Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

Login

Mai 2008 Archive

Stimme 0 Stimmen
Einer unserer geschätzten Leser machte uns dieser Tage auf einen kürzlich in diesem Blatt erschienenen Artikel aufmerksam. Wir hätten über das „Milliardengrab der Banken" geschrieben. Er würde gerne erfahren, wo dieses zu finden sei.
 
Stimme 0 Stimmen

Wenn Amerikaner reisen, geht es häufig darum, in kurzer Zeit möglichst viel zu sehen. Schon vor rund vierzig Jahren wurde verfilmt, wie eine US-Reisegruppe in achtzehn Tagen durch sieben europäische Länder hetzte. „If it’s Tuesday, this must be Belgium“ hieß die Parodie auf die Auswüchse des damals noch in den Anfängen steckenden Massentourismus, der längst auch Europäer und Asiaten erfasst hat.
Dass Amerikaner so auf die Zeit schauen, ist aber kein Wunder, haben US-Arbeitnehmer doch nur halb so viel Urlaub wie europäische Kollegen.

 
Stimme 0 Stimmen

Wieder einmal läuft der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner, Amok. Voriges Jahr tobte er gegen den Plan der Politik, Ärztezentren zu errichten, um die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Der Präsident witterte die Verstaatlichung des Gesundheitswesens. Jetzt malt er den Untergang der Arztpraxen an die Wand, weil die Krankenkassen an den bequemen Verträgen rütteln, die die glücklichen Besitzer auf Lebenszeit absichern.

 
Stimme 1 Stimme

Motiviert wie ein Sportler nach dem Sieg. Erfinderisch wie Albert Einstein. Eigenständig wie ein Unternehmer. So stellen sich viele Chefs den idealen Mitarbeiter vor und verzweifeln angesichts der Realität, die sie im Unternehmen antreffen. „Meine Leute bewegen sich nicht vom Fleck. Was soll ich tun?", lautet eine Klage, die ich in meiner Arbeit oft zu hören bekomme.

 
Stimme 0 Stimmen

Psychologisch ist faszinierend, was sich vor einem durchschnittlichen Volkslauf abspielt. Notorische Tiefstapler erzählen einander, warum sie infolge Trainingsrückstands und/oder Wehwehchen nicht so schnell laufen können, wie es  die anderen erwarten. Unangenehm für den naiven Mittelfeldrenner ist, dass die Rücken der Untrainierten, Kranken und Fußmaroden nach wenigen Kilometern im Kleinstformat am Horizont verschwinden.

Hinter ein paar Eliteläufern duellieren sich lauter Lamentierer mit angeblicher Chancenlosigkeit um die Plätze. Nachher ist jeder von ihnen ein Gewinner, weil alle die kommunizierten Erwartungen übertreffen. Obwohl es auf Grund laufender Gastarbeiter aus Kenia und/oder Osteuropa nie für den Sieg reicht, wird das eigene Ergebnis zur umjubelten Sensation. Hobbyläufer kennen somit das Erwartungsspiel besser als Politakteure oder Wirtschaftstreibende. Die letztgenannten Gruppen sollten es freilich professionell betreiben. Für Parteien geht es beispielsweise darum, ein nicht allzu optimistisches Wahlziel vorzugeben. Ansonsten läuft sogar bei saftigen Gewinnen oder in Wahrheit bemerkenswert geringen Verlusten jede Journalistenfrage darauf hinaus, warum alles viel schlechter als erwartet sei. Die Grünen etwa greifen mit ihren 20-Prozent-Träumen von den Wiener bis zu den
Tiroler Landtagswahlen oft zu hoch und tappen in die Erwartungsfalle.

Schlimmer sind Wiederholungstäter in der Bundesregierung, welche jedes Routinevorhaben zur Jahrhundertreform hochstilisieren. Zuletzt geschehen mit dem Gesundheitspaket und den Steuerplänen. Im ersten Fall ist der Reformgehalt übertrieben, wenn der Kostenfaktor Krankenhäuser als Ländersache von Anfang an und Tag für Tag weitere Dinge wegfallen. Im steuerlichen Zweitfall werden Hoffnungen geweckt, als müssten wir in Bälde maximal die Hälfte an Abgaben zahlen. Weil das auszuschließen ist, wird es zum unpassenden Zeitpunkt vor der Nationalratswahl womöglich massenhaft Enttäuschte geben.
Interessanterweise hat übrigens das BZÖ eine Notbremse gezogen, und tritt bei Landtagswahlen außerhalb Kärntens vorerst nicht an. Irgendwann wäre es lächerlich geworden, vorher ultimative Triumphe zu verkünden und nachher eine Platzierung mit Rückstand auf KPÖ oder Christenpartei erklären zu müssen.

