Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.
Es ist allzu attraktiv geworden, fröhlich über das Bildungswesen loszuschimpfen. Als Déjà-vu bezeichnet man das Gefühl, eine neue Situation bereits erlebt, gesehen oder geträumt zu haben. Unter Prognose verstehen Medizin und Psychotherapie die Vorhersage des künftigen Krankheitsverlaufs. Die heurigen Vorläufer der PISA-Debatte in Österreich sind typisch für etwas, das deckungsgleich 2003/04 geschah - und bis zum Dahinsiechen des Themas in selbiger Form weitergehen wird.
Am 15. November geschah etwas Außergewöhnliches. Der Generaldirektor eines multinationalen Konzerns trat öffentlich gegen den Irrsinn auf, der an den Börsen herrscht: Paul Polman von Unilever erklärte, dass er sehr wohl alles tun werde, um ein weiteres Wachstum seines Unternehmens zu sichern, aber nicht um jeden Preis. Er betonte die Rücksicht auf die Menschen und die Umwelt und lehnte den Druck der Börsianer ab, die alle drei Monate sensationelle Gewinne sehen wollen.
Zwei Freunde im Café. Simperl (legt die Zeitung beiseite): „Ich mache mir Sorgen." Wuchterl: „Um wen?" Simperl: „Um unsere Banken." Wuchterl: „Ausgerechnet du. Wieso?" Simperl: „Weil der Finanzminister vor einem ,irischen Szenario' warnt."
Die Innovationszyklen der Wirtschaft werden kürzer, die der Politik länger. Warum?Um ein völlig neues Medikament auf den Markt zu bringen, braucht die Pharmaindustrie zwölf Jahre. An einem neuen Auto bauen Hersteller sieben Jahre. Ein neues Smartphone kann man nach sieben Monaten in Händen halten, ein Möbel nach wenigen Tagen, ein neues Kostüm nach wenigen Stunden, zumindest in China oder Indien. Die Innovationszyklen in der Wirtschaft werden kürzer. Umso mehr sticht die Langsamkeit der Politik hervor - in der Bildung, bei der Gesundheit oder bei den Pensionen. Wie kann es sein, dass diese beiden Welten immer stärker auseinanderdriften?
Faymann und Pröll fallen auf das desaströse Niveau der Vorgängerregierung zurück.Man darf ja Träume haben. Stellen wir uns vor, Bundes- und Vizekanzler plus Minister in Personalunion zu sein. Vor der wahllosen Zeit 2011/12 wurde das Budget zum Durchbruch für Jahrhundertreformen der Verwaltung, des Pensionssystems und aller Bildungspläne.
Es war eine harte Woche für die Iren und für die gesamte Eurozone. Und sie hat gezeigt, wie Begriffe, die man für stabil hielt, ihre Bedeutung entweder verlieren oder eine neue erhalten. Anleihen: Vor allem die von Staaten ausgegebenen galten immer als sicheres Investment. Haben sich in ein Geld verschlingendes schwarzes Loch verwandelt. Jene, die dort Geld hineinwerfen, werden Teile davon nie wieder sehen.
Der neue Herd des weltweit grassierenden Flächenbrands heißt Irland. Dort haben die Banken, wie anderswo auch, durch eine verfehlte Geschäftspolitik Verluste in gigantischer Höhe erlitten. Der irische Staat hat bereits mit Milliarden geholfen, die aber das offenbar bodenlose Fass nicht füllen konnten. Die Europäische Zentralbank ist auch schon hilfreich im Einsatz. Jetzt soll noch der EU-Hilfsfonds zahlen.
Die Wirtschaft ist voll von Modetrends, die man kritisch hinterfragen sollteEs ist keine zwei Jahre her, da konnte man seine Mitmenschen mit einem schweren Geländewagen beeindrucken. Heute hingegen können SUV-Fahrer froh sein, wenn sie bei einer Stadtfahrt nicht genau von diesen Mitmenschen mit faulen Tomaten beworfen werden.
