Auch wenn andere in Sorgen und
Krisen ertrinken, wir leben in der Idylle und jammern übers Wetter.
Triple
A, Schuldenbremse, Eurokrise - wir können es schon nicht mehr hören. Diese
Themen füllen zwar die Zeitungsspalten und Nachrichtensendungen, doch wer auf
der Straße, im Kaffeehaus und im öffentlichen Verkehrsmittel die Ohren
aufstellt, bekommt zu hören, was die Leute wirklich berührt, beunruhigt oder
gar erzürnt.
Sechs
Wochen vor Weihnachten liegt nirgendwo auch nur das kleinste Fuzerl Schnee. Die
Liftbetreiber und die Fremdenverkehrswirtschaft denken über die Verschiebung
ihrer Ski-Openings nach. Wegen der Inversionswetterlage ist es zwar im Tal und
in den Städten kalt und trüb und trist, doch oben im Gebirge scheint die Sonne,
und milde Temperaturen verhindern die Produktion von Kunstschnee.
Und
schon hört man sie wieder, die Wissenden, die mit ernstem Gesicht den „Beweis
für die Klimaerwärmung" registrieren. Denn so wenig Schnee und so viele
Sonnentage hat's ja noch nie gegeben um diese Jahreszeit. Ganz ehrlich, hätte
es im Oktober einmal einen halben Meter Schnee gegeben, dieselben Wissenden
hätten mit einem höhnischen Lächeln festgestellt, dies sei der „Beweis, dass
der ganze Klimawandel ein Schwindel und Humbug" sei. Wenn das die
Klimaerwärmung sei, so brummen die Wissenden, dann möchte man nicht wissen, wie
eine moderne Eiszeit aussähe.
Wir
beklagen, es sei zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken; wir sehen zu viel
Schnee oder zu wenig; der Wasserstand von Salzach, Inn und Donau macht uns
Sorge, ganz gleichgültig, wo er sich gerade befindet. Und lange Perioden von
Schönwetter im November treiben uns wegen des Föhns ebenso die Wände hoch wie
uns zwei Wochen Dauerregen in den Trübsinn drängen. Und immer ist jemand
anderer schuld, gibt es eine andere Erklärung für die „Schrecken" des Wetters.
Zur Zeit unserer Großmütter war es „der Atom", später der saure Regen.
Hauptsache,
wir haben selbst in der Idylle, in der wir leben, Grund zur Unzufriedenheit,
zum Jammern und Klagen. Dabei greifen wir nicht auf, was wir verändern könnten.
Dies brächte uns ja in die peinliche Verlegenheit, aktiv zu werden. Viel lieber
kritisieren wir, was ohnehin unabänderlich ist.
Andere
mögen sich um den Euro sorgen und um die griechischen Schulden, um die Menschenrechte
in aller Welt. Wir im glücklichen Österreich reden viel lieber übers Wetter.




Genau so ist es. Genau so wird geredet. Gut dass ein SN Redakteur das in einem Leitartikel ausspricht. Und nun bitte auch noch ein Kommentar zu Parteien die Gegenleistungen zur Zustimmung zu einer längst überfälligen Schuldenbremse fordern. Wir lästern über Griechen und Italiener, und leben selbst über unsere Verhältnisse. Und auf Kosten unserer Kinder.