Negativbeispiele häufen sich ebenso in der Wirtschaft. Seitens der AUA wurde ein Scheich mit
Finanzspritze versprochen, welche es nicht gab. Vor allem traut sich kein Marktwirtschaftler zu tun,
wofür die Politik ohnehin zu feige ist. Anstatt Wachstumsprognosen permanent nach unten zu revidieren, wäre es ein strategisch spannender Ansatz, den Menschen knallhart schlechte Zeiten vorherzusagen. Politiker und Manager würden vielleicht später ähnlich den Volksläufern jeden Teilerfolg einer noch so kleinen Gegenmaßnahme als Spitzenleistung verkaufen können.

PS: Zugegeben ist da ein Haken, der Regierungspolitiker am exzessiven Gebrauch des Erwartungsspiels hindert. Man muss es parteiintern erst einmal überleben, bevor es unter Umständen aufgeht.

 
Stimme 0 Stimmen

Im Wohnzimmer des deutschen Bundespräsidenten. Horst Köhler sitzt in einem gemütlichen Lehnsessel und geht seinen Kalender durch. Er seufzt tief. Seine Frau blickt auf.
Eva Luise K.: „Was ist los, mein Schatz, geht’s Dir gut?“
Horst K.: „Wie man’s nimmt. Morgen kommen diese Reporter vom ,Stern‘ zu mir. Was erzähle ich denen bloß?“
Eva Luise K.: „Du brauchst einen echten Knaller. Du weißt schon, wegen der Wiederwahl.“

 
Stimme 0 Stimmen

Angesichts der Finanzkrise setzt sich in den Banken das Motto „Rette sich wer kann“ als Geschäftspolitik durch. Allerdings greifen die Banker genau zu jenem Instrument, das die Krise ausgelöst hat. Womit sich eine Anleihe bei Friedrich Schiller empfiehlt: „Das eben ist der Fluch der Krise, dass sie fortzeugend, immer Krisen muss gebären.“

 
Stimme 0 Stimmen

Dieser Tage stieg ich in einem Hotel ab, im Zimmer wartete ein Mitbewohner auf mich: Ein Single-Fisch beobachtete von seinem Aquarium aus den Gast. Die Hotel-Informationsmappe enthielt eine mehr als deutliche Warnung, sich nur ja nicht des kleinen Kerls zu erbarmen und sein Single-Dasein zu beenden: „Dieser Fisch gehört der Familie der Kampffische (Betta trifasciata) an. Er ist Einzelgänger, d.h. bei Gesellschaft wird er sehr aggressiv und bekämpft seine Mitbewohner bis zum Tod.“

