Zum Nationalfeiertag am 21. Juli machte Sozialistenchef Elio di Rupo klar, dass die als wahrscheinlichste Variante gehandelte Spiegelkoalition doch nicht kommt. Sie hätte alle Parteien in den Regionalregierungen auf Bundesebene abgebildet - und auch die nötige Mehrheit für eine Staatsreform. Doch die Grünen werden, ebenso wie die bei der Wahl geschlagenen Liberalen auf beiden Seiten der Sprachgrenze, nicht dabei sein. Formell war de Wever durch König Albert II. ohnehin nur mit Vorbereitungsgesprächen betraut, auch di Rupo ist jetzt nur als „Preformateur" eingesetzt, also zum Vorfühlen.
Zwar waren, wie es in Brüssel so schön heißt, zum Nationalfeiertag, wie jedes Jahr, Flamen und Wallonen friedlich vereint bei der traditionellen Militärparade vor dem Königspalast. Mit rund 100.000 Zuschauern gab es einen neuen Rekord, die Lage des Landes ist deshalb aber nicht besser.
Der Sommer in Belgien ist gefüllt mit einer Vielzahl großer Festivals oder dem riesigen Volksfest in Gent, das am Wochenende nach zehn Tagen endete. In den Ferien bis Anfang September wird wohl nicht viel passieren. Unterbrochen wird die Ferienstimmung nur ab und zu durch seltsam anmutende Erfolgsmeldungen wie jene zum Jahrestag einer spektakulären Gefangenenbefreiung mit Hubschrauber in Brügge. Im ersten Halbjahr 2010 seien nur noch acht (!) Gefangene in Belgien entkommen, hieß es. Die Verlegung von 500 Häftlingen in ein angemietetes Gefängnis in den Niederlanden habe sich bewährt. Recht viel klarer kann das Versagen der eigenen Justiz nicht ausgedrückt werden.


