Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

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Wer zahlt, schafft an: Unterschätzte Kohle der Kleinen

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Finanzkollaps? Mitunter ist das nur ein Synonym für Einfallslosigkeit.
Quickborn, eine Kleinstadt in Schleswig-Holstein, hatte 2009 etwas, was mittlerweile die Mehrheit der Gemeinden hat: leere Kassen. Konkret fehlten vier Millionen Euro, um zwei dringend nötige Schulgebäude fertigbauen zu können. Doch Quickborn tat auch etwas, was nicht alle tun: Es hörte den Bürgern zu. Eine Frau hatte eine Idee: Wenn jeder Einwohner, der das will, freiwillig einen kleinen Kredit gibt, muss sich die Gemeinde nicht teuer bei Fremden verschulden. Wissen Sie, wie schnell das Geld für die Schulen, wiewohl gering verzinst, beisammen war? In zwei Tagen.
Der Quickborner Bürgerkredit ist ein Beispiel von vielen, das zeigt, dass das Jammern über den drohenden Finanzkollaps vieler Institutionen bis hin zu Gemeinden, Ländern und ganzen Staaten oft nur ein Ausdruck der Einfallslosigkeit ist. Natürlich: Hände weg von angeblich innovativen Finanzprodukten, die keiner versteht. Doch mit den Klassikern Bankkredit, Anleihe oder Steuergeld ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Die große ungelöste Frage lautet noch immer: Wie können jene, die (zumindest ein bisschen) Geld haben und dieses sinnvoll einsetzen wollen, zu jenen finden, die über gute Ideen und Vorhaben verfügen, jedoch kein Geld? 
Die Kreativen haben hierfür neue Lösungen entwickelt, die auch für andere Bereiche inspirierend sind: Crowdfunding. Hunderte, oft sogar Tausende von Fans unterstützen mit ein paar Dollar oder Euro via Internet die Produktion von Filmen, Zeitschriften, Musik-CDs oder Ausstellungen, für die es keine öffentlichen Mittel oder Großsponsoren gibt. Auf diese Weise kommen ansehnliche Beträge zusammen. Was mit Musikplattformen wie www.sellaband.com und www.artistshare.net begann, breitet sich mittlerweile mit Dienstleistern wie www.kickstarter.com (USA) und www.startnext.de, www.inkubato.de, www.respekt.net und www.mysherpas.com im gesamten Kreativ- und Sozialbereich aus. Auch im deutschsprachigen Raum.
Dabei geht es nur zu einem kleinen Teil um Spenden oder Mikro-Mäzenatentum. Meist geht es um knallharte Gegenleistungen: Je nach Höhe des Investments im Abspann des Films genannt zu werden, eine vom Künstler signierte CD zu erhalten oder überhaupt beim Drehbuch mitreden zu dürfen. Stichwort mitreden. Umgelegt auf Bildung, Soziales und wo sonst die Kassen leer sind, würde Micro-Funding automatisch zu etwas führen, woran jetzt Mangel herrscht - zu direkter Demokratie.

5 Kommentare | Kommentieren

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    Gefällt mir, finde ich eine Interessante Lösung die "Crowd" also die "Masse" motiviert mitmachen zu lassen, eben auch bei so einem Großprojekt. In Bayern - Gemeindeübersee gibt es das Gasthaus "d´Feldwies" , dessen Kauf wurde seinerzeit von der Gemeinde vorfinanziert und dann eine sogenannte Wirt´shaus-AG gegründet, also die Umnutzung, Ausstattung etc. wurde auf kleine Anteilsscheine zergliedert. Alljährlich gibt es eine "Ausschüttung" der Dividende in Naturalien, wenn es ein gutes Jahr war geht sich ein Essen mit Getränk aus und ansonsten bleibts halt beim Weissbier.
    Bei uns glückt es alle paar Jahre und dafür ist man auch dankbar einen Vereinsbus, Ortsplan oderähnliches zu finanzieren, aber die Masser der Firmen verabschiedet sich mit dem Hinweis auf die Kommunalsteuer. Die Gliederung von Großvorhaben in Anteile/Aktien hätte aber durchaus für alle BürgerInnnen motivierenden Charakter da die Attraktivität steigt mit der persönlichen Verbundenheit.
    Und es sind meiner Erfahrung nach nicht die "Reichen" von denen man etwas bekommt.
    Gerade die kleinen BürgerInnen sind für die Gemeinde da, auch soll erwähnt werden und dies mit besonderem Dank, dass die Klein- & Mittelbetriebe in der Finanzkrise tolle und potente Partner sind, haben diese doch die MitarbeiterInnen nicht freigestellt wie dies die Großbetriebe/Industrei rasch taten.

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    Spannend. In der Schweiz heissen die Crowdfunding-Anbieter investiere und c-crowd.com

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    In Deutschland übernimmt der Staat 90% der Kuturförderung - über dieses System sind wir dankbar - dennoch wächst der Wunsch nach Partizipation und einer demokratischen Kulturlandschaft. Ich denke auch, wie Herr Ebner beschrieben hat, dass der lokale Bereich - Projekte der Kommune interessant werden für die Finanzierung durch die Menschen, die dort leben - das hat etwas mit Verantwortung zu tun, aber auch mit einer Mitentscheidungsmöglichkeit.

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    Der Artikel schlägt in die gleiche Kerbe, wie im Moment die Gründung der Demokratischen Bank, eine Bank auf Genossenschaftsbasis, die sich auf die Grundwerte des Bankgeschäftes besinnen will. Die Aufgaben wie Spareinlagen und anderseits das Kreditgeschäft, wobei für Unternehmen ethische und Argumente der Gemeinwohl-Ökonomie eine wesentliche Rolle bei der Kreditvergabe gelten (keine Waffengeschäfte, etc.). Eine sehr spannende Entwicklung, die sich hier aufmacht und ebenso von der Zivilgesellschaft, den BürgerInnen, also offenen und interessierten Menschen ausgeht. Schade nur, dass in diesem Leitartikel diesbezüglich kein Hinweis zu lesen war. Näheres zu diesen Themen ist zu lesen unter http://www.demokratische-bank.at oder http://www.gemeinwohl-oekonomie.org.
    Im Übringen gratuliere ich zur Initiative "Bürgerforum Österreich" der SN, dies war bei mir u.a. der Grund, weshalb ich SN wieder voll abonniert habe.

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    Dieser Ansatz ist meiner Meinung nach keine Lösung.

    Zwar haben die Schleswig-Holsteiner dadurch Geld bekommen und konnten ihre Schule fertigbauen. Aber ich bitte Sie, das kanns doch nicht sein, oder!? Wenn Kommunen, Städte und Länder auf freiwillige(!!) Spenden, Almosen oder halt auch Kredite der eigenen Bevölkerung angewiesen sind, kann das nicht systemerhaltend sein. Anders gesagt könnten dadurch ausschließlich populäre oder - im negativen Sinn - populistische Vorhaben umgesetzt werden. Eine einigermaßen gerechte Verteiung auf die Gesamtheit ist da nicht gegeben.
    Sollte ihre angeführte Stadt weitere Investitionen in andere Bereiche benötigen, und abermals dieselben Menschen ihr Geld zur Verfügung stellen, werden die das womöglich an weitere Bedingungen knüpfen. Beispielsweise würde das ein oder andere Strafmandat verschwinden oder andere Entscheidungen zugunsten dieser finanzkräftigen Leute getroffen werden.

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