Spontan führt das Wort Familie fast ausschließlich zu positiven Assoziationen. Der gelernt katholische Bürger verbindet damit in Umfragen Gefühle von der Geborgenheit bis zur Heimat. Dass das heutzutage weniger mit Trauscheinen zu tun hat und von der traditionellen Groß- bis zur modernen Patchwork-Familie gilt, erhöht sogar den ohnehin hohen Stellenwert des Familienbegriffs. Auch wenn christliche Fundamentalisten das verteufeln mögen.
Rund drei Viertel der 14- bis 24-jährigen wünschen sich eine Familie. Nur sechs Prozent schließen Kinder aus. Jene Jugendlichen, die einen Kinderwunsch angeben, wollen zu rund 60 Prozent mindestens zwei Stück davon. Nach diesen Daten des Jugendmonitors im Auftrag des Wirtschaftsministeriums wäre das Problem der alternden Gesellschaft mit der Naturmethode bekämpfbar: Paare haben unglaublich viel Spaß, weil man sich ja zwecks Familiengründung der Produktion von Nachkommen widmen will.
Als volkswirtschaftlicher Nebeneffekt würde sich mittelfristig die Zahl jener vergrößern, welche später als Arbeitskräfte besten Alters in das Sozialsystem einzahlen anstatt dass es zunehmend Empfänger von Transferleistungen vulgo Pensionen gibt. Die Realität sieht anders aus: Es gibt immer mehr Ältere, und immer weniger Nachwuchs. Die Fertilitätsrate als durchschnittliche Kinderzahl pro Frau beträgt 1,44.
Das bedeutet unter 80.000 österreichische Geburten im Jahr, und bis 2050 einen Anstieg des Anteils der über 65-jährigen in der Alpenrepublik von momentan 17 auf bis zu 30 Prozent. Absolut sind das knapp drei Millionen im Seniorenalter. Als Reaktion darauf eine dramatische Erhöhung des faktischen Pensionsalters zu fordern, das ist sowohl richtig als auch nicht weihnachtlich.
Der Weg von den Feiertagen zurück in den Job könnte Anstoß sein, unser gelebtes Familienbild zu überdenken. Eine familienfreundliche Arbeitswelt ist keineswegs selbstverständlich. Maßnahmen von der Väterkarenz bis zur Elternteilzeit sind geltendes Recht, werden jedoch im Kopf nicht gelebt oder gar gesellschaftlich sanktioniert.
Für Frauen ist es ein Karrierehindernis, Zeit zu Hause beim Kind zu verbringen. Wer Beruf und Familie zu vereinen versucht, wird prompt als Rabenmutter stigmatisiert. Obwohl klar über die Hälfte der Staatsbürger Frauen sind, liegt der Frauenanteil aller Erwerbstätigen bloß bei 45 Prozent.
Unser familiäres Denken zu reflektieren, das sollte nicht scheinheilig beim unmusikalischen Liedersingen unter brennenden Bäumen geschehen - während womöglich die Frau Fischreste abspült -, sondern im Alltag von privatem Zusammenleben und Beruf.



"Weihnachten gilt als familiäre Megafeier." (Zitatende)
Weihnachten gilt in erster Linie als die Geburt des Herrn. Und Katholiken bzw. Christen, die die gottgewollte Ehe verteidigen und leben, sind - Gott sei Dank - vollkommen normal und keinesfalls "fundamentalistisch"...