Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

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Warum einfach, wenn es kompliziert auch geht?

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Die Sehnsucht nach Einfachheit wird maßlos unterschätzt: Ein Milliardenmarkt für viele.In Deutschland passiert Wundersames: Es werden die Postämter gestürmt, Hunderttausende Menschen wollten sich für den E-Brief anmelden. Denn der neue elektronische Brief der Deutschen Post scheint praktisch für Unternehmen und Private zu sein: Er spart Zeit und Energie. Kein Ausdrucken von Briefen mehr. Kein Gang zu Briefkasten oder Postamt bei eingeschriebenen Briefen. Und keine lästigen gelben Zettel im Postkasten mehr, falls die Zustellung nicht klappt. Der E-Brief funktioniert so einfach wie ein E-Mail - vom Schreibtisch aus per Knopfdruck. Nur ist er sicherer, verheißt die Werbung: Das Briefgeheimnis werde durch sichere Datenübertragung gewahrt. Der Absender könne, anders als bei E-Mails, nicht gefälscht werden.

Frage: Warum gibt es diese Innovation nicht auch in Österreich? Sie würde den Alltag erleichtern. Weniger Hetzerei  in immer weniger Postämtern mit immer kürzeren Öffnungszeiten. Und ein neues Geschäftsfeld für die Post, die vor der Liberalisierung Anfang 2011 zittert. Es gibt Schätzungen, dass bis 2025 zwei Drittel des Briefverkehrs elektronisch aufgefressen werden.
Antwort: Es gibt diesen wunderbaren Dienst. Nur kennt ihn kaum jemand. Nicht mehr als 5000 Kunden haben in den knapp zwei Jahren, seit die österreichische Post E-Briefe über meinbrief.at und postserver.at anbietet, das Angebot genützt. Ein Promilleanteil.
Weil die Postkundschaft hierzulande träge und technikfeindlich ist? Wohl kaum. Es wird ihr einfach zu schwer gemacht, auf E-Briefe umzusteigen: Private und Unternehmen, die auf höchste Sicherheit bedacht sind, brauchen dafür eine Bürgercard. Die hat aber kaum jemand: In den sieben Jahren seit Bestehen haben nur 75.000 Personen die Bürgercard gelöst. Auch sie ist kompliziert in der Handhabung. Man muss sich eigens ein Lesegerät anschaffen. Obwohl anderswo Authentifizierung und Sicherheit längst massentauglich erledigt werden. Etwa bei Onlineüberweisungen mittels Handycode. Vielleicht ist es nicht  die feine Art, für einen E-Brief mit 55 Cent genauso viel zu verlangen wie für einen echten Brief, wie es die Deutschen tun. Ein Milliardengeschäft steckt in der Vereinfachung jedenfalls. Nicht nur für die Post, auch für die nach Einsparmöglichkeiten suchenden Behörden: Erst sieben Prozent der Amtsgeschäfte werden online erledigt.

1 Kommentar | Kommentieren

  • Gar so einfach scheint die Sache also doch nicht zu sein. Ich habe auch keinerlei Vertrauen in die wieder einmal angebotene "absolute Sicherheit", weil es die weder hier noch sonst wo geben kann.
    Abgesehen davon: Für Geschäftsbriefe mag das ja angehen, aber für private? Das wird ihnen nach dem Internet völlig den Garaus machen. Es wird dann künftig keine Briefliteratur mehr geben, ein großer kultureller Verlust.

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