Apple, Facebook und Twitter wurden von Studienabbrechern gegründet. Kein Einzelfall: Unter US-Millionären gibt es mehr Drop-outs als Doktoren.
Über die Unterschiede zwischen dem europäischen und US-amerikanischen Bildungssystem könnte man ganze Bibliotheken füllen. Doch es gibt auch viele Gemeinsamkeiten, darunter den Wunsch, möglichst viele Jugendliche studieren zu lassen. Es soll ja einmal etwas werden aus ihnen.
So sie nicht anderes im Sinn haben: Apple-Mitgründer Steve Jobs brach sein Studium ebenso ab wie Bill Gates (Microsoft), Mark Zuckerberg und Dustin Moskovitz (Facebook) sowie Jack Dorsey und Biz Stone (Twitter).
Die Drop-outs sind in guter Gesellschaft: Von den 400 Superreichen auf der Liste des US-Magazins Forbes haben 63 keinen College-Abschluss und somit nicht einmal die niedrigste Stufe der Hochschulleiter erklommen. Damit ist, zumindest in den USA, die Gruppe der Studienabbrecher drei Mal so groß wie jene der Doktoren: Nur 21 der 400 Millionäre haben ein PhD-Programm abgeschlossen.
Das zeigt eindrucksvoll, dass die beliebte Gleichung „viel Bildung = viel Erfolg" nicht immer stimmen muss. Weder für den Einzelnen noch für eine Volkswirtschaft. Die bekannte Statistik, dass Akademiker generell mehr verdienten als Nichtakademiker, sei nicht kausal, sagt der Autor des Buchs „The Education of Millionaires", Michael Ellsberg. Sie sei dadurch zu erklären, dass ehrgeizige Menschen eher studierten als weniger ehrgeizige. „Ohne Studium würden viele dieser Leute nicht viel weniger verdienen."
Auch in Österreich fällt auf, dass junge Leute mit pfiffigen Ideen im sozialen oder unternehmerischen Bereich häufig ihr Fach nicht studiert haben. Oder aus einem anderen Beruf kommen. Autodidakt statt Doktortitel. Personalabteilungen können mit so einem Phänomen noch nicht umgehen, das ist klar. Sie werden es lernen müssen. Selbst die renommierte Harvard Business School klagt inzwischen darüber, wie schwierig es geworden sei, die Besten der Besten für ein Studium zu motivieren.
Kritischer Verstand, Kreativität, Zielstrebigkeit, Umgänglichkeit, Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen. Das sind einige der Eigenschaften, die man im Leben braucht, um es zu etwas zu bringen. Gelehrt werden diese freilich kaum. Somit muss man ernsthaft die Frage stellen, ob die Erneuerung von Wirtschaft und Gesellschaft, wie das über Jahrhunderte der Fall war, auch in Zukunft aus dem Umfeld der Universitäten kommen wird. Wissen ist heute frei verfügbar. Und ein akademischer Titel ist selbst in Österreich nicht mehr das, was er einmal war.



- österreich hat doch mit den berufsbildenden schulen und der qualifizierten lehrlingsausbildung und meisterprüfung ein breit gefächertes bildungsangebot, welches die verschiedenen neigungen, fähigkeiten und fertigkeiten zur entfaltung bringen kann. die politik und die medienleute müssen nur aufhören, andere bildungen als akademische, minder zu bewerten und einem handwerklich begabten, der es zum meister gebracht hat, auch noch den studienzugang zu verwehren. lg dejo
Der Studienzugang wird doch niemanden verwehrt. Ich keine einen ehemaligen Fermeldeelektriker der Poat, der heute Magister ist, eine Frau die eine kaufmännische Lehre absolviert hat und heute Dr.phil ist, und einen Schlosser, der infolge eines Arbeitsunfalles eine Hand verloren hat und nun an der UNI Salzburg studiert.
Was haben die mir bekannten Personen gemacht? Eine Studienberechtigungsprüfung, die je nach angestrebten Fachgebiet in ein bis zwei Jahren zu schaffen ist.
Wo ist das Problem?
Man hat echt nichts dagegen, daß junge Leute auf die Methoden ihrer Altvorderen ihren Platz im Leben zu finden pfeifen und - sich auf ubiquitäre und doch so individuelle Vorzüge wie Kreativität, Selbstvertrauen, kritischen Verstand verlassend - die Gesellschaft in nie dagewesenem Maße bereichern. Doch gerade weil diese so auswuchern, könnten andere Zahnweh, die Mutterfraisen oder Junge kriegen.
Die Walze mit dem Loblied auf die Studienabbrecher eiert ganz schön. Die Computerleute mögen unter Nachsicht wirklich aller Taxen bestehen (obwohl ihr außergewöhnlicher Erfolg für noch mehr Schulabbrecher sorgt und die Reihen der unbrauchbaren Jünglinge und Maiden dichter werden läßt) - die Vorbildwirkung von Facebook oder Twitter kann wohl nur ein verunglückter Scherz im Fasching sein.
Die Welt sieht twitterig/facebookig genug aus, soll sie von lauter solchen Geistesblitzen erhellt werden?