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Schlusslicht.Oder: Ein Neuanfang als Teil des Erfolgs

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Ich muss gestehen, dass ich damit nicht mehr gerechnet habe: Schlusslicht beim Jungunternehmertum! Nur zwei bis drei (exakt: 2,44) von 100 Österreichern zwischen 18 bis 64 gründen ein eigenes Unternehmen. Wir landen damit auf dem letzten Platz von 42 Ländern, ergab der dieser Tage veröffentlichte Global Entrepreneurship Monitor (www.gemaustria.at). Doch damit nicht genug: Im Vergleich zu 2005 hat sich die Jungunternehmerrate sogar halbiert.

Ich muss gestehen, dass ich damit nicht mehr gerechnet habe: Schlusslicht beim Jungunternehmertum! Nur zwei bis drei (exakt: 2,44) von 100 Österreichern zwischen 18 bis 64 gründen ein eigenes Unternehmen. Wir landen damit auf dem letzten Platz von 42 Ländern, ergab der dieser Tage veröffentlichte Global Entrepreneurship Monitor (www.gemaustria.at). Doch damit nicht genug: Im Vergleich zu 2005 hat sich die Jungunternehmerrate sogar halbiert.
Was ist also mit all den Bekannten, die ihren Angestellten-Job an den Nagel hängen und ihr eigenes Grafik-, Event- oder Marketingbüro gründen? Den 10.000 Männern und Frauen, die in diesem Lande als eBay-Verkäufer direkt oder indirekt ihr Brot verdienen (Eigenangabe von eBay)? Den vielen Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen, die im Unterschied zu früher ihre Zukunft weniger als Staatsdiener sondern als Geschäftsmann oder -frau sehen? Sie sind offenbar eine Minderheit.
In den vergangen Jahren hat sich einiges bewegt, doch die Bewegung ist nicht wirklich breit geworden. Woran das liegt? An der niedrigen Arbeitslosigkeit und dem Reichtum Österreichs? Nun, in anderen wohlhabenden Ländern gibt es mehr Mut zur Eigeninitiative. Nehmen wir die Schweiz: Dort machen sich sechs von 100 Erwachsenen selbstständig. Also doppelt so viele wie bei uns. Oder die Niederlande: Dort sind es fünf von 100.
Die geringe Arbeitslosigkeit kann höchstens den Rückgang bei frühen unternehmerischen Aktivitäten in den vergangenen drei Jahren erklären: Es gibt heute wenig Zwang, selbstständig zu werden. Und das ist auch gut so, weil damit der Blick auf die enormen Chancen frei wird: neue Ideen umzusetzen, sein eigener Herr zu sein, Arbeitsplätze für Andere zu schaffen.
Doch warum werden diese Möglichkeiten so selten wahrgenommen, obwohl es an Ideen bestimmt nicht mangelt und die Menschen im internationalen Vergleich bestens ausgebildet sind? Neben übersteigertem Sicherheitsdenken könnte die verengte Sicht auf Erfolg ein Grund für den Absturz Österreichs sein. Wer sein Unternehmen - aus welchen Gründen auch immer - zusperren muss, braucht nicht an einen Neuanfang zu denken. Unternehmerischer Misserfolg wird in diesem Land gesellschaftlich schwer geächtet.
Die Folge: Die Angst, zu scheitern, hält viele Menschen mit guten Ideen zurück, diese auch umzusetzen. Um das zu ändern, wären wir gut beraten, den Umgang mit „Pleitiers" zu überdenken. Ist ein gelungener Neuanfang nicht auch Teil des Erfolgs?

 

 

 

 

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Ronald Barazon

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

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