Einzelne Funktionen von Kommunen kann und soll man zusammenlegen. Die Gemeinden selbst jedoch nicht.
Wer mit offenen Augen durch das Land fährt, sieht die stummen Zeugen falschen Kirchturmdenkens in Gemeindestuben überall. Es gab einmal eine Zeit, da musste jedes Dorf, das auf sich hielt, ein eigenes Hallenbad haben. Heute sind die meisten davon entweder Bauruinen oder sie sind umfunktioniert in Turnsäle und Probenräume für Musikkapellen.
Aus solch teuren Eigensinnigkeiten, denen wir auch massenhaft Recyclinghöfe, Seniorenheime oder Feuerwehrzeugstätten zu verdanken haben, abzuleiten, dass die Kleingemeinde als politische Verwaltungseinheit nichts taugt, ist falsch.
Der momentane Trend zur Zusammenlegung von Kommunen in der Steiermark oder in Oberösterreich geht vom Ansatz aus: „Aus zwei, selbst drei mach eins, und alles wird gut." Dabei wird kaum Geld eingespart. Das Gegenteil ist der Fall. Neue bürokratische Kunstgebilde, die von den Bürgern nicht angenommen werden, kosten viel. Es wäre besser, nicht einzelne Gemeinden zusammenzulegen, dafür jedoch bestimmte Aufgabenbereiche.
Es ist sinnvoll und günstig, wenn Gemeinden gemeinsam eine Kläranlage bauen, die Müllabfuhr betreiben und das überregionale Seniorenheim errichten. Auch Verwaltungsdienstleistungen wie das Meldewesen oder das Standesamt lassen sich gut gemeinsam führen. Dazu ist es nicht notwendig, gewachsene Einheiten auszuradieren und dafür künstliche zu schaffen.
In einer Zeit der Globalisierung sehnen sich die Menschen nach einer Gegenwelt zum Anhalten, mit überschaubaren Einheiten, mit Umgebungen, die sie noch verstehen und begreifen. Sie sehnen sich nach Heimat und finden sie oft in den Gemeinden. Diese sind Identitätsstifter. Die Bürger haben ein besonderes Naheverhältnis zu ihnen.
Im deutschen Bundesland Hessen hat in den 70er-Jahren ein Ministerpräsident versucht, aus zwei eigenständigen Städten eine neue zu schaffen. Gießen und Wetzlar wurden zur Stadt Lahn erklärt. Der Spuk dauerte 31 Monate. Auf Betreiben der Einwohner wurde die künstliche Stadt, die niemand wollte, wieder aufgelöst. Die verantwortlichen Politiker wurden abgewählt.




Ein selten kluger Kommentar aus Journalistenmund. Hätte man gerne öfter.
Herr Peterer ich kann Ihrerem Kommentar nicht beipflichten, denn die Erfahrung hat gezeigt, daß die meisten "Gemeinekaiser" nicht bereit sind, mit dem Nachtbarkaiser zu kooperieren, besonders wenn dieser einer anderen Partei angehört, auch glaube ich nicht, daß die heutigen Jungen , die Gemeinde als Heimat begreifen; ich glaube diese Zeiten sind zum Glück vorbei, die meisten Gemeinden sind heute nur noch Wohnstätten, arbeiten und einkaufen geschieht woanders.Darum ist es richtig verschiedene Klein -Gemeinden zusammen zulegen und dadurch Kosten zu sparen. Die kleinkarierten Grundstrukturen gehören geändert, das beginnt eben in den Gemeinden.
Europäer,
wie so oft, wird auch in diesem Fall die Lösung nicht im entweder oder sondern im sowohl als auch liegen.
Bürger, die ihre Gemeinden zusammenlegen und/oder zusammenarbeiten lassen wollen, sollen das können. Bürger, die ihre Gemeinden nicht zusammenlegen und/oder zusammenarbeiten lassen wollen, sollen das auch können (siehe Schweiz).
Sowohl entscheiden als auch bezahlen sollen das die Betroffenen selbst. Warum soll immer ganz Österreich für die Fehlentscheidungen korrupter, unfähiger, verfassungsbrüchiger Politiker einstehen? Nur weil es vielen unmittelbar Betroffenen an Mut zur Information, Veränderung und Zivilcourage mangelt?
Sehr geehrter Herr Perterer!
Sie reihen sich - sozusagen nahtlos und unauffällig - in die Riege der typischen Österreicher ein: Sparen, ja selbstverständlich. Aber nach dem bewährten Floriani-Prinzip immer nur bei den anderen!
