Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

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Meine drei K's für die Zukunft

| Kommentare (4)
Kreativität, Kritik und Kooperation: Diese drei Fächer müssten gelehrt werden.
Kreativität als eigenes Schulfach statt Religion. Das kam beim Zukunftskongress der Grünen am Wochenende auf das Tapet. Schon seit dem Frühjahr sammelt die österreichische Künstlerinitiative PASI Unterschriften für eine Verankerung von Kreativität im Unterricht (www.pasi.or.at). Und auch in einer ganz anderen Community, wie das heute heißt, in der Industriellenvereinigung, macht man sich intensiv Gedanken darüber, wie es sein kann, dass die Kreativität der Kinder im Kindergarten gefördert und ihnen danach in der Schule systematisch ausgetrieben wird.
Als Unternehmerin ist mir ein K zu wenig. Meines Erachtens müssen Schüler drei K trainieren, um fähig zu sein, sich in der heutigen und künftigen Arbeitswelt ihr Brot zu verdienen: Kreativität, Konfliktfähigkeit, Kooperation. Denn was nützt bitteschön der kreativste Kopf, wenn er nicht fähig ist, sein Unternehmen für seine  Ideen zu begeistern und seine Zustimmung zu gewinnen? Als Eigenbrötler wird er samt seinen Ideen schnell verkümmern. Das gilt auch dann, wenn ein Mitarbeiter unfähig ist, Konflikte auszutragen: Weltverbesserer, die alles zu Tode kritisieren, werden von Chefs und Kollegen bald nicht mehr ernst genommen. Die Menge an Veränderung, die sie von ihrer Umwelt verlangen, ist zu groß, um erträglich zu sein. Und umgekehrt werden Unternehmen, in denen man sich angewöhnt hat, alle Probleme unter den Teppich zu kehren, nicht lang überleben, weil sie die Konkurrenz mit Leichtigkeit überholen kann.
Kreativität, Konfliktfähigkeit, Kooperation. Alle diese drei Fächer werden, sofern man von den Fähigkeiten der meisten Absolventen auf Ausbildungsinhalte rückschließen kann, heute kaum oder gar nicht gelehrt. Oder ist es etwa eine Anregung zum eigenständigen Denken, wenn ein Referat, das aus Wikipedia-Bausteinen zusammenkopiert wurde, mit „Gut" oder „Sehr gut" benotet wird? Detailwissen zu reproduzieren ist in einer Welt, in der das bestehende Wissen von jedermann abgerufen werden kann, kein Wettbewerbsvorteil mehr.
Neue Fragen zu formulieren, auf die es noch keine fertigen Antworten gibt, diese gegen Kritik zu verteidigen und schlussendlich gemeinsam Lösungen zu entwickeln, wäre das nicht ein passenderes, zeitgemäßes Betätigungsfeld für „Gut"- und „Sehr gut"-Kandidaten? Wer das trainiert, wäre auf die reale Wirtschaftswelt vorbereitet, in der
sich Menschen wie Unternehmen in kürzer werdenden Zyklen neu erfinden müssen.

4 Kommentare | Kommentieren

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    nicht nur die wirtschaftswelt, sondern alle gesellschaftsbereiche, ob social profit oder klassische wirtschaft bräuchten menschen, die in ihrer bildung mit diesen von ihnen dargestellten drei Ks gründliche erfahrung gemacht haben.

    diese drei Ks werden aber in wirklichkeit nicht nur nicht unterrichtet, sie werden sogar ausdrücklich bekämpft. meine erfahrungen als vater von 6 kindern in verschiedenen salzburger schulen zusammengefasst: nur sehr wenige engagierte lehrerInnen fördern wirklich kreativität, kritikfähigkeit und kooperation. diese wenigen werden von einer frustrierten und dumpfen mehrheit ihrer kollegInnen oft sogar noch als "kuschelpädagogen" und "schülerversteher" diffamiert. unterwerfung und angepasstheit sind da schon eher konkret verfolgte lernziele.

    insgesamt funktioniert in unseren schulen sehr oft noch das ideal anderer drei Ks: kuschen, konfliktscheue und kampf.

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    Zur Förderung der Teamfähigkeit fällt mir noch etwas ein: Ich habe bei einem Studienaufenthalt in den USA selbst erlebt, dass dort Spitzenuniversitäten manchmal sogar Prüfungsarbeiten in der Gruppe ausarbeiten lassen. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob das gut ist, jetzt möchte ich dieses "Zusammenraufen" und natürlich auch Lektion im Austragen von Konflikten - nicht jeder in der Gruppe hatte gleichen Anteil an der Leistung, dennoch mussten wir eine gemeinsame Note ertragen! - nicht mehr missen.

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    danke! das ist wirklich ein schönes beispiel - das bringt die "leistungsfanatikerInnen" und die "beurteilungshardlinerInnen" auf die palme - dabei ist es ganz und gar nicht neu: we are what we share!

    http.//bernhardjenny.wordpress.com

  • Klingt ganz gut - die drei K's erlernen - und damit sozialeren Umgang trainieren.

    Aber: Sind die drei K's nicht der Inbegriff seit je her unserer sozialen Erziehung, heißt längst gelernt und aus eigener oder fremder Gier nur wieder verlernt? Weil es en vogue war, unser Handeln nicht nach Konsens sondern nach Konkurrenz auszurichten? Konkurrenz ist gut, nur das moralische Rüstzeug muss wieder vor den Vorhang, ein Wort muss einen Vertrag bedeuten. Heißt "verlernt" dann auch, man könnte es abrufen und Moral und ehtische Handlungsweise wird vor den Vorhang gezerrt um den Beweis anzutreten: "Es geht auch mit Verbindlichkeit und Handschlag"?

    Was machen wir aber mit den moralischen Flachwurzlern in Gesellschaft und Politik? Die Seitenblicke-Society beim täglichen Bussi-Bussi. Ist nicht das die Gesellschaft, die von Kindern wahrgenommen wird, nebst Fernsehprogramm um Auswandern, Rückwandern, Gerichtsshow und Suche nach dem Superdepp?

    Ein weiter Weg des Tropfens bis zum Strom ...

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