Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

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September 2007 Archive

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Die Warnung des Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs ist nach den Erfahrungen der abgelaufenen Woche nur lautstark zu wiederholen. Karl Korinek sagte am vergangenen Samstag: „Ich habe manchmal den Eindruck, wir werden ähnlich stark überwacht wie seinerzeit die DDR-Bürger von der Stasi“. Und die Reaktionen zeigten, dass zwar gerne vom Rechtsstaat geredet wird, aber der Inhalt des Begriffs weithin unbekannt ist.

 
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Edelwiser Skihandel GmbH. So nennt sich eine Firma am Julius-Tandler-Platz in Wien. Die Adresse klingt nach Kramerladen. Nach einem kleinen Kaufmann, der den großen Händlern trotzt. Doch  Mitleid ist hier fehl am Platz.   Am Dienstagabend wurde an Edelwiser der österreichische Staatspreis 2007 für Multimedia & e-Business verliehen. Zu Jahresanfang hatte das Unternehmen bei der ISPO Sportartikelmesse in München den „Oscar“ der Skiindustrie, den Volvo SportsDesign Award gewonnen. Für den Designpreis 2008 der Bundesrepublik Deutschland und für den Wiener Zukunftspreis wurde es ebenfalls nominiert.
Der Erfolg ist vor allem auf eines zurückzuführen: Die Weltcupfahrerin Nicola Werdenigg und ihr Mann Erwin, die hinter Edelwiser
stehen, haben sich  ganz  ihren

Kunden verschrieben. „Im Mittelpunkt steht der Mensch, mit seiner individuellen Ausdrucksform, seinem persönlichen Stil und seinen gestalterischen Ansätzen“, heißt es auf www.edelwiser.com.
Die Werdeniggs und ihre Freunde vertreiben maßgeschneiderte Carving-Ski. Diese  können von den Käufern beliebig gestaltet werden. Zum Beispiel in bunten Farben. Oder in Grün und Schlamm, wie die Edelwiser-Ski des Bundesheers. Via Internet bekommt jeder Käufer einen Werkzeugkasten zum Gestalten seines Unikats  zur Verfügung gestellt.  Dabei hat sich die pfiffige Firma vom Institut für Innovation und Entrepreneurship an der Wirtschaftsuniversität Wien beraten lassen.
„Nicht wir wissen, was euch gefällt, sondern ihr sagt uns, was ihr haben wollt.“ Dieses Denken hebt Edelwiser radikal von der Konkurrenz ab. Die Lieferzeit für die maßgeschneiderten Ski beträgt nur zwei bis vier Tage. Sie kosten auch nur ähnlich viel wie gute Ski von der Stange.
Rund um die Firma ist ein soziales Netzwerk aus Skifreaks entstanden, die sich untereinander austauschen. Die Einbindung der Kunden geht so weit, dass besonders begabte Laiendesigner sogar Geld verdienen oder ihre eigenen Kollektionen entwerfen und diese als „Edelwiser-Ambassadors“ an Kunden oder Bekannte verkaufen können.
Praxiserprobte Anwender können oft viel mehr als so genannte Spezialisten, sofern man sie ernst nimmt und aktiv werden lässt. Und: Es gibt einen großen Bedarf an neuen Services. Das ist mit ein Grund,  warum sich am 11. Oktober in Salzburg ein Symposium mit Dienstleistungsinnovation beschäftigen wird (www.itg-salzburg.at/innosymp/Default.htm).
Prosit Edelwiser! Wir gratulieren herzlich.

