Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

Login

Gefällt mir 0 Gefällt mir
user-pic

Adieu, Europa? Zurück zu D-Mark und Schilling

| Kommentare (1) | Teilen
Die deutsche und die österreichische Regierung zeigen eine unverhohlene Verachtung für die griechischen Pleitiers. Stolz genießt man die eigene Stärke und weidet sich an der Schwäche der unseriösen Südländer am Mittelmeer.
Immer mehr vermeintlich Weise empfehlen im Schlepptau von Angela Merkel und Josef Pröll die Vertreibung der Griechen aus dem Euro-Paradies.
Dass die eigene Stärke nur im Vergleich kraftvoll erscheint, schmälert nicht das Vergnügen der ökonomischen Bodybuilder an ihrem Muskelspiel. Dass Angela Merkel nach monatelangem Betonen ihres Spareifers für 2010 ein Budget vorgelegt hat, das ein Defizit von 80 Milliarden Euro aufweist, spielt keine Rolle. Dass ein Anstieg auf 100 Milliarden nicht ausgeschlossen wird, auch nicht. Und dass die Wirtschaftsforscher keinen besonderen Wachstumseffekt aus dieser Geldschwemme erwarten, ebenfalls nicht.
Nur eine zusätzliche Wirtschaftsleistung, nur Wachstum würde für die notwendigen Einnahmen sorgen, die die Staatshaushalte sanieren können.
Josef Pröll wird nicht müde, Merkel nachzueifern. Auch der österreichische Finanzminister ist ein wortgewaltiger Verfechter des Sparens. Dass in den vergangenen eineinhalb Jahren unter seiner sparsamen Führung die Staatsschulden von 170 auf 200 Mrd. Euro angestiegen sind, spielt keine Rolle. Dass auch hier sehr, sehr viel Geld aufgewendet wird, ohne dass ein spürbarer Effekt für die Wirtschaft zu orten wäre, ist wohl oder eher unwohl Nebensache.
Sparen sollen auch die Griechen! Das Motto lautet: Höhere Steuern und weniger Staatsausgaben! Nur: Ein drastischer Sparkurs bremst die Wirtschaft zusätzlich, wodurch das Steueraufkommen noch stärker absinkt und die Finanznot des Staates noch größer wird.
Hilfreich und tatsächlich kostensparend wären nur echte Reformen, in Griechenland, auch in Deutschland, in Österreich und anderswo. Diese sind aber nicht rasch zu realisieren. Und kommen auch nicht zustande, indem Frau Merkel böse schaut.
Das Verhalten von Merkel und Pröll gegenüber Griechenland ist recht aufschlussreich. So werden die beiden auch bei den nächsten Krisen reagieren und die Experten werden für die Vertreibung von Portugal, Spanien, Irland und Italien und anderen Unwürdigen aus dem Euro-Paradies plädieren.
Zu retten wäre der Euro nur, wenn das EU-Parlament das Recht bekommt, jährlich einen Budgetrahmen für ganz Europa zu beschließen und ein europäischer Finanzminister europaweit für eine seriöse und wachstumsfreundliche Wirtschaftspolitik sorgt.
Die Regierungen in Deutschland und Österreich kokettieren mit der Rückkehr zu D-Mark und Schilling, sagen gleichsam „Adieu, Europa!", um letztlich doch Griechenland zu helfen. Nachdem eine Verzögerung verursacht wurde, die eine allgemeine Angst - beinahe eine Hysterie - vor einer dramatischen Geldentwertung ausgelöst hat.

1 Kommentar | Kommentieren

  • Standard-Benutzerbild

    Das würde Ihnen so passen, Herr Barazon, wenn die Nationen ihr Königsrecht, nämlich das Budgetrecht aufgäben. Der Euro war von vorne herein nicht lebensfähig. Renommierteste Ökonomie-Professoren warnten vor dieser verantwortungslosen Währungsunion mit den PIGS. Der Beweis ist erbracht - auf unser aller Kosten! Greenspan hat 2012 als Euro-Enddatum genannt; dies dürfte sich ausgehen. Wer jetzt nicht in den USD flüchtet, ist ohnehin selbst schuld. Sie, Herr Baraszon, als Wiffzack, tun dies sicher auch.

    Schuld sind die, die uns in EU und Euro hineingetrieben haben: Die SPÖVP. Nie mehr wählen!

Jetzt kommentieren

Mit *) gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
*
*

TrackBacks

TrackBack-URL dieses Eintrags: http://mein.salzburg.com/mt-tb.cgi/69464