O Bioland Österreich! Man mag nicht glauben, was sich da im Handel mit Biogetreide abspielt. Da scheinen alle Dämme gebrochen. Woran soll man noch glauben? Und wem? Die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche steht auf dem Spiel.
O Bioland Österreich! Man mag nicht glauben, was sich da im Handel mit Biogetreide abspielt. Da scheinen alle Dämme gebrochen. Woran soll man noch glauben? Und wem? Die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche steht auf dem Spiel.
Noch vor wenigen Monaten hieß es „Bio sucht Bauer". Und nun das - Absatzschwierigkeiten da und dort, Verkaufsrückgänge, Überangebot, Druck auf die Preise. Nicht wirklich Besorgnis erregend zwar, aber Zeichen dafür, dass in der Bio-Landwirtschaft mit einem Mal ein anderer Wind weht.
„Wieviel Bio brauche ich wirklich?" fragen sich Konsumenten angesichts der Preise immer öfter und greifen statt zum Bio-Ei lieber zum gewöhnlichen Freiland-Ei, das, wiewohl teuer genug geworden, immer noch billiger ist. Und die Produkte aus der Bergbauernmilch beim Diskonter sind nicht nur billiger, sondern ohnehin praktisch Bio - nur halt ohne Brief und Siegel. Sagt doch sogar der Herr mit dem Rauschebart, der einstige Bio-Papst.
Der Diskonter Hofer spielt mit der Marke „zurück zum Ursprung", für die biologische Produktion kein Muss ist, bereits geschickt in diesem bislang leeren Raum zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft. Im Herbst kommt mit „gut so" eine weitere Marke auf den Markt, die ganz bewusst auf das Etikett Bio verzichtet und andere Produktmerkmale in den Vordergrund stellt.
Da müssen die Biobauern auf der Hut sein, ist es doch für sie mitunter schon schwierig genug, sich von der ganz normalen heimischen Landwirtschaft abzugrenzen, die kaum etwas mit industrieller Produktion am Hut hat und bei den Konsumenten hoch geschätzt wird.
Da kann das Profil und damit die Abgrenzung zu anderen Produktionsweisen gar nicht scharf genug sein.
Es wird schon ein gutes Stück Taktik dabei sein, wenn der Handel vor übertriebenen Preisvorstellungen und den immer größeren Abständen zu den Preisen konventioneller Produkte warnt. Aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nicht nur bei Eiern und Geflügel. Auch bei Getreide, dem für alle Bio-Sparten zentralen Markt. Die Preise dort werden in die Höhe lizitiert, während sie im konventionellen Bereich sinken. Damit wird Biofutter noch teurer und die Bio-Tierhalter werden es noch schwerer haben, sich gegen die konventionelle Konkurrenz zu behaupten.
Zu Mittag ging nichts mehr. Die Internetseite, auf der die AMA seit Montag 8.00 Uhr die Ausgleichszahlungen für die Landwirtschaft veröffentlicht, war nicht mehr zu erreichen. Ein Indiz dafür, dass die Zahlen für viele interessant sind.
Das verwundert nicht. Denn erstmals ist Schwarz auf Weiß nachzulesen, wie viel jeder Agrarbetrieb und jeder Bauer in Österreich an Förderungen bekommt - von den 6,7 Mill. Euro für den Red-Bull-Abfüller Rauch bis zu den 33 Cent für eine steirische Bäuerin.