Man kann es als Ironie der Geschichte sehen, dass just jene Länder, die heute der Atomkraft besonders kritisch gegenüber eingestellt sind, diese im Grunde hervorgebracht haben: Die Deutschen Otto Hahn und Fritz Straßmann entdeckten die Kernspaltung bei Uran, die Österreicher Ilse Meitner und deren Neffe Otto Frisch, beide Nobelpreiskandidaten, die letztlich leer ausgingen, lieferten die erste theoretische Erklärung dafür. Zusammen mit den Beiträgen der Familie Curie in Frankreich ist die Atomkraft somit eine durch und durch europäische Entdeckung.
Das wird gern vergessen, wenn angesichts der japanischen Katastrophe besonders vehement in Mitteleuropa ein Ausstieg aus dieser Technologie verlangt wird. Um nicht falsch verstanden zu werden: Der Ausstieg wird heute zu Recht gefordert, weil die Risiken der jungen Technologie, die in ihrer zivilen Nutzung nicht älter ist als das Farbfernsehen - nämlich rund 60 Jahre -, offensichtlich nicht beherrschbar sind.
Die große Gefahr aber gerade in unseren Breiten ist, dass die falschen Lehren gezogen werden: Dass Technik per se schlecht, weil wider die Natur ist. Schnell wird wieder der künstliche Gegensatz Mensch und Maschine, oder „Produktionsmittel" wie es bei Karl Marx heißt, hervorgekramt. Der Mensch verstößt gegen die Natur und wird dafür schwer bestraft.
Doch halt! Können wir in einer modernen Gesellschaft, in der winzige Computerchips blinden Menschen einen Teil ihres Augenlichts und Tauben das Hörvermögen zurückgeben, überhaupt noch mit Gewissheit sagen, wo der Mensch aufhört und wo die Maschine beginnt? Ist nicht längst fast jede Tätigkeit, die man verrichtet, jede Arbeit, die man erledigt, eigentlich Technik und somit potenziell böse?
Nach moderner Definition sind praktisch alle Prozesse und Verfahren, die Menschen sich ausdenken, um eine Idee umzusetzen, Technologie oder Technik - von der Atomkraft bis zur Komposition einer Beethoven-Symphonie.
Der Unterschied, so sagt etwa der Wissenschafter Brian Arthur, sei nur der Zweck. Somit sind wir beim eigentlichen Kern: Nicht Technik selbst, sondern das, was man mit ihr erreichen will, muss hinterfragt werden. Noch mehr Reichtum und Wohlstand um den Preis noch höheren Risikos?
Das kann es nicht sein. Eine der Lehren aus Japan muss sein, dass die Zaghaftigkeit, mit der bisher Technologien für Energieeffizienz und erneuerbare Energie entwickelt und in der Wirtschaft angewendet wurden, beendet werden muss. Wir brauchen mehr, nicht weniger Technologie. Die richtige.



Technikangst an sich ist gewiss unsinnig. Es sind ja immer Menschen, die sie gefährlich machen - Menschen ohne Verantwortungsbewusstsein, ohne Ethik, bestensfalls, wenn man da überhaupt auch nur von gut reden kann, ohne Verstand ober ausreichendes Denken. Denn wir gescheit genug ist, um sich der technischen Möglichkeiten zu bedienen oder sie gar weiter zu entwickeln, müsste doch wohl auch dazu in der Lage sein.
In der Medizin wird jede Anwendung neuer Möglichkeiten einer maßgebenden ethischen Wertung unterzogen. Geschähe das auch bei technischen Errungenchaften, brauchte sie niemand zu fürchten. Zweifellos spielt da auch das große Geld eine beachtliche Rolle.
Im Grunde geht es stets darum, ob der Mensch die Technik beherrscht oder sie ihn, ob er sich deren Möglichkeiten zunutze macht oder sich ihr unterwirft, ob und vor allem auch wie er sie handhabt oder die Hände faltet, um sie anzubeten.
Leimüller, wo leben sie. Die Technik hat den sapiens an den Abgrund gebracht (siehe Hiroshima, Czernobyl, Japan, ...).
Der kleinste Wurm ist klüger als die "Krone der Schöpfung". Also: Runter vom hohen Ross! Zurück zur verstrahlten Natur!
Manche werden wohl nie klüger.
Die Technik an und für sich wenn diese beherrscht wird vom Menschen macht keine Sorgen, aber die Art der Technik die den Menschen beherrscht ist mehr als Besorgniserregend.
Nicht nur die Atomkraftwerke machen da Kopfzerbrechen, jeder von uns kennt Beispiele wo der Computer willkürlich versagt hat, Systeme die sich ohne Grund schließen etc..
Oder denken wir an die Aluminiumhütte in Ungarn wo Rotschlamm, bzw. an das Goldbergwerk wo Cyanlauge austrat, oder nicht zu letzt Contergan, TDD die Wundermittel die Menschen und Natur nachhaltig schägigen und trotz allem immer wieder auftreten.
