schwerer zu finden sein. Logisch, dass man an die Schulen geht. In Wirtschaftsdeutsch heißt das Strategie.
Zu ihr gehört auch, dass Bildung ein Topthema für wirtschaftliche Interessenvertretungen ist, dass überlegt wird, wie Schulen reformiert gehören.