Ich falle am besten gleich mit der Tür ins Haus: Wussten Sie, dass Google jede einzelne Ihrer Suchanfragen speichert, und zwar so, dass sie Ihrer Person zugeordnet werden können? Google weiß, welchen Drucker Sie verwenden, weil sie bereits einmal „Tintenpatrone HP" in die Suchmaschine eingegeben haben. Google kennt die Konkurrenten Ihrer Firma, weil Sie nach deren Webseiten gesucht haben und Google weiß, dass Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Asthma hat, weil sie sich über die Krankheit im Internet informiert haben. Fragen, die uns einen Augenblick beschäftigen, werden 18 Monate in Googles Datenspeichern festgehalten und erlauben, eine genaue Skizze einer Person und ihrer Interessen zu zeichnen.
Google ist kein besonders böses Unternehmen, auch andere Suchmaschinen speichern Daten. Dennoch zwinge ich mich seit einigen Tagen, Alternativen wie yahoo.at, live.at, altavista.at, metager.de und metacrawler.de auszuprobieren.
Ich weiß schon, dass Yahoo! nun mit Google zusammenarbeitet und das Original ohnehin fast unschlagbar ist: praktisch, gratis, benutzerfreundlich, sympathisch im Auftritt. Erst zehn Jahre alt, wird Google regelmäßig zum innovativsten Unternehmen weltweit gewählt. Und ist der Wunscharbeitgeber von Informatik- und Wirtschaftsstudenten in aller Welt.
Doch was die Suchmaschine so bedenklich macht, ist seine Marktmacht: Das Medienunternehmen besitzt nicht nur die weltweit wertvollste Marke (vor Coca Cola und McDonalds) und ist der größte Anbieter von Online-Werbung. Google hat ein Beinahemonopol auf Information. Schulkinder googeln - ein Begriff, der seit 2004 im Duden steht - die Inhalte ihres Biologiereferats, Staatsanwälte die Inhalte ihrer Plädoyers, Manager die ihrer Firmenpräsentationen.
Weltweit laufen mehr als 60 Prozent aller Suchanfragen im Internet über Google, in Österreich gar mehr als 90 Prozent. Viele Menschen geben zu Protokoll, ohne Google im Netz verloren zu sein. Dabei ist gar nicht so klar, wie Google die Suchergebnisse bewertet und reiht. Als Privatunternehmen ist es nicht verpflichtet, das bekannt zu machen. Wir verlassen uns einfach blind darauf, dass die Ergebnisse stimmen.
Es ist nicht einfach, Alternativen zu finden. Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia, bastelt gerade an einer: Wiki Search soll eine transparente Suchmaschine werden, an der jeder User mitarbeiten kann. Denn es kann nicht gut sein, nur von einer einzigen Informationsquelle abhängig zu sein und diese noch dazu unbewusst mit eigenen, privaten Daten zu füttern.
TrackBack-URL dieses Eintrags: http://mein.salzburg.com/mt-tb.cgi/5094


eigentlich müsste man ja auch yahoo boykottieren. so ist das unternehmen schließlich dafür verantwortlich, dass ich in china mehrere unschuldige zu langen haftstrafen verurteilt wurden. weil sie ihren status in diesem land nicht verlieren wollen, arbeiten sie mit der polizei zusammen. yahoo pfeift also auf menschenrechte - und das nur für geld. (die aussagen beziehen sich auf das gestrige weltjournal spezial auf 3sat, sehenswerter beitrag)