Die verschriebenen Medikamente und möglichst auch die nicht verschriebenen Arzneimittel werden in einem Zentralcomputer registriert. In der Folge können die Ärzte und Apotheker feststellen, ob die verschiedenen Mittel in der Kombination zu schädlichen Wirkungen führen.
Der ahnungslose Laie stellt sich die Frage, warum eine derart einleuchtende Maßnahme so problematisch ist, dass sie in einem Pilotprojekt mit freiwilligen Teilnehmern getestet werden muss. Und wird mit einem jede weitere Diskussion erstickenden Schlagwort abgefertigt: Der Datenschutz!
Mit demselben Schlagwort wird auch ein anderes, weit größeres und ebenfalls einleuchtendes Projekt im Gesundheitswesen verhindert: Die "Elektronischen Gesundheitsakte". Diese unter der Kurzbezeichnung ELGA bekannt gewordene Einrichtung würde jederzeit alle medizinischen Daten aller Bürger bereit halten.
Der Vorteil sei an einem Beispiel demonstriert: Ein Verletzter wird nach einem Unfall in ein Spital eingeliefert. Nach einem Unfall ist man kaum in der Lage, brauchbare medizinische Auskünfte über bestehende Krankheiten oder Allergien zu geben. Mit ELGA könnte der Arzt alle relevanten Daten in Sekunden abrufen.
ELGA wurde bisher nicht eingeführt, weil eine Vielzahl von Akteuren im Gesundheitswesen den Datenschutz strapazieren. Wenn alle Gesundheitsdaten aller Bürger in einem elektronischen System abrufbar sind, dann wäre dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet, lautet das Argument. So könnten etwa Unternehmer sich rechtswidrig Zugang verschaffen und Arbeitnehmer nicht beschäftigen oder kündigen, wenn ihr Gesundheitszustand ein Risiko aufweist. Dass Daten verschlüsselt und geschützt werden können, wird nicht zur Kenntnis genommen, dass Missbrauch auch ohne Elektronik möglich ist, ebenso.
Auffallend ist allerdings, dass die Patienten und ihre Vertreter die Vorteile der ELGA betonen und den Datenschutz nicht sehr eifrig einfordern. Als Schützer der Patienten sind vor allem die Ärzte und die Spitäler und die anderen mächtigen Akteure im Gesundheitswesen im Einsatz.
Somit kann sich der ahnungslose Laie nicht des Verdachts erwehren, dass nicht die Daten der Patienten geschützt werden sollen, sondern die bestehenden Machtstrukturen im Gesundheitswesen. ELGA hätte nämlich den Nebeneffekt, alle Maßnahmen von der Verschreibung eines Medikaments bis zur Operation und zur weiteren Nachbehandlung transparent zu machen. Und da könnte vielleicht deutlich werden, dass sogar in dem gefeierten, österreichischen Gesundheitswesen Verbesserungen möglich wären.



Herzliche Zustimmung, Herr Dr. Barazon.
Sehr geehrter Herr Dr. Barazon !
Leider sind Ihre Aussagen weitgehend falschund zeigen wenig wirkliche Sachkenntnis !
Das Hauptproblem lag daran (wie auch in vielen anderen Ländern Europas) , daß technikorientiert am Nutzer (Bürger, GDA) vorbeigeplant wurde.
Wir haben den Plan aber jetzt weitgehend auf Reihe gebracht, die Verantwortlichen haben unsere Argumente gelernt und die weitere Entwicklung von ELGA wird nicht leicht, aber es sind jetzt alle bemüht und kommunizieren.
Beste Grüße
Dr. Christian Husek
www.initiative-elga.at
Schön zu lesen, dass jetzt auch Sie das Thema "wer schützt uns vor unseren (Daten)
Schützern ?!" aufgreifen - der Huberer hat sich schon vor Jahren darüber mokiert, davor "geschützt" zu werden, bei der Telefonrufnummern-Aufzeichnung - damals noch schriftlich - nicht erfahren zu dürfen, wen er (!) von seinem (!) Festnetz-Anschluss aus angerufen hat - denn die letzten 4 (angerufenen) Nummern werden wegen "Datenschutz !" unkenntlich gemacht - höchste Zeit, dass ich - als mündiger Bürger - endlich selber (!) entscheiden darf, welche meiner (!) Daten wann und wo gespeichert werden - egal, wie das die Leute, die vorgeben, mich (!) zu schützen sehen !
