Aber ist das wirklich aussagekräftig? Im Sport würde es heißen: Österreich fährt weiterhin auf der Verliererstraße. Bereits zum dritten Mal verliert es an Innovationsfähigkeit. 2009 lagen wir im Innovation Union Scoreboard der EU noch auf Platz sechs. Vor einem Jahr fielen wir auf Platz sieben zurück. Und jetzt auf Platz acht.
Das ist traurig. Der schöne Traum, zum Innovationsleader der EU aufzusteigen, ist geplatzt. Ein Stockerlplatz neben den vifen Schweizern und Skandinaviern, die die Rankings der EU-27 stets anführen, ist außer Sicht. Wir befinden uns dort, wo am meisten gerempelt wird: im Mittelfeld. Im EU-Jargon heißt das elegant, aber trotzdem nicht schmeichelnd: Innovation Follower.
Kann man aus so einer Position heraus Meter machen? Ja, man kann und das ist die gute Nachricht am jüngsten Befund: Man könnte das Ranking einfach überholen und Innovation neu definieren. Das EU Innovation Scoreboard ist wichtig, um den Wettbewerb unter den EU-Ländern und ihren Regierungen anzustacheln. Doch es bildet, so wie alle Rankings, nur die Vergangenheit ab und dort auch nur das, was messbar ist. Ein Beispiel für die vielen Faktoren, die einfließen, ist die Zahl erteilter Patente pro Land. Wir wissen jedoch, dass 95 Prozent der Patente ohnehin nie in Waren auf dem Markt auftauchen, sondern in Schubladen verstauben.
Überhaupt: Was ist schon messbar, wenn es im Grunde um die Zukunft geht, nämlich um die Entwicklung von Neuem, das besser funktionieren soll als das Bestehende? Das noch nie dagewesene existiert noch nicht, ist nicht vorstellbar und daher auch nicht messbar. Man weiß nur, dass es besser funktionieren soll als das Bestehende, sonst braucht man es erst gar nicht.
Meist sind jene Menschen besonders innovativ, die neue Verknüpfungen herstellen können. Zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, die nicht zusammengehören. Zwischen Branchen, die nicht zusammengehören. Zwischen Ländern, die nicht zusammengehören. Das sollte Österreich, dem kleinen Land mit den vielen Nachbarn, eigentlich liegen. Um solche Menschen sollten wir uns vermehrt kümmern. Ihnen Möglichkeiten bieten: Kontakte, Räume zum Experimentieren, Startkapital. Sei es in Unternehmen selbst oder außerhalb. In der Kunst oder in der Technik. In der Stadt oder im Dorf. Im Industriepark oder im leeren Kuhstall.
Dann werden sie hier bleiben. Und wir sind automatisch vorn dabei.



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