Standpunkt

Ausgewählte Kommentare aus der SN-Redaktion zu den Themen des Tages.

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Neues von Hans Gmeiner

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Die durchaus verständliche Sorge um die Sicherheit unseres Essens ist längst zu einer Hybris geworden, die grenzenlos wuchert und immer mehr Geld verschlingt.
 
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Jetzt also auch die Masthühner. Nach den Kühen und den Legehennen kommt bald auch bei ihnen nur mehr Schrot aus GVO-freiem Soja ins Futter. Österreich ist damit international Vorreiter. Toll eigentlich.

 
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Nur Wärter im Agrarmuseum?

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Der Strukturwandel in der heimischen Landwirtschaft wird zu einem Thema für die Selbstversorgung Österreichs mit Nahrungsmitteln. Längst geben nicht nur Kleinbetriebe in schlechten Lagen auf. Am stärksten ist der Rückgang der Zahl der Bauern in den guten Produktionsgebieten und mit an sich guten Produktionsvoraussetzungen, wo sie zumeist auch entsprechende Mengen produzierten.

 
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Drei Bauern, respektive deren Meinungen, unter einen Hut zu bringen gilt gemeinhin als unmöglich. Die Agrarförderungen so zu gestalten, dass sie von allen Bauern als gerecht empfunden werden, muss demzufolge ein nachgerade herkulisches Unterfangen sein.
Zu beneiden ist die Agrarpolitik nicht. Und zu bemitleiden schon gar nicht.
 
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Simmering gegen Kapfenberg, ließ uns schon Helmut Qualtinger wissen, das sei Brutalität. Er kannte damals die Usancen in der heimischen Biogetreide-Branche nicht. Dort ging es in den vergangenen Jahren zu, wie nirgendwo in der Landwirtschaft. Mit Vehemenz verteidigte ein kleiner Klüngel von selbst ernannten Bio-Pionieren aus Land- und Futtermittelwirtschaft, zu denen auch der Salzburger Raiffeisenverband als Gesellschafter der Agentur für Biogetreide gehört, mit Zähnen und Klauen und mitunter äußerst fragwürdigen Mitteln ihre Pfründe -  ungeachtet jeder Marktentwicklung.
 
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Gruselthema ohne Schrecken

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Die Verfütterung von Tiermehl soll wieder erlaubt werden. Ein Gruselthema? Mitnichten - zumal dann, wenn es so kommt, wie es derzeit diskutiert wird. Man ist sich in agrarischen Kreisen und in Brüssel der Sensibilität des Themas bewusst und hat vor, alle Vorsicht walten zu lassen. Mit Wiederkäuern, also Rindern, will man sich erst gar nichts anfangen, da wird das Verfütterungsverbot nicht angegriffen.

 
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Auf den ersten Blick mag den Tierschützern, der Volksanwaltschaft und den Plänen von Gesundheitsminister Alois Stöger, die Kastenstände in der Schweinezucht zu verbieten, zuzustimmen sein. Aber nur auf den ersten Blick.

 
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Fast jeden Tag kommen neue Alarmmeldungen, die vor unerschwinglichen Nahrungsmittelpreisen, Knappheit, Hunger und Aufständen warnen. Die Situation ist angespannt. Unvermindert zeigt die Preistendenz nach oben.
 
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Die Gier nach billigen Lebensmitteln sorgte dafür, dass man sich weltweit vor einem einzigen Futtermischer fürchten muss.

 
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Die Landwirtschaft zählt zu den Branchen mit den höchsten Produktivitätszuwächsen. Angesichts günstiger Lebensmittel freut das die Konsumenten, die Bauern freilich haben nichts davon. Sie sind Opfer ihrer eigenen Tüchtigkeit. Immer höhere Produktionsleistungen und immer niedrigere Preise halten sie einer Abwärtsspirale fest.
 
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Den kleinen Bauern, so tönt es von allen Seiten, muss mehr geholfen werden. Das ist gar nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick ausschaut. Die Preise sind zu niedrig, die bäuerlichen Betriebe in Österreich meist zu klein, um Agrarprodukte wirtschaftlich zu erzeugen. Das macht es schwierig, die Agrargelder, auf die die Bauern angewiesen sind, auf die Höfe zu bringen. 
 