 
Stimme 0 Stimmen

Was schreibt man als Politikwissenschafter am Dienstag nach Pfingsten? Innenpolitisch ist eine Art Schönwetterpause. Das Thema Religion wäre nahe liegend, würde jedoch ein Dilettieren in fremden Gefilden bedeuten. In den letzten Tagen viel beschäftigt hat muttertägliche und sonst wie ausflügelnde Österreicher vermutlich der Verkehr. Dass dieser wenig mit dem politischen Wettbewerb zu tun hat, glaubt bloß der Laie.
Dabei geht es um Grundsätzlicheres, als dass auf Grund eines Megastaus schwitzende Sonntagsfahrer für jede einzelne Umleitung mindestens zwei Politiker verfluchen. Auch die Zahl rasender Täter und Opfer ist nur eine Randerscheinung. Vor allem ist der Verkehr mit seinen thematischen Folgeabzweigungen von Arbeitsplatz(-wegen) über Umweltfragen bis zum simplen Lärm ein Hauptelement der politischen Kommunikation, weil er praktisch jeden betrifft und stark emotionalisiert.
Schon vor der Europameisterschaft geraten dabei Autofahrer und Nichtautofahrer  gleichermaßen in Rage. Läuft einmal der Ball, wird es nicht zuletzt von großen oder kleinen Verkehrsproblemen abhängen, ob das UEFA-Sommermärchen der heimischen Politik gut oder schlecht angeschrieben wird. So ein Gemütszustand ist exakt das, was Parteien zur Mobilisierung von Bürgern vulgo Wählern dringend brauchen. Hinzu kommt, dass das Thema Verkehr weder typisch Mitte-Rechts noch Mitte-Links ist, d. h. von jeder
Partei besetzt werden kann.
  Während rechte Stabilitätsthemen der Marke Sicherheit für die ÖVP einen Wettbewerbsvorteil bedeuten und linke Sozialthemen von Gesundheit bis Bildung die SPÖ begünstigen, bieten sich beim Verkehr Anknüpfungspunkte für alle. Nicht nur die Grünen haben das mit der Feinstaubdebatte im Grazer Gemeinderatswahlkampf vorgezeigt. FPÖ und BZÖ könnten  mindestens  für jeden Staukilometer im Juni populistisch  Wiens Bürgermeister und Salzburgs Landeshauptfrau als Antikicker verantwortlich machen. Dumm, dass  ein  oranges Schimpfen gegen den Hauptverantwortlichen in Klagenfurt wenig Sinn macht. In Innsbruck käme nach der Landtagswahl am 8. Juni –  dem Tag der österreichisch-kroatischen Entscheidung –  das Loslegen gegen eine verkehrspolitische Unfähigkeit der Mächtigen ein paar Tore zu spät.
Jenseits solcher tagesaktueller Scharmützel stellt der Verkehr Weichen für politische Langzeitstrategien. In den Gemeinden, wo Bürgermeistern viel außer dem laufenden Ärger im Schritttempo verziehen wird, und auch in der Bundespolitik. Nicht zufällig haben mit Werner Faymann unmittelbar sowie Josef Pröll via Umweltbande die größten Hoffnungs- und Sympathieträger der Großparteien einen Verkehrsbezug. Inhaltlich ist jene Partei vorn, die den unmöglichen Spagat zwischen maximaler Infrastruktur und größtmöglicher Verkehrsberuhigung schafft. Der gelernte Österreicher will nämlich vom Parkplatz oder der Garage aus eine direkte Innenstadt- und Autobahnauffahrt. Allerdings jeweils für sich allein, damit Verkehrs-, Staub- und Lärmbelastung gegen null tendieren.

 
Stimme 0 Stimmen

Die Feiern zum sechzigjährigen Bestand des Staates Israel lieferten und liefern unweigerlich eine Gelegenheit wieder einmal den Nahostkonflikt zu diskutieren und über das Judentum nachzudenken. Weltweit fühlen sich Millionen berufen, eifrig zu diesen Themen Meinungen abzugeben, und das meist ohne die geringste Kenntnis der tatsächlichen Umstände.
In diesem Umfeld geht die Tatsache unter, dass der im Mai 1948 gegründete Staat Israel ein Staat wie jeder andere ist.

 
Stimme 0 Stimmen

In Deutschland wird der bisherige Chef der größten Eisenbahnergewerkschaft Europas demnächst Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn. Und da heißt es immer, die Arbeitnehmer und ihre Vertreter seien nicht flexibel. Der Vorstand der Gewerkschaft begrüßt den Schritt und will Herrn Norbert Hansen unterstützen.  Vorurteile sind bekanntlich dazu da, um widerlegt zu werden.

