Norbert Darabos will zeigen, dass das Heer ohne Wehrpflicht auskommt. Diesen Beweis können seine Pilotversuche nicht erbringen.
Die Bevölkerung ist in der Frage der Wehrpflicht gespalten.Der Koalitionspartner verweigert die Gefolgschaft. Selbst aus den eigenen Reihen der SPÖ gibt es kritische Stimmen zu Norbert Darabos' Berufsheerplänen.
Trotzdem lässt der Verteidigungsminister jetzt im Bundesheer drei Pilotprojekte durchführen, um seine Ziele zu verwirklichen. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein Teil der ministerialen Projekte schon seit langem von deklarierten Darabos-Kritikern verlangt wird. Die Offiziersgesellschaft beispielsweise fordert vehement das Ende des Systemerhalter-Unwesens im Bundesheer. Rekruten sollten nicht in der Küche stehen oder den Rasen in der Kaserne mähen, sondern als Soldaten ordentlich ausgebildet werden; jetzt werden 350 Systemerhalter zur Truppe verschoben.
Der Einsatz von Milizeinheiten bei Naturkatastrophen ist eine alte Forderung des Milizverbandes; jetzt werden zwei Pionierkompanien genau dazu herangezogen und mit einer Prämie aufgewertet.
Und, um auch noch den dritten Punkt aus den Pilotprojekten aufzunehmen: Ein für den Auslandseinsatz vorgesehenes Bataillon wird endlich an einem Standort, nämlich in Klagenfurt, konzentriert. Bisher waren solche Verbände über halb Österreich verstreut.
Für sich betrachtet bewirken die Projekte durchaus Positives. Allerdings will Norbert Darabos damit auch beweisen, dass das Bundesheer in Österreich ohne Wehrpflicht funktionieren kann. Dazu taugen diese drei Pilotprojekte nicht.
Mit ihnen lässt sich lediglich beweisen, dass das Heer in der Lage ist, 350 von jährlich 24.000 Grundwehrdiener umzuschichten, Kaderarbeitsplätze in Klagenfurt zu konzentrieren und zwei (bereits existierende) Milizeinheiten intensiver üben zu lassen.
Die wichtigste Frage, ob in Österreich jemals genug qualifiziertes Personal für ein Berufsheer zur Verfügung stünde, kann das Projekt nicht beantworten. Alle Berufs- und Milizsoldaten, die daran teilnehmen, kommen aus der Allgemeinen Wehrpflicht. Nicht einmal die Kosten, die ein Wegfall von Wehrdienern verursacht, sind derzeit abschätzbar. Klar scheint nur eines: Es wird teurer, selbst wenn man nur 350 Systemerhalter abbaut.
Damit stellen sich Darabos' Pilotversuche an das Ende einer langen Reihe von unausgegorenen Reformen, Strukturanpassungen und Konzepten, die seit über 20 Jahren auf das Bundesheer niederprasseln. Müsste sich ein Verteidigungsminister fragen, ob das Bundesheer gestärkt aus seiner Amtszeit hervorgegangen sei, müssten das viele Minister der Zweiten Republik verneinen. Vermutlich auch Norbert Darabos.




Eine österreichische Kuriosität: Ein ehemaliger Zivildiener fängt als Erwachsener mit dem "Soldatenspielen"an, was andere im Bubenalter zurückgelassen haben. Er versteht nichts vom Militär, will aber unbedingt irgendwo Minister sein. 350 Mann umzuschichten ist normalerweise Aufgabe eines Bataillonskommandanten. Das ist Österreich: was anderswo ein Hausmeister macht, dazu braucht es bei uns einen Stadtrat, oder einen Minister. Man soll den Entacher zum Minister machen und den Darabos zum SPÖ-Obmann in ... wo ist er schnell daheim.. irgendwo in einem burgenländischen Dorf.
Jeder soll am richtigen Platz sein, wo er seine Fähigkeiten (die jeder Mensch irgendwo hat) einsetzen kann.