Es gibt Wichtigeres als eine Debatte über den Text der Bundeshymne. Dennoch tut die Diskussion Österreich gut.
Jeder von uns kennt Momente, in denen die österreichische Bundeshymne gespielt wird. Meistens sind es große Sportveranstaltungen, bei denen Fußball-Nationalmannschaften auflaufen, Formel-1-Champions das Podium erklimmen oder betagte Funktionäre Olympiasiegerinnen die Goldmedaillen umhängen. Die Hymne wird auch angestimmt, wenn der Bundespräsident Festspiele eröffnet, oder zum Nationalfeiertag die Botschaft in Brüssel alle Auslandsösterreicher zu einem Umtrunk einlädt.
Hymnen werden gerne als unzeitgemäßes Brimborium bespöttelt. Manchen von uns ist es sogar peinlich, wenn wir die Hymne bei offiziellen Anlässen laut mitsingen sollen. Erstens weil wir den Text kaum kennen, und zweitens weil wir nicht gut singen können.
Und dennoch werden Hymnen, vor allem die Bundeshymne, auch ernst genommen. Das beginnt damit, dass sich die Menschen von ihren Plätzen erheben, wenn die Mozart-Melodie erklingt, und dass sie die Kopfbedeckung abnehmen. Uniformierte stehen Habt Acht. Hans Krankl fasst sich sogar ans Herz.
Natürlich hat Österreich andere Sorgen als die gendergerechte Textierung seiner Bundeshymne: der Euro geht den Bach runter, Griechenland braucht schon wieder Geld, die Pensionen müssen endlich gesichert werden, die Schulden des Staates steigen. Alles Probleme, die den vollen Einsatz unserer Politiker bräuchten.
Es ist keine Schande, sich neben den dringenden und wichtigen Fragen unserer Gesellschaft auch solchen zu widmen, die die Menschen bewegen. Die Frage der Hymne ist auch deshalb so spannend, weil wir alle mitreden können. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen damit, jede ihre eigenen Bilder dazu im Kopf. Die Hymne ist so wie die Fahne und das Wappen ein Symbol unserer Republik. Sie hat auch einigende Kraft. Sie ist über die Jahrzehnte zur musikalischen Botschaft Österreichs geworden. Und sie ist, auch wenn manche noch der alten Kaiserhymne nachtrauern, vielen Menschen ans Herz gewachsen, auch wenn es nicht alle zugeben möchten.
Wie die Debatte über die „Töchter,Söhne" ausgeht, ist nicht so wichtig. Es geht um die einigende Kraft der Bundeshymne. In einer Zeit, in der zunehmend das Trennende im Vordergrund steht, tut eine solche Diskussion Österreich ganz gut. Das Land braucht solche Auseinandersetzungen, an denen sich alle beteiligen können und nicht nur ein paar Experten.




reinhard.horner@chello.at
Diskussion für alle - aber auf welchem Niveau!
Diese Änderung brauchen wir so dringend wie einen Kropf. Den Werden wir also bekommen. An sich ist das wurscht, sprachlich überflüssig und keiner Aufregung wert.
Staatssymbole haben stets mit besonderen Momenten der nationalen Entwicklung zu tun, insbesondere mit Wendepunkten. Wie eben auch in Österreich etwas verzögert 1945. In der Regel entfalten die Symbole starke Kontinuität.
Nicht nur, aber speziell in Österreich haben manche Leute ihre Schwierigkeiten mit der unverkürzten und unverbogenen Wahrnehmung der Fakten der Geschichte, aus der wir in unserer Gegenwart zukunftsweisendes Fortschreiten unternehmen. Manche Leute möchten dementsprechend auch die Staatssymbole zeitgeistigen Wandlungen unterziehen.
Nun wird ins Treffen geführt, etwas Wichtiges für die Frauen zu tun und, wie auch beteuert wird, nichts gegen die Männer zu beabsichtigen. Es liegt jedoch der zweifache Verdacht nahe, es handle sich lediglich um eine Alibiaktion gegenüber den anstehenden wesentlichen und wichtigen Problemen oder um eine Verdeckung anderweitiger Absichten.
Frau Rauch-Kallat wird aktuell ein großer Erfolg zugeschrieben. Die seinerzeitige Initiative von Frau Heide Schmidt soll wohl der Vergessenheit anheimfallen. Nicht in Vergessenheit geraten dürfte, wie die Bildungs-, Kunst- und Kulturministerin Claudia Schmied in der gut bezahlten Rockversion für die großen Töchter die Zeile „Volk, begnadet für das Schöne“ verschwinden ließ.
Bei Frau Rauch-Kallat mit ihren Helferinnen und den ungewollten Helfern aus dem ÖVP-Klub fällt nicht nur das beiderseitige pubertäre Verhalten auf. Von diesen Figuren wurde ein Beispiel geliefert, wie sich Politik hinterhältig öffentlichkeitswirksam betreiben lässt.
