April 2010 Archive
Herman Van Rompuy:
der einzige Dichter an
der EU-Spitze.
Nun hat der meist etwas schrullig wirkende Belgier, seit Jahresbeginn erster Ständiger Präsident des Europäischen Rats, seine Leidenschaft für die Poesie in Buchform gebracht. Der strengen Versform des japanischen Haiku mit stets 17 Silben in drei Zeilen hat sich Van Rompuy seit 2004 verschrieben. Den Anstoß dazu gab dem studierten Philosophen und Ökonomen Bart Mesotten, ein flämischer Priester und Haiku-Dichter. Je fünf Silben am Anfang und am Schluss, und sieben in der Mitte - so geht der Rhythmus eines Haiku, wie auch im ersten Satz dieser Kolumne.
Der 62-jährige Flame zeigt sich im Band „Haiku", den er dieser Tage im belgischen Parlament präsentierte, als großer Naturbewunderer und präziser Beobachter. Die Sammlung ist fünfsprachig (Niederländisch, Französisch, Englisch, Deutsch und sogar Latein) im „Poeziecentrum" Gent erschienen. Das Versmaß stimmt bei den Übersetzungen nicht immer, dennoch befindet van Rompuy, die übersetzten Texte seien manchmal sogar besser als das Original. „Haiku bedeutet wörtlich ,spielerischer Vers'", erläutert Van Rompuy. Die Gedichte seien eine „Ode an die Einfachheit" und führten den Geist daher ,,weg von der technokratischen Rationalität, weg von dem Heischen nach Aufmerksamkeit". Das ist exakt das Credo des belgischen Ex-Premiers. Er wirkt auch als Politiker am liebsten still aber effizient im Hintergrund. „Haiku ist eine literarische Gattung, aber auch ein ,way of life', auf dem man als Mensch nur dazugewinnen kann."
„Haiku Herman" widmet sich dem Frühlingserwachen (,,Im Graben paaren/ sich die Kröten wie rasend/ in den Frühling hinein."), und fängt stille Momente ein („Flocken federleicht/landen weich auf den Ästen./ Schönheit in hauchdünnen Lagen"). Berührend ein Vers zum Muttertag 2006: „Die Tage verfliegen. -/ Stets eindringlicher erscheinen mir/ neun Buchstaben: gemeinsam."
Laufend veröffentlicht von Rompuy Haikus im Internet (www.hermanvanrompuy.be), jüngst etwa nach dem Nukleargipfel in den USA: „Zwei Tage weg/ Die Welt ist verändert/ Die Obstbäume blühen."
Mit oder ohne Vulkan.Wenn man jungen Fischen plötzlich weniger Futter gibt, werden sie klüger als gleichmäßig versorgte Artgenossen. Auch vom Menschen weiß man, dass ihn jede durchlebte Veränderung ein wenig gescheiter macht: Im Lauf der Evolution machte jede klimatische Veränderung das Gehirn ein Stück größer.
Zumindest meldeten sich bei einer offiziellen Ausschreibung auch nach mehreren Wochen keine Interessenten, die den Mindestpreis von 65.000 Euro pro Stück bezahlen wollten. Dabei wäre das immerhin ein Nachlass von fast 50 Prozent gewesen, denn der Kaufpreis betrug fast 123.000 Euro pro Scanner. Wie es jetzt weitergehen soll, ob die Preisgrenze gesenkt wird oder ob die Geräte vielleicht an Technik-Museen verschenkt werden, ist noch nicht entschieden. Die Aktion des Linzer EU-Abgeordneten Martin Ehrenhauser (Liste Hans-Peter Martin), einen Scanner auf eBay anzubieten, war jedenfalls auch nicht die Lösung. Es meldeten sich zwar laut seinen Angaben mehr als 30 Interessenten, das Höchstgebot von 2565 Euro war aber auch nicht berauschend. Letztlich musste er die Versteigerung abblasen, da er ja nicht Eigentümer der Scanner ist. Jetzt fordert Ehrenhauser, das Parlament solle seinem Beispiel folgen und durch eine Onlineversteigerung wenigstens den Verlust für den Steuerzahler verringern.
An zwei anderen Fronten zeigte sich das zuletzt sehr klar. Gleich vier der großen Fraktionen (EVP, Sozialdemokraten, Grüne und Linke) erklärten die Vorgangsweise der Kommission bei der Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF für rechtswidrig. Vier Monate nach dem Tod des Gründungsdirektors Franz-Hermann Brüner wird nun erst einmal die Ausschreibung erwartet, die Besetzung dauert wohl bis Jahresende. Mit der Bestellung des Briten Nicholas Ilett zum geschäftsführenden Generaldirektor im Alleingang habe die Kommission die Rechts des Parlaments verletzt, dadurch sei die Rechtssicherheit der derzeit bearbeiteten Fälle gefährdet. „Ich rechne mit Klagen beim Europäischen Gerichtshof", sagt Inge Gräßle, Haushaltsexpertin der CDU.
Erstmals warf EU-Ombudsmann Nikiforos Diamandouros der Kommission „Mangel an ernsthafter Zusammenarbeit" vor. Er klagte dem Parlament, wie er an der Nase herumgeführt wurde. Anlass war eine Beschwerde einer Umweltorganisation, der die Kommission mehrere Schreiben des Autoherstellers Porsche zum Thema CO2-Abgase bei Autos nicht zur Verfügung stellte. Der Ombudsmann empfahl die Herausgabe. Die Kommission zögerte dies 18 Monate hinaus, um ihren eigenen Beschluss dann erst wieder nicht umzusetzen. Diamandouros: „Die unkooperative Haltung der Kommission ist für das öffentliche Ansehen der EU sehr schädlich."
Man sucht Fotos zur Illustration eines Referats. Musik zur Entspannung. Eine Erklärung für eine komplizierte Sache: Schnell wird das Internet befragt. Ohne schlechtes Gewissen, automatisch und ganz nebenbei. Für eine Gesellschaft, die von ihrem Wissen leben möchte, ist das wunderbar und fatal zugleich. Das Wunderbare liegt auf der Hand: Wer genießt nicht, dass er sein Gehirn nicht mehr strapazieren muss? Das Fatale an diesen Entwicklungen wird oft übersehen: Wovon sollen Journalisten, Ingenieure, Fotografen, Filmemacher, Autoren, Architekten, Juristen, also ganze Berufsstände und Zukunftsbranchen, leben, wenn sich die Erwartungshaltung durchsetzt, dass im Internet alles gratis zu haben sein muss?







