Politik & Wirtschaft

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Ungarn - eine Gefahr für Europa?

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 Rassismus und Nationalismus in Ungarn sind drauf und dran, Europa eine Krise zu bescheren. Da ist es also, das Gesicht des neuen Ungarn. Ein politischer Führer, ein gewählter Abgeordneter, der am Tag der Amtseinführung seinen Amtseid in der Uniformweste einer Gruppierung ablegt, die verboten ist.
Und niemand sagt etwas, alle Welt schaut zu - oder besser: weg. Ja, Europa hat besorgt die Stirn gerunzelt, als klar war, dass die Ungarn nicht nur die rechtsgerichtete Fidesz zur stärksten Partei wählten, sondern auch der offen xenophoben, antisemitischen, rassistischen - kurz durchaus als neonazistisch zu bezeichnenden -  Jobbik den Einzug ins Parlament ermöglichten. Ja, zwei drei Tage hat man darüber gerätselt, warum Ungarn plötzlich eine solche politische Wende erlebt - und sich danach anderen Problemen zugewandt.
Aber - Ungarn liegt mitten in Europa, ist eines der so hochgelobten neuen Reformländer, ein neues EU-Mitglied, das  in Europa durchaus ein Wort mitzureden hat.  Was die neue politische Elite, die neue politische Führung nicht daran hindert, eine durchaus nicht so sehr nach vorn gerichtete Politik zu betreiben. Bestes Beispiel dafür: Der Umgang mit den Ungarn, die außerhalb der nationalstaatlichen Grenzen leben. Und zwar in den beiden neuen Reformstaaten Slowakei und Rumänien.
Nun ist der Umgang dieser beiden Länder mit ihren nationalen Minderheiten - darunter auch mit der ungarischen Minderheit - seit vielen Jahren Gegenstand von Kritik und Protesten. Noch zu Zeiten der großen sogenannten sozialistischen Bruderschaft war die Diskriminierung der ungarischen Minderheit in Rumänien und der Slowakei immer wieder Streitpunkt zwischen den angeblichen Brüdern.  Und wer wissen will, wie es war, als Angehöriger einer nationalen Minderheit in Rumänien zu leben, dem sei an dieser Stelle Herta Müllers Roman „Die Atemschaukel" sehr ans Herz gelegt.
Die ehemaligen Brüder sind also durchaus zu kritisieren, was ihren Umgang mit Menschen betrifft, deren einzige Schuld darin besteht, einer anderen Ethnie anzugehören als das Mehrheitsvolk. So weit, so gut. Was aber tut das neue - das Ungarn der Fidesz und der Jobbik? Es denkt laut darüber nach, eben diese nationalen Minderheiten bei den Nachbarn und einstigen Brüdern mit ungarischen Pässen auszustatten. Mögliche territoriale Ansprüche an eben diese Nachbarn könnten sich dem ziemlich schnell anschließen - denn das Ungarn der Fidesz und Jobbik liebäugelt durchaus auch mit der Idee vom Großungarn - einer ziemlich erschreckenden Reminiszenz an die 30er und 40er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.  Die drei Mitglieder der europäischen Union könnten also am Beginn des 21. Jahrhunderts einen neuen Konflikt mitten im Herzen Europas vom Zaun brechen, der ganz Europa in einen gefährlichen Strudel reißen könnte.
Sorge ist also durchaus berechtigt. Um so mehr erstaunt es, wie wenig Europa bereit zu sein scheint, sich diesem Problem zu stellen. Zugegeben - die Wirtschaftskrise, Griechenland, der Vulkan, all das hält die Köpfe und Gedanken der europäischen Politiker zur Zeit stark beschäftigt. Aber die Entwicklung in Ungarn darüber zu vergessen könnte sich als gefährliche Unterlassungssünde herausstellen.

9 Kommentare | Kommentieren

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    wer die geschichte ungarn kennt, der wird mir zustimmen, dass dieser artikel hier völlig am thema verfehlt ist. die frau, die das geschrieben hat, ist keine wahre europäerin!