Bei Frau Rauch-Kallat darf obendrein nicht überschwiegen werden, dass sie via ORF verkündet hat, sie wolle die Männer nur „zu subalternen Diensten“ haben. Abgesehen davon, dass sie es hierbei verabsäumt hat, sich bei demjenigen ihrer Männer zu bedanken, der ihre politische Karriere in die Wege geleitet hat, hat sie mit ihrer Äußerung eine Haltung öffentlich gemacht, aus der erheblich andere als nur positive Absichten verfolgt werden können. Das Vorbild, das Frau Rauch-Kallat liefert, ist keinesfalls das einer nachahmungswürdig erfolgreichen Strahlefrau. Ganz im Gegenteil, es überwiegt das Erbarmungswürdige.
In Zukunft werden wir es vermutlich noch mit weiteren Angriffen auf Worte und mit ihnen verbundene Werte in unserer Bundeshymne zu tun bekommen. Achten wir darauf, dass die dritte, die wertvollste Strophe unserer Bundeshymne nicht verhunzt wird, sondern verbreitet in Gebrauch kommt.
Im Übrigen hat uns Deutschland mit der dritten Strophe vom „Lied der Deutschen“ als Staatshymne diesbezüglich ein gutes Beispiel gegeben: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand! Blüh im Glanze dieses Glückes! Blühe deutsches Vaterland!“. „Vaterland“ und „brüderlich“, was die großen, auch die kleinen Mütter und Schwestern keineswegs aus-, sondern sprachlich einschließt.
Machen wir uns keine Illusionen: Der schwelende und immer wieder aus besonderen Interessen, bisweilen vielleicht auch aus Langeweile entfachte Geschlechterkampf hat noch einen langen Weg zu einer vernünftigen Austragung zurückzulegen. Für diese notwendige Versachlichung und Verredlichung (!) sollten wir jede mögliche Gelegenheit ergreifen.
Der Euro kracht, die Menschen stürmen die Banken und Sie finden, "dass die Diskussion Österreich gut tut". Ja, als Ablenkungsmanöver, vielleicht. Aber auch nur vielleicht, denn die Bürger sind nicht so dumm: Die SN-Umfrage ergibt, dass 90% eine Änderung ablehnen. Nehmen Sie als Demokrat dies endlich zur Kenntnis und beglücken Sie Ihre Leser mit Wichtigerem, z. B. ob wir eine parlamentarische Monarchie wie in England, Holland, Schweden, ... haben wollen. Die Anteilnahme rund um Habsburgs Tod zeigt wohl, dass der Kaiser beliebter ist als der BP.
Herr Chefredakteur,
bitte wo ist da die von ihnen festgestellte "einigende Kraft"
bei der patscherten und unnötigen Diskussion über eine Textänderung unserer Bundeshymne?
Doppeldeutig, aber jedenfalls passend (Musik einerseits, Fußballreporter und -spieler andererseits):
"Heimat bist Du großer Töne",
und das Gender-Problem ist gelöst.
Gerade in unseren Tagen gäbe es Wichtigeres als die Bundeshymne-Debatte! Wenn schon eine Änderung angestrebt wird, so soll dies wirklich auf Grund breiter Zustimmung geschehen. Zum Beitrag in den SN vom 16.7., S. 7, möchte ich zu den Vorschlägen von Herrn Häle bemerken:
• ‚Land der Technik’ ist zeitgemäßer als ‚Land der Hämmer’
• Das Wort ‚Sphäre’ ist bestimmt nicht allgemein verständlich und sollte nicht verwendet werden.
• Anstatt ‚Bruder-´ bzw. ‚Bundeschören’ wäre der Vorschlag ‚in großen Chören’ akzeptabel
• Wie man Töchter und Söhne in den Text einbringt, könnten am ehesten Musiker beurteilen. Aber vielleicht hat jemand einen unkonventionellen neuen Vorschlag, der allgemeine Zustimmung findet.
Breite Diskussionen über aktuelle Themen sind immer zu begrüßen, aber diese Diskussion ist absolut unnötig und von einigen Emanzen mit fehlendem Selbstwertgefühl vom Zaun gebrochen worden. Man (frau) muss sich nur die Interviews in den diversen Nachrichtensendungen anhören, wo übrigens mehr Frauen als Männer zu Wort kamen, dann weiß man, was der (die) mündige ÖsterreicherIn über dieses Thema denkt. Die Bundeshymne ist uns wie der Autor auch schreibt ans Herz gewachsen und es bedarf keiner Änderung. Und wenn unsere Politiker volksnahe agieren wollen, dann sollen sie ausnahmsweise einmal hören, was das Volk will, nämlich keine Änderung, stattdessen sollten sie sich endlich einmal um die wirklichen Probleme Gedanken machen und endlich die Pensionsreform, die Gesundheitsreform und eine tatsächliche Bildungsreform starten und nicht nur darüber reden oder sich von irgendwelchen Betonköpfen in den eigenen Reihen blockieren lassen.