 
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Nachdem sich die Islamhysterie ein wenig zu legen scheint, könnte man zu nüchternen Analysen übergehen. Bei diesem Thema und jedem anderen Politstreit. Nicht etwa, dass bisher stockbesoffen diskutiert wurde. Bei vollem Bewusstsein machen die politischen Akteure von angeblich artfremden Minaretten bis zur verlangten Massenabschiebung Stimmung. Viel schlimmer aber sind scheinobjektive Zahlen. Auch mit diesen können Gefühlslagen wunderbar beeinflusst werden.
Zitiere ich beispielsweise (richtige) Studien, dass höchstens zwei oder drei Prozent der sich in Österreich befindlichen Menschen mit muslimischer Religion Andersgläubige ablehnen, ist das ein geringer Wert. Ähnlich klein ist die Zahl jener ausländischen oder mit der österreichischen Staatsbürgerschaft hier lebenden Moslems, welche Grundregeln der Demokratie in Frage stellen. Behaupte ich hingegen, dass über 10.000 islamische Fundamentalisten in unserer Mitte sind, klingt das weniger harmlos.
Der letzte Satz wäre jedoch ebenfalls richtig, weil drei Prozent von rund 400.000 muslimisch Gläubigen 12.000 sind. Im nächsten Atemzug könnte man wieder abschwächen, wenn anstatt aktueller Vermutungen von offiziell 320.000 Moslems auf Grund der letzten Volkszählung ausgegangen wird. Das ist allerdings viele Jahre her. So oder so wird das Spiel mit den Zahlen zur politischen Waffe.
Dasselbe gilt natürlich umgekehrt auf Seiten der inländischen Patrioten mit Hang zum extremen Nationalismus. Es gibt im Alpenland höchstens fünf Prozent Ewiggestrige und unverbesserliche Rassisten. In absoluten Zahlen bedeutet dieses Zwanzigstel der erwachsenen Bevölkerung 300.000 Spinner. Nur die Prozentzahl zu nennen, wäre da eine gefährliche Verniedlichung.
  Zahlenmäßig steigen übrigens Moslems als Mitbürger in einem solchen Vergleich gut aus. Nicht nur fünf, sondern bis zu zehn Prozent der Österreicher geben demokratiefeindliche Meinungen von sich. Das ist ein mehr als ein drei Mal so hoher Anteil als unter den vermeintlich so schrecklichen Ausländern. Trotzdem ist natürlich jedweder Umkehrschluss Unsinn, dass beim Kampf der Kulturen vor allem Christen demokratiefeindlich sind.
Der Punkt ist, dass Zahlenspiele in der veröffentlichten Meinung ein dankbares Instrument sind. Man kann sie jederzeit und zu jedem Thema machen. Parteien und zugegeben Medien gebrauchen sie daher bis zum Missbrauch. Hübsche Balkendiagramme unterstellen absolute Wahrheiten, welche in Wirklichkeit allzu oft Schätzübungen sind.
Es soll übrigens sogar einzelne Politiker geben, für welche die seriöse Meinungsforschung und mehr oder weniger erfundene Eindrücke aus einer Straßenbefragung im Prinzip gleich gut funktionieren. Denn Sachkenntnis ist kein Hindernis und dennoch nicht wirklich gefragt. Es geht lediglich darum, forsch Zahlen in den Raum zu stellen.
Offenbar lesen viele Österreicher gerne über angebliche oder tatsächliche Umfragen vom Islam über die Politik bis zum Sex, sonst würden Medien sie nicht abdrucken. Unklar ist, ob eine so veröffentlichte Meinung irgendetwas mit der öffentlichen Meinung zu tun hat.

 
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Die allgemeine Aufregung über die Bildungslücken der zweiten Gastarbeitergeneration ist verblüffend. Die moderne Pädagogik hat die Eltern zu einem entscheidenden Faktor des Unterrichts gemacht: Die Kinder werden kontinuierlich an die Eltern verwiesen, die in die sonderbare Situation versetzt werden, die Schule als Begleiter ihrer Sprösslinge zu wiederholen.

 
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Es gibt Fragen, die in nur zwei Sekunden den gelungensten Vortrag zu nichte machen. „Kann man das Neue denn wirklich planen?“, fragte der kecke Herr in der vorletzten Reihe. Nach eineinhalb Stunden ernsthafter Debatte über seriöse Innovationsmethoden, die jedem Unternehmen einen Konkurrenzvorsprung verschaffen können, hätte ich den Störenfried am liebsten auf den Mond geschossen. Mit der Gegenfrage „Was kann man im Leben überhaupt planen?“ Richtung Buffet katapultiert. Oder ihm das bekannte Pasteur-Zitat entgegen geschleudert: „Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.“ 

Später im Büro, als der Ärger verflogen war, fiel mir die  Entstehungsgeschichte des SMS ein. Ein bisschen recht könnte der Mann doch haben: Short Message Services, also Kurznachrichten, die von Handy zu Handy gesendet werden, entwickelten sich zu einem großen Erfolg bei Konsumenten wie auch Handybetreibern, obwohl dahinter nie ein Plan stand. Allein in Österreich wurden im Vorjahr mehr als zwei Milliarden der schnellen und günstigen Textnachrichten versendet, also mehr als 250 SMS pro Einwohner und Jahr – von „Happy Birthday“ bis „Komme zehn Minuten später“.

