Methodisch spannend bei der heimischen „Democracy Ranking Association" ist das Verständnis von Demokratien. Gefährlich vereinfachende Staatslehrbücher reduzieren solche auf die Existenz allgemeiner, gleicher, freier, geheimer Wahlen sowie eine Garantie von Grundrechten. Das ist bestenfalls der Minimalkatalog von Dingen, welche jede demokratische Verfassung enthält. Demokratisierung im wirklichen Sinn bedeutet, dass alle Gesellschaftsbereiche davon erfasst werden.
Bestimmt der Vater ohne Widerspruch, wohin es im Urlaub geht, wofür das Haushaltseinkommen ausgegeben oder welche Kleidung getragen wird, gibt es ungeachtet womöglich abweichender Stimmabgaben von Mutter und Kind in der Landtags- oder Nationalratswahl von Demokratie keine Spur. Analog dazu darf sich Schuldemokratie nicht auf unbeachtete Äußerungen von Klassensprechern reduzieren und muss in Betrieben die Arbeitnehmervertretung echt demokratisch organisiert sein. Dasselbe gilt für Geschlechtergerechtigkeit und den demokratiepolitischen Grundkonsens, was noch legal ist und trotzdem politisch verpönt sein sollte.
Diese Beispiele zeigen, wie sehr Österreich erst am Beginn seiner Werdung zur Demokratie steht. Die Benachteiligung von Frauen beim Einkommen und mit der Doppelbelastung Beruf und Familie sowie zu wenig beachtete Kinderrechte belegen das. Hinzu kommt eine alle Schichten umfassende Enttäuschung mit der pseudoparlamentarischen Parteiendemokratie.
Das Dilemma ist auch, dass Vorschläge für Reformen sich auf Schlagwörter beschränken. Modifikationen des Wahlrechts und eine Stärkung der Direktdemokratie sind zu befürworten. Dass institutionelle Veränderungen automatisch zu einer anderen Denk- und Lebensweise führen, ist eine naive Vorstellung. Österreich muss zuerst lernen, was eine Demokratie ist.
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DIE Demokratie gibt es in der Praxis gar nicht; die verschiedenen unterscheiden sich beträchtlich von einander, und so unterschiedlich wird sie auch verstanden.
In den USA stehen die "Demokraten" im Gegensatz zu den "Republikanern". Doch im Grunde ist die Bedeutung dieser Begriffe doch sehr ähnlich. " Die Republik ist eine Staatsform, bei der das Staatsvolk höchste Gewalt des Staates und oberste Quelle der Legitimität ist." so steht es im Lexikon. Und auch in Demokratien "herrscht das Volk". So gesehen sind die Bezeichnungen DDR (deutsche republikanische Demokratie) und "Volksdemokratie" Pleonasmen und Decknamen für Regime, die alles andere als demokratisch sind, denn dort regiert mitnichten das Volk, sondern eine Nomenklaturkader der meist kommunistischen Partei.
In so genannten freien Staaten wie bei uns ist mit der Behauptung, etwas sei demokratisch, alles und jedes zu decken und Kritiker am jeweiligen Vorgehen mundtot gemacht werden können. Das spiegeln auch die von Prof. Filzmayer genannten Beispiele wieder. Dass für jemanden von einem Teil der Bevölkerung bei demokratischen Wahlen votiert wurde, ist keine Garantie dafür, dass er/sie fortan alles richtig und generell ethisch oder wie versprochen und/oder erwartet macht; und das spricht nicht von der Verantwortung frei.
Bekanntlich ist die Demokratie keine ideale Regierungsform, es gibt nur noch keine bessere. Maßgebende Persönlichkeiten haben schon seit der Antike darauf hingewiesen, die Praxis kritisiert. Aistoteles: „Demokratie entsteht, wenn man die Gleichheit aller Bürger anstrebt und nur ihre Zahl, aber nicht ihre Art berücksichtigt.“
Einer der Schwachpunkte ist, dass der/die Stimmenstärkste keineswegs Recht haben muss – sie bekommt nur recht. In diesem Sinne Schiller: „Die Mehrheit, das ist der Unsinn; Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen…Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen. Der Staat muss untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.“ Daher können denen nur wenige folgen und folglich auch nicht überzeugt werden.
Goethe: „Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkommodieren (anpassen), aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will.“
Und auch noch: Ibsen: „Ich denke, wir alle sind uns darin einig, dass die Dummen die geradezu überwältigende Majorität bilden… Aber zum Donnerwetter, das kann doch nie und nimmer das Richtige sein, dass die Dummen über die Klugen herrschen sollen.“
Wer einen besseren Ersatz für die Demokratie findet, kriegt einen Orden. Aber das wird gerade jene Mehrheit, die vom Status quo profitiert, zu verhindern wissen.