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      Allerdings: dieser Artikel rauscht vollends am Thema vorbei.
      Es ist wirklich wahr: hätte Ungarn in seiner Geschichte die Minderheiten nicht zur Entfaltung kommen lassen, dann wäre dieses Land heute noch mächtig und groß. Die Ungarn in den Nachbarländern wären nicht permanenten Repressalien ausgesetzt. Dies alles kümmerte bislang niemanden. Jetzt, nachdem sowohl die EU als auch die heimischen Politiker diesbezüglich kläglich versagten, wählte das Volk jene, die diesem Umstand Rechnung tragen, und das klägliche Leid der Nachbarlandsungarn zu liondern versprechen. Hier besteht aber auch ein eklatanter Unterschied zu den Nationalisten der Nachbarländer: die regierende Rechte wendet sich nicht GEGEN eine Minderheit, sondern setzt sich FÜR die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern ein. Dass die regierende FIDESZ-Partei sich nicht von der JOBBIK distanzierte hat wahltaktische Gründe. In der Slowakei jedoch kam es mit den Rechtsradikalen sogar zur Regierungsbildung von Links(!). Man sollte das ungarische Wahlergebnis also als das sehen, was es ist: eine Reaktion auf die seit langem laufenden nationalistischen Aktivitäten gegen Ungarn in nahezu allen Nachbarländern. Nur wenn hier eine Lösung gefunden wurde, kann eine Entspannung erfolgen. Die EU hat sogar noch die Anerkennung der menschenverachtenden Benes-Dekrete akzeptiert. Hier wird der Nationalismus in Europa gezüchtet. Die Reaktion der Ungarn ist nur allzu verständlich.

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    Sehr geehrte Frau Scholl!
    Mit großer Werschätzung für Ihre Tätitkeit möchte ich zu Ihrem Artikel einige Gedanken zufügen:
    Seit 30 Jahre lebe ich in Salzburg und vorher fast so lange war ich in meiner Geburtsstadt Budapest. Meine Verwandten und Freunde besuche ich regelmässig und kenne ich Musikerkollegen auch in Oradea, Subotica und anderen Städten, wo außerhalb von Ungarn auch ungarisch gesprochen wird.

    Im ersten Teil Ihres Artikels erwähnen Sie die Probleme der ungarischen Minderheiten...."So weit, so gut". Aber diese Probleme sollen von der Europäischen Union wahrgenommen werden: Wenn ein ungarischer Präsident von der Brücke von Komarno zurüchgeschickt wird, ist wohl im vereinten Europa doch ein Skandal!? Wenn im öffentlichen Räumen z. B. Ärzteordination der Patient den ungarsprachigen Arzt nicht auf seiner Muttersprache anreden darf (Siehe slowakisches Sprachgesetz), ist es nicht beispiellos in Europa!? Die Reihe von "Ungarnprügelei" in Serbien, Kampf der Intellektuellen in Klausenburg um kulturelles Überleben u. a. sind die Gefahr für ein friedliches Miteinander.

    Zwischen Fidesz und Jobbik ist ein großer Unterschied: Es ist irreführend, die beiden zu vermischen und eine Verharmlosung des Gedankengutes der Jobbik, das ich auch auf schärfste verurteile. Ausser dieser radikalen Partei (Jobbik) denkt kein Mensch an territoriale Korrektur oder an Wiederherstellung der grenzen vor 1920. Warum ist es nicht möglich in einem vereinten Europa ein Südtiroler Modell auch für die ungarischen Minderheiten anzustreben? Es geht viel mehr um die Kultur als um wirtschaftliche und politische Zugehörigkeit. Die Identität, die ich hier in Salzburg ungestört und mit Erfolg bewahren kann, soll auch für Volksgruppen erhaltbar sein, die in einem Gebiet seit Jahrhundert an ihre Sprache gewachsen sind, im Theater, in Literatur, in der Musik.