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Notwendigkeit und Chance

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Die heimische Milchwirtschaft galt über Jahrzehnte als Inbegriff wirtschaftlicher Behäbigkeit. Abgeschottet durch ein planwirtschaftliches System, das einer geschützten Werkstätte glich, verarbeitete man Milch die niemand brauchte, zu Produkten, die niemand wollte.
Das hat sich inzwischen geändert. Heimischer Käse und all die anderen Produkte, die die Molkereien erzeugen, können sich auch international sehen lassen.
 
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Die Bauern sind in diesen Tagen wieder einmal das, was sie am wenigsten wollen. Sie sind zum Spielball geworden. Geldverschwendung, Absahnerei und Ineffizienz wird der Landwirtschaft vorgeworfen, das ganze Förderungssystem an den Pranger und als unsinnig  hingestellt und eine Umverteilung der Mittel eingemahnt.
 
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Die hohe Abhängigkeit von Förderungen macht die Bauern zum politischen Spielball.

Gern versuchen vorzugsweise Menschen, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben, die Bauern gegeneinander auszuspielen. Die so beliebte wie falsche Methode dabei, der sich zuletzt auch Staatssekretär Schieder bediente: Man verwechselt Agrar- mit Sozialpolitik, mischt reichlich vorhandene Zahlen durcheinander und heizt die Diskussion Groß gegen Klein an. Dabei hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Gelder aus den Agrartöpfen gibt es als Unterstützung auf Märkten, die geöffnet wurden zur Förderung von Bewirtschaftsformen, als Entschädigung für Bewirtschaftungserschwernisse und für Umweltprogramme. Aber nicht aus sozialen Gründen wie Bedürftigkeit oder Notsituationen.
 
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Österreichs Landwirtschaft setzt auf hohe Qualität. Entsprechend streng sind die Vorschriften. Nur so, lautet die Idee, können sich auch die zumeist kleinen österreichischen Bauern gegen die internationale Konkurrenz behaupten und mehr Geld für ihre Produkte bekommen. Die Landwirtschaft fuhr bisher nicht schlecht damit. Mittlerweile steht diese Strategie freilich unter großem Druck. Es wird immer schwieriger, die für die aufwändige Produktion nötigen Preise zu bekommen. Selbst Bio kann sich in vielen Bereichen kaum mehr preislich von konventioneller Ware absetzen.
 
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Die Preisschlacht im Lebensmittelhandel zieht immer weitere Kreise. Jetzt stimmen auch die Biobauern in das Klagelied ein. Sie können sich dem Preissog nicht entziehen. Wird der Preisabstand zwischen biologischer und konventioneller Ware zu groß, bleibt die Bioware liegen.

 
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Dass nun auch der Handel selbst unter den Preisschlachten leidet, ist die Chance, der Vernunft eine Chance zu geben. Die Preisschlacht bei Lebensmitteln hat eine Dimension erreicht, die auch dem Handel selbst an die Substanz geht. Die Branche schüttelt über sich selbst den Kopf. „Eigentlich kann man sich das nicht leisten", räumt man hinter vorgehaltener Hand ein. 
 
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Heuer rutschten die Agrarpreise so weit nach unten, dass die Bauern praktisch nur mehr von den Ausgleichszahlungen leben müssen, weil ihnen nichts mehr bleibt. Dabei sind ihnen die - viele mögen das wohl nicht glauben - eigentlich zutiefst zuwider. Gute Preise für ihre Produkte wären den Bauern viel lieber. Das aber spielt es nicht. Stattdessen fahren die Preise Achterbahn, wächst der Druck auf den Märkten, werden die Preisschlachten im Handel immer heftiger, wird das Verhalten der Konsumenten immer unberechenbarer.
 
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Also wieder - Milchlieferstreik. Mehr sogar noch - Bauernaufstand.
Die „Guerilleros" von der IG-Milch, als die sie sich neuerdings sehen, legen sich die Latte hoch und gehen aufs Ganze.
 
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Der Bioboom ist für die Bauern zwar immer noch eine Erfolgsstory, dass er ins Stocken geraten ist, ist aber nicht mehr zu übersehen. Die Krise zeigt der Biolandwirtschaft die Grenzen auf. Wo der Preisabstand zu konventionellen Produkten zu groß wird, geht der Konsum sofort zurück. Erst recht in schlechten Zeiten.