 
Stimme 0 Stimmen

Ich muss zugeben, dass mir das Wort am Anfang suspekt vorkam, weil es wie eine Modevokabel klingt, die niemand wirklich braucht. So wie „Humankapital“, das nichts anderes bedeutet als Mensch oder Arbeitskraft. Selbstverständlich möglichst motiviert, gebildet und flexibel.
Doch jetzt geht es um Sozialkapital. Die Summe aller Beziehungen, seien es Geschäftspartner, Kunden oder bloß Bekannte. Die Summe an Vertrauen, Verlässlichkeit, Verbundenheit, die man in seinem Umfeld aufgebaut hat.
In der Soziologie ist dieser Begriff ziemlich modern. Dort heißt es, dass die westliche Gesellschaft mehr Sozialkapital braucht. Sozusagen als Kompensation zum Verlust an sozialen Bindungen, der durch die steigende geografische und berufliche Mobilität entsteht.
Auch die Wirtschaft könnte eine gute Portion mehr an Sozialkapital vertragen. Viel zu viele Menschen meinen, es komme allein auf die persönliche Leistung, auf Ellbogentechnik und Durchsetzungsstärke an. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Die andere: Die Anhäufung von Sozialkapital ist schon jetzt das Geheimnis manch guten Geschäftsmanns und manch guter Geschäftsfrau. Wer bei jedem Investment, sei es Zeit, eine kleine Summe Geld oder eine Gefälligkeit, sein Gegenüber sofort nach einer Gegenleistung fragt, hat schon verloren. Langfristig rechnet sich hier Großzügigkeit. Etwa wenn ein Kunde etwas ausführlicher besprechen will als geplant und damit den Tagesplan gehörig durcheinanderwirbelt. Ein Mitarbeiter private Sorgen in die Firma trägt und diese besprochen haben will. Ein Geschäftsfreund darum bittet, dass man ihn einer dritten Person vorstellen möge, um mit dieser endlich ins Gespräch zu kommen.
Irgendwann kommen diese Investitionen zurück. Studien zeigen, dass Lieferanten zuverlässiger sind und bessere Qualität liefern, wenn sie wissen, dass der Kunde auch andere Kunden kennt. Sprich: Ein Bäcker wird einem Restaurant nur bestes, ofenfrisches Gebäck liefern, insbesondere dann, wenn er weiß, dass dort auch einige seiner sonstigen Kunden essen gehen. Denn liefert er schlechtes und altes Gebäck, breitet sich diese Nachricht blitzschnell aus und schadet seiner Reputation.
Wo es viel Sozialkapital gibt, steigt die Disziplin. Und auch die Abwicklung der täglichen Geschäfte wird einfacher: Wenn man einander kennt und daher vertraut, braucht man nicht für jede Kleinigkeit eine schriftliche Bestätigung.
Manche Unternehmen haben deshalb in den vergangenen Jahren wieder große Kaffeeküchen eingerichtet, damit die Mitarbeiter einen Anreiz haben, sich vom Computer wegzubewegen und Kollegen zu treffen. Sie haben Reisebudgets, die ursprünglich gekürzt wurden, wieder erhöht.  Denn auch  Messen und Kongresse sind –  geschickt genutzt –  ein idealer Ort zur Anhäufung von Sozialkapital.

 
Stimme 0 Stimmen

Angesagte Revolutionen finden nicht statt. Für die Große Koalition (GroKo) auf Bundesebene überschlagen sich seit jeher Spekulationen ihres vorzeitigen Endes, ohne dass die apokalyptischen Prognosen eintrafen.
In 17 GroKo-Monaten gab es nur eine einzige Landtagswahl, die in Niederösterreich. Sie verlief vom Ergebnis her wenig dramatisch, sieht man von Befindlichkeiten der Betroffenen ab. Die ÖVP wurde im Status quo als Alleinherrscher bestätigt, die SPÖ verlor bis über ihre Schmerzgrenze. An den politischen (Macht-)Verhältnissen hat sich nichts geändert.
Nun beginnt ein Reigen von Wahlen, der alle Steine ins Rollen bringt. Der erste Platz der ÖVP steht im heiligen Land Tirol außer Frage, sie wird jedoch durch die Kandidatur Fritz Dinkhausers von ihrer absoluten Mehrheit tief herunterfallen.
Die SPÖ kämpft in Tirol bloß darum, wer weniger verliert. Im Extremfall ist sie nur Dritter oder Vierter. Dafür sorgt neben der neuen Liste mit dem Präsidenten der Arbeiterkammer an der Spitze ein Konflikt mit dem Gewerkschaftsflügel. Eine Partei mit Arbeiterstimmen als Basis kann nichts Dümmeres tun.
  Die Folge ist eine je nach Wahlergebnis unkalkulierbare Regierungsbildung, bei welcher infolge der Abschaffung des Proporzsystems sogar Tirols Schwarzen die Oppositionsbank droht. Das wäre etwa so, als hätte Michael Häupls Wiener SPÖ in der Bundeshauptstadt nichts mehr zu sagen. Undenkbar?
Auch im roten Wien wird die Chance täglich geringer, gegen Heinz-Christian Straches Protestpotenzial eine absolute Mehrheit zu verteidigen. In Kärnten verhindern die Senkung der Mindestprozentklausel und geänderte Details in der Mandatsberechnung als fast schon letzte Option von SPÖ, ÖVP, Grünen und FPÖ eine absolute Mehrheit Jörg Haiders. Vorausgesetzt, dass Kärntens ÖVP das nicht unter Umständen nur vorübergehend kapierte. In letzter Sekunde war es jedenfalls. Bis vor kurzem wollte die ÖVP ein unverändertes Minimum von zehn Prozent der Stimmen – im Wissen, womöglich weniger zu haben. Das war Harakiri mit besonders langem Anlauf.
Was passiert, wenn die Haider-Partei unter dem bedeutungslosen Decknamen BZÖ in Kärnten dennoch triumphiert und sich danach mit der FPÖ fusioniert? Allenfalls zeitgleich mit einem Mehrheitswechsel in Salzburg?
Landeshauptfrau Burgstaller schleppt an dem Rucksack, der (Bundes-)SPÖ heißt. Dasselbe gilt sinngemäß in der Steiermark. In Oberösterreich musste die ÖVP immerhin im Fall der Energie AG (über deren Börsegang sollte eine Bürgerbefragung stattfinden, ohne sie anerkennen zu wollen) die Reißleine ziehen, um nicht lange vor der Wahl im Abseits zu stehen.
Also sind in fast allen Bundesländern bestehende Mehrheiten in Veränderung. Natürlich wird mit Sicherheit nur wenig vom Gesagten Realität werden. Doch als Denkvariante zwingt die GroKo Landes- und -Bundesparteien zu entsprechenden Strategiespielen. Dabei wird nicht gemeinsam gespielt. Verlockend ist ein Gegeneinander innerhalb der Parteigrenzen. Nicht Simmering gegen Kapfenberg, sondern SPÖ gegen SPÖ und ÖVP gegen ÖVP. Das ist Brutalität.