Rot-Grün nüchtern betrachtet: Es geschieht bloß das normalste der politischen Welt. Gary Lineker - kein Politikwissenschaftler, sondern englischer Stürmerstar - sagte vor Jahren, dass Fußball ein seltsames Spiel ist. 22 Männer laufen 90 Minuten dem Ball nach, und am Ende gewinnt immer Deutschland. Das hat Spanien europa- und weltmeisterlich widerlegt. Genauso kann niemand mehr behaupten, dass in Österreich alle paar Jahre gewählt wird und trotzdem ständig SPÖ und ÖVP regieren.
In Wien wurden die Nestroy-Theaterpreise vergeben. Zeit, auch die Schauspieler der Wirtschaft auf die Bühne zu bitten, die uns im vergangenen Jahr mit ihren Darbietungen erfreut haben. Die Wahl für das beste Stück und die beste Regie fiel auf Julius Meinl V. und sein Ensemble in der Meinl Bank für ihre kühne Neubearbeitung des Kleist-Klassikers „Der zerbrochne Krug". Die Jury lobte die abwechslungsreiche Inszenierung, die es nicht an überraschenden dramaturgischen Einfällen fehlen lässt. Die Nestroy-Statue trägt wie alle ein Zitat des Volksdichters, in diesem Fall: „Ich verachte dein Geld zu sehr, als dass ich es dir zurückgeben möchte."
In dem allgemeinen Goldrausch fehlte nur noch, dass Gold auch als Maß der Währung wiederentdeckt wird. Tatsächlich ging in den vergangenen Tagen eine Meldung um die Welt, wonach der Chef der Weltbank, Robert Zoellick, für den Goldstandard eintrete. Mittlerweile will Zoellick das nie gesagt haben.
Pferdewissenschaften ist das Studium mit dem höchsten FrauenanteilPreisfrage: In welcher Branche entstanden in den vergangenen Jahren, trotz wirtschaftlicher Turbulenzen, so richtig viele neue Arbeitsplätze? Unter anderem in einer Branche, die man weder ernst nimmt, noch recht einordnen kann: im Bereich Software und Games.
Fast vier Milliarden US-Dollar Wahlkampfausgaben zwecks Kür von Volksvertretern.Die Vorwoche in Washington D. C. - dem politischen Mittelpunkt der USA - brachte viele Eindrücke mit sich. Plus ein Gedankenspiel während der Besichtigung des Kapitols. Im Gebäude des US-Kongresses darf jeder amerikanische Einzelstaat zwei pompöse Statuen von Persönlichkeiten aufstellen. Über die Auswahl des Personenduos entscheidet der Staat autonom.
Eigentlich müsste man all jene beneiden, die zum Mittelstand gehören, oder sich zur Mittelschicht zählen dürfen. Erstens verfügen sie über ein auskömmliches Einkommen, und sind daher vermeintlich nicht vom sozialen Abstieg bedroht. Zweitens gibt es keine andere Gruppe, die heftiger umworben und mit Versprechen umgarnt wird, als diese.
In Europa gilt die Türkei als ärmlicher, muslimischer Hinterhof, der nicht zur EU passt. Recep Tayyip Erdogan, der türkische Ministerpräsident, sieht das anders: Für ihn ist die Türkei der Mittelpunkt der Welt, eine Ansicht, die von 1299 bis 1923 durchaus vertretbar war, als das Türkische Reich das riesige Gebiet von Südosteuropa über Kleinasien, die Krim bis in den Nahen Osten und Nordafrika beherrschte.
Kleine Ultraschallgeräte, billige Operationen: Fortschritt aus Schwellenländern. Kann es einen nagelneuen Kühlschrank für nur 66 US-Dollar geben? Ein Auto, das nicht viel mehr als ein Computer kostet? Eine Operation des grauen Stars für nicht mehr als 30 bis 300 US-Dollar?
Die für den Arbeitsmarkt verantwortlichen Politiker in Österreich haben
in der Krise einiges richtig gemacht. Sie haben den Weg für kreative
Lösungen bereitet, um Menschen in Beschäftigung zu halten.
Die Politikverdrossenheit ist in Obama-Land mindestens genauso groß wie in Österreich.In den USA finden heute Parlamentswahlen statt. Trotz der personenbezogenen Mehrheitswahl und vieler Unterschiede im politischen System gibt es eine Gemeinsamkeit mit Österreich: Die Vertrauensprobleme der Politik. Das American Enterprise Institute (AEI) hat Umfragedaten gesammelt, die ein erschütterndes Bild ergeben.