Frage: Warum gibt es diese Innovation nicht auch in Österreich? Sie würde den Alltag erleichtern. Weniger Hetzerei in immer weniger Postämtern mit immer kürzeren Öffnungszeiten. Und ein neues Geschäftsfeld für die Post, die vor der Liberalisierung Anfang 2011 zittert. Es gibt Schätzungen, dass bis 2025 zwei Drittel des Briefverkehrs elektronisch aufgefressen werden.
Antwort: Es gibt diesen wunderbaren Dienst. Nur kennt ihn kaum jemand. Nicht mehr als 5000 Kunden haben in den knapp zwei Jahren, seit die österreichische Post E-Briefe über meinbrief.at und postserver.at anbietet, das Angebot genützt. Ein Promilleanteil.
Weil die Postkundschaft hierzulande träge und technikfeindlich ist? Wohl kaum. Es wird ihr einfach zu schwer gemacht, auf E-Briefe umzusteigen: Private und Unternehmen, die auf höchste Sicherheit bedacht sind, brauchen dafür eine Bürgercard. Die hat aber kaum jemand: In den sieben Jahren seit Bestehen haben nur 75.000 Personen die Bürgercard gelöst. Auch sie ist kompliziert in der Handhabung. Man muss sich eigens ein Lesegerät anschaffen. Obwohl anderswo Authentifizierung und Sicherheit längst massentauglich erledigt werden. Etwa bei Onlineüberweisungen mittels Handycode. Vielleicht ist es nicht die feine Art, für einen E-Brief mit 55 Cent genauso viel zu verlangen wie für einen echten Brief, wie es die Deutschen tun. Ein Milliardengeschäft steckt in der Vereinfachung jedenfalls. Nicht nur für die Post, auch für die nach Einsparmöglichkeiten suchenden Behörden: Erst sieben Prozent der Amtsgeschäfte werden online erledigt.
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Gar so einfach scheint die Sache also doch nicht zu sein. Ich habe auch keinerlei Vertrauen in die wieder einmal angebotene "absolute Sicherheit", weil es die weder hier noch sonst wo geben kann.
Abgesehen davon: Für Geschäftsbriefe mag das ja angehen, aber für private? Das wird ihnen nach dem Internet völlig den Garaus machen. Es wird dann künftig keine Briefliteratur mehr geben, ein großer kultureller Verlust.