 
Stimme 0 Stimmen

Siemens, VW, Daimler, die Deutsche Bank – diese und die Namen vieler anderer deutscher Unternehmen wurden früher einmal mit einem Anflug von Ehrfurcht ausgesprochen.  Was ist daraus geworden?
Bei Siemens versucht ein Österreicher seit zehn Monaten den größten Schmiergeldskandal in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands aufzuarbeiten. Peter Löscher starrt dabei in Abgründe, die so tief sind, dass ihm schwindlig wird.    Bislang ist bekannt, dass 1,3 Mrd. Euro in dunkle Kanäle flossen. Und die Tatsache, dass es nur einige Sparten im Konzern gab, in der Schmiergeld nicht gängige Praxis war, verleitet bloß zur bangen Frage: Waren deren Manager zu blöd oder zu anständig?

Auch bei Volkswagen lief alles wie geschmiert. Dort handelte man nach dem Grundsatz: Das Volk braucht nicht nur einen Wagen, sondern auch was fürs Gemüt. Also organisierte der Vorstand Lustreisen inklusive Bordellbesuchen, um den Betriebsrat bei Laune zu halten. Auf Firmenkosten, versteht sich. So großzügig hat noch kein Konzern das Konzept der gesellschaftlichen Verantwortung  ausgelegt.
Hingegen ist man nicht zimperlich, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie sollen. Weil der Sportwagenbauer Porsche die Kontrolle über VW übernehmen will, wird versucht, dessen Chef im Hotel abzuhören. Das Anliegen war plump, die Methode gar nicht deutsch, sondern sehr subtil  – es sollte ein Babyfon verwendet werden. 

Der frühere Vorstandschef der Deutschen Post macht sich für Werte im  Management stark und bunkert Geld schwarz in Liechtenstein. Und die deutschen Behörden brauchen jetzt schon mehr als zwei Monate, um die Daten, die Österreicher betreffen, dem Nachbarland zukommen zu lassen. Deutsche Qualitätsarbeit kann manchmal recht mühsam sein.
Jetzt wird zu allem Überfluss bekannt, dass ein Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank in die Lade gegriffen hat. Der hat sich wohl ein Beispiel am früheren Chef Ernst Welteke genommen. Der ließ sich und die Familie zur Silvesterfeier ins Berliner Nobelhotel „Adlon“ einladen und fand auch nichts dabei.

Ist der Fall Deutschlands zu stoppen? Trost bietet nur der Fußball. Bayern München steht kurz vor dem Meistertitel, aber der Klub liegt nicht nur in der Bundesliga vorn, sondern ist – wie jüngst bestätigt – auch der finanziell gesündeste. Zwar ist auch den Bayern die Intrige nicht fremd, aber es scheint, als hätten Fußballvereine mittlerweile die besseren Manager als die großen Konzerne. Vielleicht sollten sie sich Tipps von Bayern-Chef Uli Hoeneß holen.

