US Diary

Redakteurin Lisa Helmreich bloggt aus Amerika.

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Der erste Tag in der US-Redaktion

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Ich bin zwar nun erst kanpp zwei Tage in der Redaktion des Philadelphia Inquirer aber zwei Dinge kann ich jetzt schon sagen: Erstens: Vieles ist ganz anders, als ich es von oesterreichischen oder deutschen Redaktionen kenne. Zweitens: Es werden tolle fuenf Wochen! 

Der offensichtlichste Unterschied ist wohl der der raeumlichen Gestaltung. Waehrend bei den SN und in den meisten anderen Redaktionen die Ressorts voneinander getrennt sind, also jedes Ressort in einem eigenen Zimmer untergebracht ist, sitzen hier in Philadelphia alle in einem riesigen newsroom. Insgesamt arbeiten knapp 300 Reporter, Fotografen, Grafiker und Korrektoren hier - eine ganze Menge! Rote Flaggen an den Saeulen kennzeichnen den jeweiligen Bereich, z. B. "Business" oder "Online" - fuer mich sehr hilfreich.
Der Geraeuschpegel haelt sich aber dennoch in Grenzen, es ist nicht so schlimm, wie ich anfangs gedacht habe.

Vom newsroom getrennt ist allerdings das editorial board. Dort werden die meinungslastigen Elemente geschrieben, also Kommentare, Glossen und Analysen und auch Berichte, in denen eindeutig eine politische Meinung bezogen oder gar ein Politiker oder eine Partei unterstuetzt wird. Der Newsroom dagegen muss unabhaengig und objektiv sein. Diese beiden Bereiche werden auch in der Zeitung klar voneinander getrennt. Fuer die Amerikaner ist es also voellig unverstaendlich, dass man bei uns einen Kommentar direkt neben einen dazugehoerigen Bericht stellt.

Im Newsroom gibt es viele leere Plaetze - ein Ergebnis der personellen Einsparungen, die das Blatt in den letzten Jahren vornehmen musste. Es wird anscheinend sogar ueberlegt, das Gebaeude zu wechseln, weil es zu gross und vermutlich auch zu teuer ist.
Ueberrascht haben mich die alten PCs - keine Flatscreens oder laptops, sondern gelbliche alte Roehrenmonitore.

Am Nachmittag habe ich dann gleich noch ein Training fuer das Redaktionssystem bekommen, etwas schwierig in englisch, aber mit der Zeit werde ich mich schon zurechtfinden. Hier schreiben die Redakteure nicht wie bei uns direkt ins Layout, sondern tippen den Text separat. Die zustaendigen editors heben es dann auf den entsprechenden Platz in der Seite.
A propos editor: Es gibt hier quasi zwei Sorten von Journalisten, die "editors" und die "reporter". Die reporter sind die, die draussen unterwegs sind und die stories als Rohmaterial in die Redaktion bringen. Karrieremaessig sind sie eher die jungen, die meistens noch nicht so lange dabeisind. Die editors sind ihnen hierarchisch uebergeordnet (daher auch meist aelter). Sie sitzen in der Redaktion und verarbeiten das, was die reporter bringen, weiter. Die meisten reporter schreiben ihre Artikel aber selbst.

Das waren grob die ersten Eindruecke von meinem Arbeitsplatz. Alle sind sehr nett und hilfsbereit, generell scheint die Stimmung untereinander recht gut zu sein - gottseidank!

 

 

 

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