Mit genau dieser Methode wird es bei uns weitergehen wie in den letzten 40 Jahren, so lange, bis es uns ähnlich geht wie den Griechen, Portugiesen, Italienern, .....
Ich frage mich, wie das in den 70ern im angrenzenden Bayern funktioniert hat. Dort wurden damals sowohl Gemeinden/Städte als auch Landkreise reformiert und zusammengelegt und auf diesem Weg halbwegs sinnvolle Größenordnungen von Verwaltungseinheiten geschaffen. Als Anrainer einer betroffenen Region habe ich nicht den Eindruck, dass dort die einzelnen Dörfer, Vereine und sonstigen Organisationen und die Bevölkerung ihre Identität verloren haben!
richtig Herr Danner, aber über den Tellerrand zu schauen, ist nicht eben die Stärke der Österreicher; so haben wir es immer schon gemacht und so machen wir es auch die nächsten 1000 Jahre weiter.
Sehr geehrter Herr Dr. Perterer, danke für den guten Beitrag. Allen Freunden von Gemeindezusammenlegungen darf ich zu bedenken geben, dass dieses Modell fußend auf dem Chicagoer Wirtschaftsansatz (Fachausdruck: "economy of scale") bereits in der Privatwirtschaft versagt hat, wir erleben dies alle laufend die Konsequenzen, in der herrschenden Wirtschaftskrise. Es gibt keine Belege werde praktischer, noch theoretischer Art, dass die Effektivität von kleinen Einheiten gestärkt würde wenn man diese zu Großaggregaten zusammenkompriemiert. Im Gegenteil es gibt wissenschaftliche Untersuchungen (Universität der Bundeswehr in München), dass dies schädlich wirkt, Gemeinde ist eben mehr als die arithmetische Summe ihrer EinwohnerInnen.
IKZ´s haben ihren Stellenwert, den man aber auch nicht überbewerten darf, wie so viele der Moden im sogenannten New Public Management. Praktisch gesagt: spätestens wenn der Schneepflug in der Nachbargemeinde gesichtet wird hört sich für die örtlichen Bürger ein dbzgl. Denken auf.
Doch, Heimat ist auch bei der Jugend, oder gerade bei ihr sehr positiv besetzt und wird keinesfalls nur als "konservativ" gesehen.
@ebner. Teilweise gebe ich Ihnen recht. In größeren Städten sind meistens die Bezüge der Bediensteten dann höher und werden auch oft insgesamt mehr eingestellt. Kleinere Einheiten sind doch überschaubarer. Bei Altersheimen "kaufen " sich derzeit auch schon Orte gewisse Plätze in andere Orte "ein". Entsorgung läuft weitgehend koordiniert über Verbände. Aber gewisse Synergieeffekte gäbe es schon. Man kann das Thema sicher nicht generalisieren. Wo es sinnvoll ist von der räumlichen und Infrastruktur kann es Sinn machen oder auch keinen.
Alles soll mit Hausverstand geschehen: Funktionierende Gemeindezusammenlegungen hat es früher auch schon gegeben; ich erinnere an die Gemeinden Thalgauberg und Thalgau, die zu Thalgau zusammengeschlossen wurden, oder ein Beispiel aus Niederösterreich: Etzdorf -Heitzendorf früher zusammengeschlossen und dann vor einigen Jahren auf Grafenegg umbenannt. Ein nichtfunktionierendes Beispiel nannte Herr Perterer mit Lahn im Bundesland Hessen. Ein gut gelungerer Zusammenschluss erfolgte dagegen z.B. wieder im Allgäu mit Weiler und Simmerberg.
Mit von "oben" verordneten Zusammenlegungen wird man ohnehin nur Unfrieden stiften; derartiges muss von unten wachsen.
Wenn eine ganze Gemeinde ihre Identität in einem bestimmten Autokennzeichen begründet versteht, wenn ein Mensch seine Identität nur daher ableitet, Bürger einer Gemeinde zu sein, kann man bestenfalls des Kopf schütteln. Mickrig, sehr mickrig! Was ist das für eine Persönlichkeit, die mit der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde steht und fällt? Und wenn der einmal übersiedelt oder gar auswandert, ist er/sie dann niemand mehr, eine Unperson sozusagen.
Sind diese Dinge erst einmal klar gestellt, kann nüchterner über Ortszusammenlegungen und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile nachdenken; wohlgemerkt: die j e w e i l i g e n !
Bei den "Speckgürteln" großer Städte wachsen die Ortschaften längst immer mehr zusammen. Dass z. B. Brunn in Maria Enzersdorf und dieses anschließend nahtlos in Mödling übergeht, ist nur mehr an den Ortstafeln erkennbar - und den BewohnerInnen ziemlich egal.