Großbritannien ist in Feierlaune, daran ändern auch die traurigen Konjunkturdaten nichts. Kommende Woche jährt sich zum 60. Mal der Tag, an dem Queen Elizabeth II. den Thron bestieg. Tags darauf, am 7. Februar, gilt es den 200. Geburtstag des Schriftstellers Charles Dickens zu feiern. Und in der City of London, deren Aufstieg ebenfalls vor rund 200 Jahren einsetzte, feiert man, dass Premier David Cameron für die inoffizielle Welthauptstadt des Geldes in Europa auf die Barrikaden steigt.
Die City of London, eine Ansammlung einiger hundert Finanzhäuser auf einer Fläche von nur 2,6 Quadratkilometern (daher der Name Square Mile), ist nicht nur sprichwörtlich eine Welt für sich. Sie verfügt über ein Statut, das ihr die Selbstverwaltung erlaubt. Sie wählt einen eigenen Bürgermeister, und die Queen muss sich anmelden, wenn sie von der City of Westminister zu Besuch in die City of London kommt.
Zur Zeit von Dickens war die City ein belebtes Viertel, aber beileibe keines, in dem man gerne und freiwillig wohnte. Bei seinen nächtlichen Spaziergängen und den Besuchen in den Pubs stieß Dickens auf gescheiterte Existenzen. Heute träfe er des nächstens kaum jemanden, mit Büroschluss leert sich die City. An gescheiterten Existenzen fehlt es nicht, aber es sind andere als damals. Etwa Fred Goodwin, Ex-Chef der Royal Bank of Scotland, die der Staat mit 45 Mrd. Euro retten musste, und der dennoch 700.000 Pfund Pension bezieht. Nun hat ihm die Queen den Sir-Titel entzogen. Anders als der Geldadel demonstriert der Hochadel Solidarität. Auch die Queen tritt finanziell kürzer, ihre Apanage wird bis 2015 nicht erhöht. Dem Moralisten Dickens, der als Bub erleben musste, wie sein Vater wegen nicht bezahlter Schulden ins Gefängnis ging, hätte das wohl gefallen. Er prangerte Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Manchester-Kapitalismus an. Mit seinen Büchern gelangte er selbst zu erheblichem Wohlstand, und hortete sein Vermögen aus Angst, jemals wieder arm zu werden. Vielleicht sind die hunderttausenden Banker, die in der City ihrem Broterwerb nachgehen, aber gar nicht zu beneiden. Oscar Wilde schrieb im 19. Jahrhundert: „Für mich ist das Leben des Geschäftsmannes, der sein Frühstück isst, einen Zug in die City nimmt, sich in der armseligen, staubigen Atmosphäre der Geschäftswelt aufhält, nach Hause fährt und nach dem Abendessen schlafen geht, schlimmer als das eines Galeerensklaven. Seine Ketten sind aus Gold statt aus Eisen." Mögen die Arbeitsbedingungen in den Büros der City für die Banker heute auch viel angenehmer sein, an der Art, wie sie im Hamsterrad des Geldes treten, hat sich seither wenig geändert.
Zur Zeit von Dickens war die City ein belebtes Viertel, aber beileibe keines, in dem man gerne und freiwillig wohnte. Bei seinen nächtlichen Spaziergängen und den Besuchen in den Pubs stieß Dickens auf gescheiterte Existenzen. Heute träfe er des nächstens kaum jemanden, mit Büroschluss leert sich die City. An gescheiterten Existenzen fehlt es nicht, aber es sind andere als damals. Etwa Fred Goodwin, Ex-Chef der Royal Bank of Scotland, die der Staat mit 45 Mrd. Euro retten musste, und der dennoch 700.000 Pfund Pension bezieht. Nun hat ihm die Queen den Sir-Titel entzogen. Anders als der Geldadel demonstriert der Hochadel Solidarität. Auch die Queen tritt finanziell kürzer, ihre Apanage wird bis 2015 nicht erhöht. Dem Moralisten Dickens, der als Bub erleben musste, wie sein Vater wegen nicht bezahlter Schulden ins Gefängnis ging, hätte das wohl gefallen. Er prangerte Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Manchester-Kapitalismus an. Mit seinen Büchern gelangte er selbst zu erheblichem Wohlstand, und hortete sein Vermögen aus Angst, jemals wieder arm zu werden. Vielleicht sind die hunderttausenden Banker, die in der City ihrem Broterwerb nachgehen, aber gar nicht zu beneiden. Oscar Wilde schrieb im 19. Jahrhundert: „Für mich ist das Leben des Geschäftsmannes, der sein Frühstück isst, einen Zug in die City nimmt, sich in der armseligen, staubigen Atmosphäre der Geschäftswelt aufhält, nach Hause fährt und nach dem Abendessen schlafen geht, schlimmer als das eines Galeerensklaven. Seine Ketten sind aus Gold statt aus Eisen." Mögen die Arbeitsbedingungen in den Büros der City für die Banker heute auch viel angenehmer sein, an der Art, wie sie im Hamsterrad des Geldes treten, hat sich seither wenig geändert.



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