Der Wahlsieg Wiktor Janukowitschs bedeutet eine Fortsetzung der Unregierbarkeit, aber auch das Ende der orangen Ambitionen.
Jetzt also ist es doch noch passiert. Fünf Jahre, nachdem der Maidan, Kiews größter, schönster Platz, zum Symbol für die Orangene Revolution geworden war, hat genau jener Mann die Präsidentenwahl gewonnen, gegen den die Menschen damals auf die Straße gegangen waren. Trotz aller Versuche seiner Gegnerin Julia Timoschenko, von Wahlmanipulation zu reden, dürfte Wiktor Janukowitsch tatsächlich in einer echten Wahl hauchdünn gewonnen haben. Eine ziemlich traurige Bilanz.
Wiktor Janukowitsch ist - ganz offen gesagt - keine sympathische Figur. Er wollte 2004 mit russischer Hilfe und unsauberen Methoden an die Macht. Er hat eine ziemlich unappetitliche Vergangenheit, und sein salbungsvolles öffentliches Auftreten lässt für die kommenden Jahre wenig Gutes erwarten. Leider auch, weil Gegenspielerin Julia Timoschenko alles daransetzen wird, das Land unregierbar zu machen.
Die Ukraine ist heute also irgendwie wieder dort gelandet, wo sie vor etwas mehr als fünf Jahren schon war: zutiefst gespalten und in der Hand zweier politischer Clans, denen der Machtkampf wichtiger ist, als dem Land aus der Krise zu helfen. Einen wichtigen Unterschied gibt es dennoch: Diese Wahl war tatsächlich fair und weitgehend frei von unzulässigen Manipulationen.
In Moskau jedenfalls gibt man sich ganz und gar zufrieden. Der Mann, den man der Ukraine 2004 aufzwingen wollte, hat es jetzt also doch noch geschafft - und irgendwie fühlt man sich dadurch auch rehabilitiert. Schließlich war man nach der Orangenen Revolution in die Rolle des Bösewichts geraten, und die hat noch keine russische Führung je gern gespielt. Allerdings schreiben wir heute das Jahr 2010, und die Vorzeichen haben sich inzwischen etwas geändert. Damals war Janukowitsch der Vertreter einer rückwärtsgewandten, sowjetisch ausgerichteten Machtelite. Inzwischen aber ist der grundsätzlich russisch auftretende Mann aus der Ostukraine zum Liebling der ebendort angesiedelten Superreichen avanciert. Und die finden zwar immer noch, dass die Beziehungen zu Russland erste Priorität haben, sind aber auch Geschäftsleute genug, um die Bedeutung guter Beziehungen zu Europa ebenso deutlich zu sehen. Der einstige Mann Russlands ist das, als ukrainischer Präsident, vielleicht nicht mehr ganz so.
Leidtragende des jetzigen Wahlergebnisses werden in jedem Fall die Menschen in der Ukraine sein. Die damals 2004 voller Enthusiasmus auf die Straße gingen, um ein System zu Fall zu bringen, das nach nur wenigen Jahren durch die Hintertür wieder zurückgekehrt ist. Genau diese Erkenntnis dürfte das Wahlergebnis vom Sonntag bewirkt haben. Und nicht einmal Julia Timoschenko, die ja schon 2004 die treibende Kraft hinter der Orangenen Revolution war, scheint heute an die Möglichkeit einer Wiederholung des Aufstands von damals zu glauben. Die Menschen sind allzu schwer enttäuscht worden - und haben resigniert. Wie in so vielen anderen Ländern auch.



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