Das Problem ist, dass die Zukunft so schwer vorstellbar ist und man deshalb immer versucht ist, von der Gegenwart auszugehen. Also glaubte man bei der Entwicklung der Mobiltelefonie in den späten 80er und beginnenden 90er Jahren, dass Handys nur das übertragen sollten, was das Festnetz kann, nämlich Gespräche, Daten und Faxe (ja, auch dem Fax gab man damals noch eine Zukunft!).

Für Textnachrichten sah man keine kommerzielle Nutzung vor, weil man sich ihre Vorteile nicht ausmalen konnte. Etwa, dass Textnachrichten die Empfänger meist am schnellsten erreichen. Dass diese auch hinterlassen werden können, wenn der Empfänger gerade nicht sprechen kann oder keinen Handyempfang hat.

Folglich entstand SMS nur als Hobby einiger Ingenieure, als Beiprodukt. Wie wenig die Anbieter darauf setzten, zeigt sich auch daran, dass diese in der Anfangszeit kein Abrechnungssystem für SMS vorgesehen hatten.

Besonders interessant ist, dass einer der norwegischen Entwickler, der damals dabei war, heute meint, dass SMS kaum noch eine Chance hätten, wieder entwickelt zu werden. Denn Projekte ohne klare Aussicht auf Wirtschaftlichkeit würden in den nunmehr schlanken Telekomfirmen schon früher gestoppt als in den damaligen „Dinosaurier-Telcos“ vor der Liberalisierung.

 Das ist schade. Denn planbar, lieber Herr Störenfried, ist ehrlich gesagt nur ein Teil des Neuen.

 
 
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etzte Woche hat George Bush zum tausendsten Mal versucht, den US-Patriotismus zu beschwören. Ansonsten wollte er in seiner Rede an die Nation mit Geschwafel über die gescheiterte Irakpolitik hinwegtäuschen. Das Teuflische ist, dass es nicht (mehr) an Bush liegt, sondern eine dreifach unlösbare Situation entstanden ist.
Erstens bedarf es eines militärischen Erfolges. Längst haben die USA den letztmöglichen Umkehrpunkt für einen Rückzug überschritten. Da hilft es nur wenig, dass wir wissen, wer der Schuldige ist. Jedem anderen Präsidenten bliebe mittlerweile nichts anderes übrig, als seine Truppen im Irak
zu belassen. Dahinter steht bloß eine vage Hoffnung, dass zufällig etwas herauskommt, das irgendwie nach Befriedung aussieht.
 Doch ein „cut and run“ – das Abbrechen aller Brücken im Sinn einer „Nichts als raus!“-Philosophie – ist eine populäre Forderung, welche in Wahrheit populistisch ist. Als die Soldaten der UdSSR Afghanistan verlassen haben, kam keinesfalls der große Frieden. Ein Schreckensregime der Taliban beherrschte mittelfristig die Szene. Paradoxerweise war die Welt froh, als die USA einmarschierten. Der Abzug aller ausländischen Militärkräfte aus Kabul würde ebenda nichts besser machen. Dasselbe gilt für den Irak. Die US-Bevölkerung könnte lediglich erleichtert sein, weil ihr tote Iraker ferner stehen als tote Amerikaner. Weniger Tote gäbe es kaum.
Setzen sich umkehrt General Petraeus und seine Männer wider Erwarten im Kampf durch, ist das zweitens keine politische Lösung, sondern höchstens eine Leistung der Sturmgewehre, Panzer und Apache-Hubschrauber. Im engeren Sinn haben die USA ja den ursprünglichen Krieg gegen Saddam Hussein sowieso gewonnen, um den angeblichen Frieden danach kläglich zu verlieren. Das Ziel, aus dem Irak als mittlere Macht des Mittleren Ostens ein halbwegs demokratisches oder wenigstens funktionsfähiges Staatsgebilde zu machen, scheitert bereits am Fehlen entsprechender Konzepte. Die von den Amerikanern gestützte irakische Regierung ist dafür ungeeignet. Eine bessere haben weder Bush noch sonst jemand zur Hand.
Drittens ist ein medialer Erfolg unabhängig von den Ereignissen im Irak unmöglich geworden. Man hat zunächst den Krieg für das Fernsehen inszeniert und sogar eine Kunstsprache erfunden. Nebenbei gekillte Zivilmenschen wurden zum abstrakten Kollateralschaden, und Kugeln aus den eigenen Läufen hießen „friendly fire“. Was Erschossene vermutlich in beiden Fällen als weniger freundlich empfanden. CNN & Co haben brav mitgespielt, doch alles kommt zurück im Leben. Nun werden sterbende US-Kinder gezeigt.
Die Desillusionierung steht uns bevor, wenn sich nach den US-Wahlen 2008 womöglich nichts ändern wird. Kein Nachfolger des schießwütigen Texaners kann die obige Logik durchbrechen. EU-ropa wird das weiter schrecklich finden, ohne eine Alternative aufzuzeigen. Gehen die USA, werden regionale Kriegsherren dem Massenmörder Saddam nachfolgen. Und Leichen sind genauso schrecklich, wenn es irakische Männer sind.

