Die Auftritte und das Gerede von Klaus ändern nichts daran, dass fast zwei Drittel der Tschechen in der EU-Mitgliedschaft ihres Landes Vorteile sehen. In Österreich taten das im Herbst 47 Prozent, im Frühjahr 2008 gar nur 36 Prozent.
Vor 30 Jahren wurden erstmals Abgeordnete zum Europäischen Parlament direkt gewählt - im Juni ist es wieder so weit und in Österreich und Tschechien wird man ebenso wie in Irland sehen, ob es den EU-Skeptikern und Gegnern gelingt, aus der Wahl eine Abstimmung über den Lissabon-Vertrag zu machen.
Vor dem französischen Vorsitz herrschte in Brüsseler EU-Kreisen und so manchen Staatskanzleien weit mehr Sorge als jetzt - von der Arroganz der Franzosen und von mangelnder Vorbereitung war die Rede. Die erfolgreiche Krisendiplomatie von Nicolas Sarkozy und die Einigung auf das EU-Gesetzespaket zum Klimaschutz haben hier einiges überdeckt. Daher haben die Tschechen wenige Chancen, eigene Akzente zu setzen.
Ihnen bleibt dort die Detailarbeit, wo
unter französischem Vorsitz nur erste Ideen in die Manege geworfen wurden.
Der wohl vorbereiteten Regierung in Prag bleibt mangels einer historischen Achse wie zwischen Paris und Berlin nichts anderes übrig, als ihre Rolle auf die eines Vermittlers zwischen den 26 anderen EU-Ländern anzulegen. Das wird zuallererst im Grenzstreit zwischen Slowenien und Kroatien nötig sein. Am besten kann Kroatien seinen nördlichen Nachbarn aber den Wind selbst aus den Segeln nehmen, wenn es nötige Reformen - vom Umbau der Justiz bis zur Privatisierung der Werften - rasch umsetzt. Je weiter Kroatien kommt, desto stärker gerät Slowenien unter Druck der anderen EU-Staaten, seine Blockade aufzugeben.
Wenn statt Pariser Pomp nun böhmische Hausmannskost auf den Tisch kommt, wird Europa nicht automatisch auf Diät gesetzt.

