Neues von Maria Zimmermann
Großbaustelle Gesundheitsreform: Damit endlich etwas weitergeht, werden alle Beteiligten Macht abgeben müssen. Der frühere dänische Gesundheitsminister Jakob Axel Nielsen brachte es in Alpbach auf den Punkt: Nimmt der Staat die Debatte über Finanzierungsprobleme nicht ernst, stehen unsere Grundwerte - etwa der, dass jeder den gleichen und freien Zugang zu Spitälern hat - auf dem Spiel. „Ernst nehmen" aber heißt verändern, wo Strukturen sich verselbstständigt haben und ohne Nutzen für die Patienten Milliarden verschlingen.
Die Gastarbeiter von einst sind statistisch gesehen schlechter ausgebildet, öfter arbeitslos und verdienen weniger. So weit die Fakten.
Werden keine Interessen beschnitten und entstehen keine Kosten, passiert etwas in der Bildungspolitik. Ein Armutszeugnis.Hurra! Gerade noch rechtzeitig vor Ferienbeginn präsentiert die Regierung eine Reform, die schon seit Jahren angekündigt war: Schüler, die in der Oberstufe einen „Fleck" haben, dürfen künftig trotzdem aufsteigen und müssen nicht die ganze Klasse wiederholen, sondern nur besagtes Fach. Erst ab vier Nicht genügend heißt es: Sitzenbleiben.
Hätten wir April, möchte man es glatt für einen Scherz halten. Aber wir haben Mitte August und ÖVP-Klubobmann Kopf meint es todernst: Er schlägt vor, die Verfassung so zu ändern, dass ein verfassungswidriges Hinauszögern der Budgetdebatte, wie es die Regierung dieses Jahr plant, nachträglich gedeckt wäre.
Die Grünen zeigen gerade mit viel Verve vor, wie eine Partei den Bach runtergeht. Anzeichen auf Besserung? Nicht in Sicht.
Und wie sie sich geändert haben: Faymann muss sich Ende der Woche vor 700 Parteigenossen der Wiederwahl stellen und will ihnen offenbar im Eilverfahren bieten, was er ihnen zwei Jahren lang vorenthalten hat: Ein erkennbares Parteiprofil. Schließlich ist der Parteitag die erste Bewährungsprobe für den SPÖ-Chef.
Als er vor zwei Jahren die roten Zügel in die Hand nahm, war sein Bonus vor allem, dass er a) nicht Alfred Gusenbauer hieß und b) beste Kontakte zum Boulevard mit ins Amt brachte. Husch husch wurde er mit 98,4 Prozent Vertrauen als neuer Chef installiert, schließlich stand eine Wahl vor der Tür, bei der es den Kanzlersessel zu verteidigen galt.
Zwei Jahre später wird Faymann nun an seinen Leistungen gemessen und die Bilanz fällt ernüchternd aus: Zwar konnte er der SPÖ das Kanzleramt retten - allerdings mit dem schlechtesten Ergebnis, das die Partei je bei einer Bundeswahl erzielt hat (und weil die ÖVP noch schlechter abschnitt). Auch sonst zeigt der Pfeil weiter stetig abwärts: Unter Faymann gab es noch keinen Wahlerfolg.
In erster Linie manifestiert sich die Schwäche der SPÖ in der fehlbesetzten Parteizentrale. Dort, wo einst große Linien vorgegeben wurden, wird die Partei nur noch verwaltet. Doch Symptome für den Zustand, in dem sich die SPÖ befindet, gibt es viele: Beispiel Graz, wo die SPÖ einst den Bürgermeister stellte und nun, vier Monate vor der Landtagswahl, im internen Machtkampf versinkt. Beispiel Kärnten, wo die SPÖ vor langer Zeit einmal Chefpartei war und nun - statt aus dem Hypo-Supergau Kapital zu schlagen - verstritten und beim Wähler abgemeldet ist. Beispiel Oberösterreich, wo nach dem Desaster bei der Landtagswahl „Oldie" Josef Ackerl (64) die Partei übernehmen musste, weil sich kein anderer fand.
Auch auf Bundesebene herrscht auf der Ersatzbank gähnende Leere. Aus Mangel an Alternativen muss Faymann also vorerst nicht um seine Wiederwahl bangen. Ob sein Kurswechsel der SPÖ die Wähler zurückbringt oder doch nur interne Kritiker besänftigt, ist eine andere Frage.