 
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Ab dem ersten Ölschock im Jahr 1973 hofften die Bauern bei jeder neuen Preisrunde Holz und Getreide als neue Energieträger präsentieren zu können. Als aber selbst die Spitzenwerte nur 40 Dollar erreichten und phasenweise Öl sogar um 10 und weniger Dollar zu haben war, mussten die Agrarier enttäuscht das Feld dem übermächtigen Öl überlassen.

 
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40 Prozent der neuen Unternehmen in Österreich werden bereits von Frauen gegründet und es gibt wenig Fakten, die so konsequent klein geredet werden: „Ach, das sind ja nur die vielen Mütter, die vom Küchentisch aus ein bisschen Kosmetik, Reinigungsmittel und Plastikgeschirr verkaufen“, lautet das Standardargument, das ich schon nicht mehr hören kann: Es ist erstens aus betriebswirtschaftlicher Sicht grundvernünftig, möglichst sparsam anzufangen. Ob Küchentisch oder Garage, ist einerlei. Tatsache ist: Wer bei den Ausgaben klotzt statt kleckert, mit einem teuren Büro, Sekretärin und Firmenauto, tut häufig den ersten Schritt Richtung Konkursrichter.

Und zweitens sollte man sich hüten, die wirtschaftliche Potenz von Dingen zu unterschätzen, die gemeinhin als „Frauenkram“ abgetan werden. Das beste Beispiel dafür, wie viel Geld sich hier mit intelligenten Geschäftsideen verdienen lässt, ist Anita Roddick, die am 10. September 2007 im Alter von 64 Jahren an einer Hirnblutung verstorben ist. Die Britin hat die alternative Kosmetikkette Body Shop mit 2000 Filialen in mehr als 50 Ländern gegründet. Auch sie fing in den 70er Jahren bescheiden an: Nicht als Industriellentochter, sondern als Tochter armer italienischer Einwanderer in Großbritannien. Neben ihren kleinen Kindern füllte sie ihre eigene Kosmetik, die sie ohne Tierversuche und ökologisch hergestellt hatte, in gebrauchte Fläschchen und Dosen ab. Diese hatten ihr die Kunden zuvor zurückgebracht.

Damals war es unvorstellbar, dass die Mini-Bude eines Tages für einen Kosmetikriesen wie L´Oréal, der Body Shop 2006 kaufte, eine Milliarde Euro wert sein würde. Unvorstellbar war es auch, dass Roddick eines Tages mit ihrer Idee zur Trendsetterin der gesamten Konsumgüterindustrie würde. Heute fragen sich viele, wie es Body Shop schafft, ein derart glaubhaftes ökologisches und soziales Image zu bewahren.

Es liegt an der Person dahinter. Roddick hielt nicht viel von Rechenspielen. „Erzählt lieber eine Geschichte“, riet sie angehenden Unternehmern.

Die Geschichte ist die, dass Menschen, die eine Vision besitzen, über sich selbst hinauswachsen können. Und dass eine 40-prozentige Frauenquote unter den Gründern nicht oft genug Erwähnung finden kann, ja geradezu großgeredet werden muss: Das Potenzial, das darin steckt, ist in Wahrheit enorm.

