Politik & Wirtschaft

Der renommierte Politologe Peter Filzmaier, der ehemalige SN-Chefredakteur Ronald Barazon, Wirtschaftsexperte Richard Wiens und die Unternehmerin Gertraud Leimüller über die Themen, die Österreich bewegen.

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Juni 2007 Archive

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Das Überfallen und Plündern von Reisenden stand am Anfang der Geschichte zahlreicher im Lauf der Zeit zu hehren Aristokraten mutierten Familien. Raubritter sind also lernfähig und somit ist die Hoffnung berechtigt, dass auch die modernen Raubritter, die sich als Finanz- und Verkehrsminister sowie als Umweltschützer verkleiden, lernen könnten.

 
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Die Natur muss es so eingerichtet haben, dass Frauen ein besonders dickes Trommelfell besitzen. Wäre es dünn, so wäre es bei der Lautstärke, mit der nach ihnen gerufen wird, wohl längst geplatzt. Kein Tag vergeht, ohne dass über den Facharbeiter-, Ingenieur- und Forschermangel geklagt und im selben Atemzug die Patentlösung auf den Tisch gelegt wird: Mehr Frauen braucht das Land, und zwar schnell, sonst müssen Aufträge mangels Personal abgelehnt werden und das ist jedenfalls schlecht, getreu dem Motto „Geht´s der Wirtschaft schlecht, geht´s uns allen schlecht“.

Es ist zwar richtig, dass im deutschen Sprachraum Frauen in diesen Berufen beschämend selten anzutreffen sind. Doch die Argumente, die man verwendet, sind strategisch falsch gewählt: Gerade weil Frauen als Lückenbüßer angesprochen werden, die doch bitteschön dort einspringen sollen, wo zu wenige Männer nachkommen, verweigern sie sich.

Das wäre anders, würde die Wirtschaft ihren ganzen Mut zusammennehmen und sagen, worum es wirklich geht: Unternehmen benötigen mehr Frauen, um besser zu werden. Es ist für beide Seiten lustiger und produktiver, wenn Männer und Frauen zusammenarbeiten. Das haben gerade erst wieder die Bilder vom EU-Gipfel in Brüssel gezeigt. Und sie haben auch gezeigt, dass es niemanden zum Schaden gereicht, wenn dabei eine Frau, wie in diesem Fall Ratspräsidentin Merkel, die Fäden zieht.

Reine Männermannschaften erbringen auf Dauer schlechtere Leistungen als gemischte Gruppen. Das zeigen auch die Untersuchungen in der Wirtschaft. Das liegt erstens daran, dass Frauen verdammt gut sind und in ihren Leistungen teils sogar die Männer überflügeln. Zweitens zeigen viele Studien, dass Frauen Ideen und Sichtweisen in eine Firma einbringen, die dem Markterfolg zuträglich sind, ja sogar zu besseren finanziellen Erfolgen führen. Darauf zu verzichten, wäre grob fahrlässig.

Frauen können besser kommunizieren und interdisziplinärer denken als Männer. Ihr Beitrag fördert also den Innovationsgeist. Viele Personalchefs berichten weiters, dass die bloße Anwesenheit von Frauen dem Betriebsklima gut tut. Dann reißen sich Männer eher zusammen und gehen rücksichtsvoller mit Kollegen um.

Natürlich gibt es auch jene Fälle, in denen unproduktives Balzverhalten einsetzt, sobald eine (meist jüngere) Frau den Raum betritt. Doch das legt sich nach einer gewissen Gewöhnungsphase meist wieder: Echtes Balzen kann auf Dauer sehr kräfteraubend sein.

 
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Die vermeintlich historische Tatsache, der Eiserne Vorhang sei am 19. August 1989 beseitigt worden, mag in Bild und Ton dokumentiert sein, in der politischen Realität zeigt sich deutlich:

 
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Ausländische Freunde schwärmen nach jedem Österreichbesuch über die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen. Das ist erstaunlich und ist nur durch die Kürze des Aufenthalts zu erklären. Wer länger hier lebt, entdeckt sehr rasch, dass Taxifahrer und Schalterbeamtinnen auch ein mürrisches Gesicht aufsetzen können. Und manchmal wäre einem lieber, kein Deutsch zu verstehen.

In diesem Land sind nicht bloß sonntags die Geschäfte verriegelt. Die ganze Gesellschaft gleicht einem Closed Shop: Mitreden dürfen nur jene, die sich ein akzentfreies Österreichisch angeeignet haben. Zugang zu einem interessanten Arbeitsplatz erhalten in der Regel nur jene, die sich die richtigen Freundschaften aufbauen konnten. Das lässt sich bei wichtigen Postenbesetzungen hervorragend studieren, zum Beispiel aktuell in der Asfinag und den ÖBB. Top-Leute, die von Außen kommen, haben keinen Zutritt zu dieser Welt.