Es fehlt eine umfassende Technikfolgeabschätzung.
Man hat uns in der Ausbildung hinters Licht geführt, belogen und betrogen, unsere Lehrer wahren somit keine Lehrer im sinne eines Weltbildvermittlers sondern Redner eines damals schon überkommenen Systems.
"gefällt mir" aber bei den Pionieren der Atomkraft fehlt ein entscheidender Name: Albert Einstein. Erst mit dessen Erkenntnis, dass Masse und Energie nicht voneinander zu trennen sind, sondern dass das eine in das andere übergeführt werden kann (E=mc²), konnten die von Hahn/Straßmann gemachten Beobachtungen von Lise (nicht Ilse) Meittner/Frisch erklärt werden.
Meitner mit einem t...
Albert Einstein steht vor allem für jene (dünn gesäten) technischen Wissenschafter für die in "Kontroverse" gestellte Frage nach der ethischen Verantwortung. Denn er war es mit seinen Kollegen, die Präs. Roosevelt anflehten, die Atombombe nicht zum Einsatz zu bringen. Leider vergeblich. Ob er je ganz darüber hinweggekommen ist? Denn ethische Verantwortung setzt ja wohl ein intaktes Gewissen voraus, das eigene Interessen, wie persönliche Erfogsbestätigung nicht über das Wohl und Wehe anderer Menschen stellen kann. Er, der Pazifist, hatte die Bombe nur als wirksame Abschreckung verstanden. Truman brachte sie - für den Ausgang des Kireges vollkommen überflüssig - skrupellos zum Einsatz.
Ich weiß nicht wieso, aber unvermittelt fiel mir Schillers Lied von Glocke ein. Es ist bestürzend, wie leicht man es u. a. auf die Lage in Japan umlegen kann. In einiegen Auszügen daraus habe ich nur ganz wenig geändert:
Drum prüfe, wer sich ewig bindet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
Rauchend in des Henkels Bogen
Schießts mit feuerbraunen Wogen.
Wohltätig ist der Technik Macht,
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
Und was er bildet, was er schafft,
Das dankt er dieser Himmelskraft,
Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
Wenn sie der Fessel sich entrafft,
Einhertritt auf der eignen Spur
Die freie Tochter der Natur.
Wehe, wenn sie losgelassen
Wachsend ohne Widerstand
Durch die vollbelebten Gassen
Wälzt den ungeheuren Brand!
Denn die Elemente hassen
Das Gebild der Menschenhand.
Aus der Wolke, ohne Wahl,
Zuckt der Strahl!
Hört ihrs wimmern hoch vom Turm?
Das ist Sturm!
Rot wie Blut
Ist der Himmel,
Das ist nicht des Tages Glut!
Welch Getümmel
Straßen auf!
Dampf wallt auf!
Flackernd steigt die Feuersäule,
Durch der Straße lange Zeile
Wächst es fort mit Windeseile,
Kochend wie aus Ofens Rachen
Glühn die Lüfte, Balken krachen,
Pfosten stürzen, Fenster klirren,
Kinder jammern, Mütter irren,
Tiere wimmern
Unter Trümmern,
Alles rennet, rettet, flüchtet,
Taghell ist die Nacht gelichtet,
Durch der Hände lange Kette
Um die Wette
Fliegt der Eimer, hoch im Bogen
Sprützen Quellen, Wasserwogen.
Heulend kommt der Sturm geflogen,
Der die Flamme brausend sucht.
Prasselnd in die dürre Frucht
Fällt sie, in des Speichers Räume,
In der Sparren dürre Bäume,
Und als wollte sie im Wehen
Mit sich fort der Erde Wucht
Reißen, in gewaltger Flucht,
Wächst sie in des Himmels Höhen
Rießengroß!
Hoffnungslos
Weicht der Mensch der Götterstärke,
Müßig sieht er seine Werke
Und bewundernd untergehen.
Leergebrannt
Ist die Stätte,
Wilder Stürme rauhes Bette,
In den öden Fensterhöhlen
Wohnt das Grauen,
Und des Himmels Wolken schauen
Hoch hinein.
Sehr geehrte Frau Müller!
Ihren Artikel Technikangst in den Salzburger Nachrichten habe ich mit sehr grossem Interesse gelesen. Ich glaube, erstere beruht auch bis in unsere allerjüngste Geschichte noch sehr stark auf Aengsten und Nichtverständnis von Physik, Elektrizität u.ä, und dem damit verbunden Negativdenken anhand von Tschernobyl, Brandkatastrophe in der Kaprun-Bergbahn u.v.m. Stattdessen müsste die Technikangst abgebaut werden durch ein lust,-und erfolgsorientiertes Lernen in der Physik, Mathematik usw.
Mit freundlichen Grüssen
Dominique Blickenstorfer