 
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In der Regel würde die Frage, was wir vor genau sechs Jahren getan hätten, Kopfschütteln auslösen. Nicht so morgen. Am 11. September 2001 ereignete sich der medienwirksamste Terroranschlag aller Zeiten. Osama bin Laden torpedierte mit Flugzeugen World Trade Center und Pentagon.

 
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Die Auseinandersetzung auf dem Fußballplatz zwischen dem elften Wiener Gemeindebezirk und der steirischen Stahlstadt wurde durch Helmut Qualtinger zur unverwüstlichen Metapher geadelt: Simmering gegen Kapfenberg, das ist Brutalität.

 
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Es verführt zum Faulenzen, wenn es einem zu gut, zumindest relativ gut geht. Also ist es logisch, dass die Initiative nicht in Österreich entstanden ist, sondern im wirtschaftlich wenig verwöhnten Deutschland: In Heidelberg ist der Verein „20prozent e. V.“ (www.20prozent.org) gegründet worden. Dahinter stehen Selbstständige und Trainer, die sich vorgenommen haben, die Selbstständigenquote in ganz Deutschland bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Begründung: Sichere Jobs und Normalbeschäftigung seien Auslaufmodelle, also wolle man die Menschen ermutigen und ausbilden, aus ihrem Können selbst etwas zu machen. Das meiner Meinung nach beste deutschsprachige Wirtschaftsmagazin, „brandeins“ (www.brandeins.de), hat in seiner Septemberausgabe über das Projekt berichtet.

Dazu eine Geschichte aus Österreich: Einer Angestellten Anfang 50, der Sohn zog gerade von daheim aus, ist fad. Sie hat einen guten Job, allerdings seit 20 Jahren in ein und derselben Firma. „Es muss doch noch etwas Spannendes geben“, sagt sie sich. Vielleicht sollte sie die Firma wechseln. Oder selbstständig werden. Doch darf man mit Anfang 50 kündigen? Experten und Bekannte raten ab. Da passiert es: Die Frau wird von ihrer Firma gekündigt. Offiziell trennt man sich einvernehmlich, inoffiziell fanden die neuen Chefs, dass sie, die soviel Erfahrung hat, nicht mehr in die Firma passt.

Es ist nicht verwunderlich, dass die deutsche „20prozent“-Initiative auf so viel Aufmerksamkeit stößt: Die Gesellschaft ist darauf getrimmt, auf Nummer sicher zu gehen. Doch wo gibt es Rat und zumindest moralische Hilfe, wenn jemand von sich aus bereit ist, Risiko auf sich zu nehmen? Diese Marktlücke können etablierte Institutionen wie Kammern, Ministerien und Gewerkschaften nicht bedienen, da sie noch zu sehr dem Modell des Versorgungsstaates verhaftet sind.

Dabei gibt es gar nicht so wenige Menschen, die ihr Glück selbst in die Hand nehmen: Nach den Erhebungen des unabhängigen Global Entrepreneurship Monitors (www.gemconsortium.org), der in mehr als 40 Staaten unternehmerische Aktivitäten untersucht, bereiten neun Prozent der österreichischen Bevölkerung eine selbstständige Tätigkeit vor oder sind bereits selbstständig. Neun Prozent der Bevölkerung, das ist beachtlich. Wer sagt, dass 20 Prozent nicht auch bei den ach so vifen, fleißigen und flexiblen Österreichern erreichbar sind?

 

 
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In einer Meinungsumfrage nach dem 11. September 2001 betrug der Prozentsatz österreichischer Neutralitätsbefürworter 80 Prozent. Zugleich gaben 75 Prozent an, sie würden nicht (!) glauben, dass unsere Neutralität Schutz gegen den Terrorismus bieten würde. Es soll sogar Umfragen gegeben haben, in denen die Mehrheit sowohl eine Beibehaltung der Neutralität als auch den NATO-Beitritt wollte.
Anton Pelinka hat die Neutralität treffend als „prominentesten Untoten Österreichs“ bezeichnet.

 
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Die aktuelle Nicht-Diskussion über eine Steuerreform macht eine erschreckende Tatsache deutlich: In den heute agierenden Politikern wirkt das Gen der alten Raubritter weiter. Dabei zeigt sich, dass nicht allein der genetische Code über Generationen hinweg bestimmend ist, sondern auch die Sprache ihre geheimnisvolle Macht ausübt.

 
Salzburg: Stadt SalzburgFlachgauTennengauPongauPinzgauLungau
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