 Und doch sollte man darob nicht in Depression verfallen: Mächtig sind unter den neuen Gegebenheiten nicht mehr die, die Zugriff auf Geld haben und damit Straßen bauen oder Pflegegelder verteilen können. Mächtig sind jene, die mit der rapiden Entwicklung des Wissens mithalten können.

Das gelingt aber nur, wenn man sich nicht in engen Freundeszirkeln abschottet, sondern Anschluss an die bunte weite Welt sucht. Es ist längst erwiesen, dass man über entfernte Bekannte, den sprichwörtlichen Freund des Freundes, eher einen Job bekommt als über enge Vertraute. Der Soziologe Mark Granovetter hat schon in den 70er Jahren dazu einen bahnbrechenden Aufsatz mit dem Titel „Die Stärke schwacher Beziehungen“ veröffentlicht.

Der Closed Shop steht für ein altes System, das zunehmend zerbröckelt. Das lässt sich am Beispiel privater Firmen gut verfolgen: Viele gehen dazu über, Anschluss an neue Netzwerke zu finden und suchen deshalb Mitarbeiter mit ungewöhnlicher Erfahrung und geografischer Herkunft. Selbst ur-österreichische Unternehmen machen Englisch zu ihrer alltäglichen Arbeitssprache.

In einer sich rasch drehenden Welt kehrt sich alles um. Die, die sich darauf beschränken, im eigenen Saft zu kochen, werden schwach. Die, die hinausgehen und sich trauen, anders zu sein, werden in Wahrheit stark.

 
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Und wieder weniger Babys! Da die Frauen von der Politik im Stich gelassen werden, antworten sie auf ihre Weise.

 
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Wer eine geniale Idee haben will, muss sie entweder jung haben oder er hat sie nie. Wer denkt nicht daran, dass der eigene Zug wohl schon abgefahren ist, wenn er Bilder von den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin sieht - unschuldig grinsend wie die Schulbuben und bloß in T-Shirts und Jeans auf einem Sofa lungernd? Wer kennt sie nicht, die Geschichten des kleinen Mozarts, der mit seinem Spiel die Großen verzückte?

Kreative werden immer als jung dargestellt: Manager, die frischen Wind ins Unternehmen bringen wollen, kicken Ältere hinaus und holen sich junge Uni-Absolventen an Board. Angegraute Geschäftsleute und Politiker, die sich das Image geben wollen, originell zu sein, fallen zurück in den Dresscode der Studentenzeit und treten in offenem Hemd und ohne Krawatte vor die Kamera.

Sorglosigkeit und Rebellion gegen Bestehendes mögen tatsächlich Privilegien der Jugend sein. Doch die eigentliche Fähigkeit, Neues auszudenken und dieses auch umzusetzen, ist keinesfalls auf die wilden Hippie-Jahre, sofern diese nicht ohnehin brav und angepasst verlaufen, beschränkt: Guiseppe Verdi hat mit 58 erst die Oper „Aida“ und mit 74 „Otello“ geschrieben. Galileo Galilei hat seine bahnbrechenden naturwissenschaftlichen Erkenntisse großteils erst jenseits der 50 veröffentlicht. Und Estée Lauder hat ihr Kosmetikimperium erst mit 38 gegründet und bis ins hohe Alter hinein geführt.

Was gerne übersehen wird, ist der Wert eines jahrelangen Trainings in einem bestimmten Gebiet. Man muss sich verdammt gut auskennen, damit Gehirn in seinen unendlichen Windungen zu jenen Ideen kommt, die im Nachhinein als plötzliche Eingebung dargestellt werden. Genialität sei „ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration“, wird der Erfinder Thomas Edison zitiert.

Nicht Jugendlichkeit, sondern gewisse Charaktereigenschaften, die bis ins Alter erhalten werden können, sind eine Vorbedingung für Kreativität: Hartnäckigkeit und Mut. Erfinder und kluge Unternehmer scheren sich nicht um bestehende Regeln und Muster. Sie sind bereit, Normen zu brechen und dafür auch Unannehmlichkeiten, man denke nur an Galileo Galilei, in Kauf zu nehmen.

Im Übrigen sind die Google-Boys nicht ganz so taufrisch wie sie sich geben. Einer ist schon 34, der andere wird es noch heuer.

 
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Es ist doch ein Naturgesetz: Die Fleißigen, die Mutigen werden bestraft, wer arbeitet, ist ganz offensichtlich „selber schuld“.

 
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In den nächsten Tagen findet ein Treffen der so genannten G8 statt. Das G steht zwar für Gruppe, wird aber von den Teilnehmern als Kürzel für „Große“ missverstanden. Diese Großen acht werden, wie üblich, die Probleme der Welt nicht lösen. Auf der Straße werden Demonstranten nicht verständliche Parolen skandieren. In diesem Ritual sind einander Mächtige und Ohnmächtige ähnlich.

 
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