 
Stimme 0 Stimmen

Der zehnjährige Bestand der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist nicht nur eine Gelegenheit die gemeinsame europäische Währung zu feiern. Das Datum ist auch der Anlass, um an ein politisches Kalkül zu erinnern, das leider nicht aufgegangen ist.
Die Initiatoren der gemeinsamen Währung, der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing und der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt sahen im Euro – der Name stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem Programm – ein politisches Instrument.
Die Überlegung war überzeugend: Eine gemeinsame Währung könne nur auf Dauer erfolgreich sein, wenn sie durch eine gemeinsame Finanz- und Budgetpolitik abgestützt wird. Somit würde der Euro die Finanzminister zwingen, eng zu kooperieren. Und letztlich würde sich folgerichtig die Installierung eines Finanzministers ergeben, der den Weg für eine europäische Regierung bereiten sollte.
Giscard und Schmidt waren über den Mangel an europäischer Gesinnung, über die Behinderungen einer tatsächlichen europäischen Integration empört. Sie konnten aber trotz ihrer Machtpositionen den antieuropäischen Geist nicht besiegen und hofften, über die Währungspolitik zum Ziel zu kommen.
1981 trat Giscard als Präsident ab, 1982 schied Schmidt als Bundeskanzler aus. Die Weichen, die sie gestellt hatten, führten 1992 im Vertrag von Maastricht zum Grundstein für die Währungsunion, am 3. Mai 1998 fiel die Entscheidung über die ersten Länder, die den Euro einführen.
Der Euro wurde also eingeführt, doch das Ziel der beiden großen Europäer weit verfehlt. Von einer gemeinsamen Finanzpolitik ist nicht die Rede, wenn man von den krampfhaften Bemühungen um die Limitierung der Budgetdefizite absieht. Finanzpolitik ist stets auch Wirtschafts- und Sozialpolitik und diese Bereiche werden auf europäischer Ebene sträflich vernachlässigt.
Der sanfte Druck, der Europa einen sollte, hat sich nicht eingestellt. Im Gegenteil. Giscard und Schmidt beklagten 1980 den Mangel an Integrationswillen, heute, fast dreißig Jahre später, ist die Neigung zur Desintegration noch stärker. Die Nachfolger von Giscard und Schmidt, Nicolas Sarkozy und Angela Merkel, haben sogar im Vertrag von Lissabon die Teilung der Union in Untergruppen verankert, so dass jeweils neun Länder einen eigenen Weg innerhalb der EU gehen können.
Somit stellt sich die Frage nach der Bewertung des Euro. Der Ärger der Konsumenten, die die gemeinsame Währung als Teuro erleben, würde gekoppelt mit dem  Fehlschlag der politischen Spekulation von Giscard und Schmidt ein negatives Urteil nahe legen.
Tatsächlich bleibt aber ein unerschütterbar positives Element: Der Euro verhindert, dass einzelne Länder ihre Wettbewerbsposition künstlich über Abwertungen verbessern können. Somit ist der Euro zwar kein politisches Zaubermittel, aber ein mahnendes Vorbild für das „globale Dorf“, wo ständig mit kunstvoll gestalteten Umrechnungskursen getrickst wird.

 
Salzburg: Stadt SalzburgFlachgauTennengauPongauPinzgauLungau
Nachrichten: InnenpolitikWeltpolitikWirtschaftChronikKulturMotor7 mal 24 Zeitung
Sport: EURO2008EishockeyT-Mobile-LigaFußballFormel1MotorsportTennisUS-Sports Wintersport
Lifestyle: LeuteGewinnspieleGesünder lebenHoroskop
Video: SN aktuellNachgefragtRed Bull VideosimBildAudio
Meinung: SN KommentareBlogsSN DebatteLeserbriefeWizany
meinSalzburg: MitgliederInteressenFotoblogsTop gevotetOft auf MerklistenSalzburgwiki
Marktplatz: KarriereImmobilienMotorGastrojobsKleinanzeigenPartnerbörseGutscheinePreisvergleich
SN-Service: Archiv Abo AnzeigenpreiseOnline Werbung MediadatenSN Saal Wir über uns TeamPartner
Salzburger Woche Service: Anzeigenpreise Kontakt Salzburger Fenster: Anzeigenpreise Kontakt