    Ich ersuche Sie mit großem Respekt, sich um diese Ziele in Österreich, in Europa einzusetzen. Meine leise Stimme verhallt schnell, aber im Alltag bemühe ich mich, für alle Kulturen da zu sein. Die gegenseitige Wertschätzung und nicht nur Toleranz sindern die Förderung der Bildung ist unsere einzige Chance. Was in der Monarchie fehlgeschlagen hat, könnten wir in einem multikulturellen Europa endlich korrigieren.


    Mit vorzüglicher Hochachtung

    János Czifra

  • Sehr geehrte Frau Scholl, Ihr Wort in die Ohren der europäischen Politiker!
    Man denke nur daran, wie die FPÖ über diesen Wahlerfolg ihrer "Schwesterpartei" (!!!) gejubelt hat, und so ähnlich dürfte auch die Reaktion in den anderen Rechtsaußen-Parteien gewesen sein. In Deutschland ist es um die entsprechenden Parteien vor allem im Osten merkwürdig still geworden, aber mit den "Linken" zu koalieren ist ein Problem, obwohl von denen keinerlei Gefahr ausgeht.
    Strache ist ja derzeit bemüht, dieses Image los zu werden, weil er eingesehen hat, dass damit kein Staat zu machen ist. Also schart er - nicht wie, aber analog zu seinem großen Vorbild eine Buberlpartie um sich. Damit drängt er die Alten an den Rand, die immer noch der ach so glorreichen Vergangenheit
    nachweinen. Die Gefahr bei den Jungen ist, dass sie keinerlei persönliche Erinnerung an diese Zeit und die damit verbundenen Folgen haben und damit nichts anfangen können. Die Aufmerksamkeit wird gezielt auf die gar nicht vorhandenen Gefahren durch - vor allem moslemische - Zuwanderer gelenkt, besser: abgelenkt.
    Der Slogan "Wehret den Anfängen" in diesem Zusammenhang weist doch auch darauf hin, dass diese Anfänge in der 30erjahren nicht ernst genommen und die damit verbundenen Gefahren nicht erkannt wurden. Aber sie wurden danach der ganzen Welt drastisch vor Augen geführt, und wer die heute nicht erkennt oder wahr haben will, ist entweder ein Ignorant oder ein Verbrecher. Die EU wird als d a s große Friedensprojekt gepriesen. Ihr müsste man das Bibelwort zurufen "Oh dass du doch erkenntest zu dieser deiner Zeit was zu deinem Frieden dient!" Das wäre vorrangig vor allen Geldangelegenheiten. Kann oder - noch schlimmer - will sie das nicht, hat sie ihre Daseinsberechtigung verspielt.

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    Im Parlament haben Uniformierte nichts verloren.

    Die Geschichtsausbildung ist leider zu schwach in den Schulen, die Jugend interessiert sich nicht dafür und die Menschen wissen generell zu wenig über die Geschichte des eigenen Landes und der Nachbarländer. Man glaubt einfach den Politikern und wortlauten Rednern, egal welch ein Unsinn gesagt wird.

    ein Transleithanier

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    Sehr geehrte Frau Scholl,

    herzlichen Dank für ihren zutreffenden Kommentar. Die neue Regierung Orban ist auf dem besten Weg Europa grosse Probleme zu bereiten. Wer Trianon auf die politische Agenda setzt, wie es die neue ungarische Regierung macht, der ignoriert Jahrzehnte der demokratischen Entwicklung in Europa.

    Mit besten Grüßen

    Manfred Bachmayer

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    Mein Beitrag wurde wegzensuriert! Erbärmlich!

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    Schönen Tag, Frau Scholl!

    Halbwahrheiten und flüchtige Kommentare können ein Bild verzerren. Es ist zwar eine reisserische Schlagzeile, aber die Sichtweise erscheint mir subjektiv, somit Ihr Kommentar unqualifiziert, wenn nicht gar ein Humbug, was territoriale Ansprüche anbelangt.
    Es grüßt
    Eva

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    Sehr geehte Frau SCHOLL!

    Quo vadis Europa???
    Wir sollten doch zusammenwachsen!

    Vielen Dank für Ihren mutigen Artikel vom 18.Mai!
    Das darf nicht sein!

    Irene Windhausen, Belgien!

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