P. S. und irgendwann einmal wird wohl auch der famose "Datenschutz !", der bestverdienende Leute/Partei-Viecherl im sog. "geschützten" Bereich - Nationalbank, "privatisierte" Firmen mit erheblichem Staats-Anteil, ORF, Flughäfen - sonstige "kleine Paradiese" - vor uns Steuerzahlern davor schützt, zu wissen, was diese Leute - nein, meist nicht "verdienen" - kosten ! - fallen - s´is nur die Frage, ob ich das noch erleben werde....
Sehr geehrter Herr Barazon!
Sie machen sich Sorgen, die Datenschützer würden die wunderbaren und segensreichen Projekte e-Medikation und ELGA unnötig verzögern oder gar gefährden. Betreffend die ELGA - keine Sorge - ausgestattet mit einer 182 Seiten Machbarkeitsstudie von IBM (http://www.arge-elga.at/m/Machbarkeitsstudie_ELGA.PDF) wird die ELGA GmbH, die laut Firmenprofil zur : Erbringung von im Allgemeininteresse liegenden Serviceleistungen auf dem Gebiet der Daseinsvorsorge im Bereich von e-Health zur Einführung und Implementierung der elektronischen Gesundheitsakte("ELGA") gegründet wurde und die von der, der SPÖ nahestehenden Frau Dr. Susanne Herbek geleitet wird, das Projekt sicher in den Hafen bringen. Geht es doch um ein Milliardenprojekt an dem neben anderen als Big Player die Siemens AG im Boot ist. Bezahlen wird diese Daseinsvorsorge der Patient und Steuerzahler - mit viel Geld, und einem enormen Verlust an Autonomie und Selbstbestimmung über einen wesentlichen Bereich seines Lebens - aber in dem Glauben, einen tatsächlichen Nutzen für das persönliche Wohlergehen zu lukrieren. Mitnichten! Riesige Datenmüllberge entstehen, für die sich wohl brennend die Werbewirtschaft, Versicherungen und Arbeitgeber interessieren werden, nur beiläufig aber GesundheitsarbeiterInnen - denn: medizinische Befunde haben eine sehr kurze Halbwertszeit - schon für eine simple Operationsfreigabe dürfen sie maximal 14 Tage alt sein, und kein Arzt wird sich - schon aus forensischen Gründen - etwa in einem Notfall auf ein Sammelsurium alter Befunde verlassen. Gänzlich skuril mutet der fürsorgliche Pathos rund um die e-Mediaktion an: während vor der ZIB Werbungen für hochwirksame und potentiell gefährliche Arzneimittel geschaltet werden dürfen, blicken die ApothekerInnen ihren Kunden besorgt ins Gesicht und warnen sie vor dem Einkauf! Jede moderne Ordinationssoftware hat ein leistungsfähiges Medikamenteninteraktionstool und wem das zu dürftig erscheint muß konsequenterweise das Ecardlesegerät neben die Kasse beim Wein und Co installieren!
Letztendlich ist es eine politische Frage, ob und in welchem Ausmaß der Gesetzgeber die ÄrztInnen zwingen wird, Gesundheitsdaten preiszugeben. Er kann dies bei den KassenvertragsärztInnen und den öffentlichen Krankenanstalten über eine, an eine umfassende Dokumentation geknüpfte Honorierung tun - wie er es mit LKF, der Gesundenuntersuchung neu oder etwa mit Sanktionen bei nicht dokumentierten Medikamentenverordnungen versucht. Bei steigendem Zwang wird dies zur massiven Abschreckung bei PatientInnen führen, etwa über, für Versicherungen oder Dienstgeber relevante Probleme, zu sprechen. ÄrztInnen, die das, von den PatientInnen in sie gesetzte Vertrauen ernst nehmen, werden gezwungen, eine getrennte, zweite ,geheime Kartei zu führen. Die weitergeleiteten Informationen werden dürftig oder falsch sein (siehe Alkoholfragebogen bei der Vorsorgeuntersuchung neu), und weitgehend nutzlose Datenfriedhöfe entstehen lassen. Daneben wird der, dem Zugriff staatlichen Datenhungers entzogene Bereich privater ärztlicher Versorgung von denjenigen Menschen (sofern sie es sich leisten können) bevorzugt frequentiert werden, die keinerlei Interesse haben, dass ihre persönlichsten Daten unkontrollierbar in Datennetzen vagabundieren.
Der elektronische Gesundheitsakt wird zu einem Prüfstein dafür werden, welchen Stellenwert Persönlichkeitsrechte in einem Klima der Hegemonie des Machbaren haben. Sosehr der Wunsch auch von ÄrztInnen, sich ein möglichst genaues und umfassendes Bild der PatientInnen zu verschaffen dazu reizt, in der Vernetzung und Sammlung größtmöglicher Datenmengen ungeahnte Möglichkeiten zu sehen muss allen Beteiligten klar sein, dass jede, in ein Datennetz entlassene Information veröffentlicht ist! Diese Veröffentlichung hat der/die Arzt/Ärztin gegenüber seinen/ihren PatientInnen sowie gegenüber dem Gesetzgeber (§ 54 Ärztegesetz) zu verantworten.
mit freundlichen Grüßen
Dr.Franz Mayrhofer
Arzt für Allgemeinmedizin
Sprecher Grüne Ärztinnen und Ärzte
Lieber Franz !
Danke für Deinen umfassenden Kommentar, der es wirklich auf den Punkt gebracht hat !
Ergänzend möchte ich noch auf 2 Informations-Veranstaltungen zu ELGA/E-Health im Herbst hinweisen:
29. September: http://www.conect.at/de/conect_eventmanagement/veranstaltungen/informunity/detaildarstellung.html?no_cache=1&tx_posseminar_pi%5Buid%5D=455 , für GDA`s (Ärzte, Apotheker, Pflege, etc.) GRATIS !
und
18./19. November: http://www.businesscircle.at/veranstaltung.asp?vid=1454
Beide stehen selbstverständlich auch Journalisten,. die sich informieren wollen, offen !
LG
Dr. Christian Husek
www.initiative-elga.at
Bravo, Franz! DAS ist wirklich fundiert!!
Kann es sein, dass in Österreich viele Großprjekte nur deshalb ins Leben kommen, weil sich damit viel Geld verdienen lässt? Es soll mir jemand erklären, wie der getriebene Megaaufwand gerechtfertigt wird. Der beschriebene Fall des unansprechbaren Verletzten oder der oft beanspruchte Fall der älteren verwirrten Person, die bei der Einlieferung ins KH nicht weiß, welche Dauermedikamente er/sie einnimmt ließe sich mit viel,viel einfacheren bewusstseinsbildenden Maßnahmen erreichen. Dafür riesige Systeme aufzubauen ist Geldverschwendung, manchmal sogar korrupt. Da werden powerpoint-Behauptungen mit freundlichem Seitenblick auf den Profiteur gutgeheißen, die bereits bei Jugendlichen als fragwürdig erkannt werden.
Ganz ehrlich: fällt uns keine bessere Lösung ein? Wie man am Posting des Mediziners nachlesen kann, gibt's ja auch Nebeneffekte, die man nicht ignorieren dürfte - wenn Verantwortung übernommen werden würde.
Sehr geehrter Herr Barazon, Datenschutz ist auf technischer Ebene gar nicht möglich, wenn uns Betroffenen nicht bewusst ist, wogegen wir uns wirklich schützen sollten. Und dazu wird weiß Gott wenig beigetragen. Wenn jemand heute keinen Job bekommt, weil er/sie im Verdacht steht, kränklicher zu sein als andere, so wird das die Person nicht erfahren. Wenn Gesundheitsdaten mal in Systemen erfasst sind, ist der Schritt zum Nachweis der persönlichen Gesundheit durch gemeinsame Einsichtnahme beim Bewerbungsgespräch ein kleiner Schritt. (die Gründung eines GDA = Gesundheitsdiensteanbieters zum berechtigten Zugriff auf die Daten wird genauso passieren, wie früher die Taxikonzession für Dienstautos erworben wurde um steuerlich günstiger auszusteigen).
Von den Versicherungen ganz zu schweigen, die bereits einen Vorstoß Richtung Zugriff auf Gendaten unternehmen, um die "Versicherungsgemeinschaft vor unzumutbaren Risiken zu schützen", vollkommen ignorierend, dass jede Selektion dem Versicherungsgrundgedanken widerspricht. Profit geht vor Loyalität.
danke, herr barazon. ihre stellungnahme entlarvt sie als vollkommen unwissenden, ja nahezu naiven. bleiben sie beim thema "wirtschaft". hier wirken sie kompetent. ob sie es auch sind, vermag ich kraft meiner ausbildung und erfahrung nicht zu beurteilen. was ihre ELGA-aussagen betrifft, weiss ich es dafür sehr wohl: sie sind inkompetent. oder auch (wirtschafts)manipuliert. meine meinung über die qualität einer zeitung wie den SN muss ich angesichts solcher stellungnahmen zutiefst revidieren. oder nur ein spätsommerloch als ausrutscher? danke kollegen mayrhofer für die fundierte replik.
dr. christian schwarz
arzt für allgemeinmedizin
stv.vorsitzender der IGMed