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Ein Akt, der jeden betrifft

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Datenschutz ist wichtig. In Zeiten von Facebook und Co. interessiert er aber kaum jemanden.

Sexy ist etwas anders. Also ehrlich: Wollen Sie sich wirklich mit etwas beschäftigen, das „Elektronische Gesundheitsakte", in Kurzform ELGA, heißt? Sollten Sie aber. Denn ELGA ist ein Musterbeispiel dafür, wie Daten heutzutage gesammelt, gespeichert und verwertet werden. Mit der besten Absicht natürlich, aber auch mit erheblichen Risken.

Die Einführung einer elektronischen Gesundheitsakte wird in Österreich seit Jahren diskutiert. Jede Bürgerin und jeder Bürger soll eine solche bekommen. Alle medizinisch relevanten Daten werden  darauf gespeichert. Damit jeder Arzt zu jeder Zeit darauf zurückgreifen kann und über die Patientin und den Patienten umfassend informiert ist, wenn er sie oder ihn versorgen muss. Also eigentlich alles bestens?

Leider nein. Denn eine derartige Sammlung von höchstpersönlichen Daten weckt Begehrlichkeiten. Bei Arbeitgebern etwa, die durchaus ein Interesse daran haben, wie gesund ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind. Oder bei Versicherungen, die ebenfalls gern wissen wollen, ob jemand, der eine private Krankenversicherung einzahlt, diese in absehbarer Zeit auch benötigen wird. Und natürlich bei jedem, der Zugriff auf die Daten hat und einfach gern einmal wissen will, wie es dem Freund oder der Nachbarin denn so geht. Schließlich interessiert man sich ja für die Menschen in seiner Umgebung.

Auch wenn jetzt die Politik erklärt, dass die Daten streng geschützt werden: Die Erfahrung lehrt etwas anders. Ein kleines Beispiel dafür finden Sie in dieser Ausgabe der SN. So wurde BZÖ-Mandatar Stefan Petzner zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen Akt eines Asylbewerbers öffentlich gemacht hat.

Das ist aber nicht die Hauptschwierigkeit. Datenmissbrauch gab es immer und wird es wohl auch immer geben. Das größte Problem ist, dass Datenschutz in Zeiten des Internets  eigentlich niemand mehr interessiert. Immer mehr  Menschen stellen, ohne lange darüber nachzudenken, persönliche Daten auf Facebook und Co. Weil es ja so lustig und cool ist. Erst Jahre später merken sie dann, dass solche Daten im günstigsten Fall peinlich sind, im ungünstigsten Fall den Arbeitsplatz kosten können. Solange diese Bereitschaft vorhanden ist, bleibt die elektronische Gesundheitsakte wohl ein Thema, das nicht sexy ist. Aber immens wichtig.

3 Kommentare | Kommentieren

  • Die Elektronische Gesundheitsakte ist nur wieder ein neuerlicher Anschlag auf unsere persönliche Freiheit, der Versuch, uns unter dem ach so nützlichen, praktischen und edlen Deckmäntelchen dingfest zu machen. Wir sollten in unserem Sprachschatz, und sei er noch so klein und mikrig, ein kleines Wort in den Vordergrund und ganz groß herausstellen: NEIN!
    Denen aber, die sich besonders modern und cool dünken, wenn sie im Netz freiwillig und in aller Öffentlichkeit Striptease machen, und das mit bleibender Wirkung, denn dann sind diese Kleider für immer weg, ist eben nicht zu helfen. Gegen Dummheit ist bekanntlich kein Kraut gewachsen.

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    Gut argumentiert, aber ...
    Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass JEDER Bürger JEDERZEIT aus ELGA VOLLSTÄNDIG austreten kann, ohne dass ihm daduch Nachteile entstehen. Jeder kann auch JEDERZEIT bestimmte Dokumente zu seiner Person aus ELGA entfernen.
    Falls dann eben den behandelnden Ärzten zu wenige oder nur unvollständige Informationen vorliegen, fällt das in die persönliche Verantwortung des Bürgers.
    Warum sollte man das verhindern?
    JEDER Zugriff auf ELGA Daten wird protokolliert, falls Missbrauch betrieben wird, kann er leicht nachverfolgt werden. Für Missbrauch von ELGA-Daten sind explizit Strafen vorgesehen - zusätzlich zum normalen Strafbestimmungen des Datenschutzes.
    Also bitte ordentlich recherchieren!

  • Standard-Benutzerbild

    Ich arbeite selbst in der IT-Branche und ich darf daher (anonym) sagen: Es ist der absolute Horror wie mit elektronischen Daten umgegangen wird. Seien Sie sich sicher – alles was in irgend einer Form irgendwo elektronisch gespeichert ist wurde längst mehrfach kopiert und befindet sich in den verschiedensten Archiven auf die eigentlich kaum jemand Zugriff hat. Schließlich werden anders als bei privaten PCs bei Firmencomputern (und auch bei Ärzten!!!!) die Daten mehrfach auf verschiedenen Datenträgern gespeichert. Das Risiko eines Systemausfalles (und damit verbundenen Datenverlust) muss faktisch auf 0 gesenkt werden. Dies ist bei allen elektronischen Daten so (Frage an den Redakteur: Wissen Sie auf welchen Computern die Sicherungskopien von Ihrem Posting liegen??? Wieviele Sicherungskopien gibt es?).
    Bei medizinischen Daten kommt noch eine zweite Komponente hinzu. Es gibt keinerlei zeitliche Befristungen. Sie können gerne mal eine Probe machen: Verlangen Sie doch eine Bestätigung für Ihren Krankenhausaufenthalt im Jahre 1981 – sie werden sehen, dass die Daten von diesem Krankenhausaufenthalt auch nach 30 Jahren noch vorhanden sind!
    Alles in Allen ist es (technisch gesehen) eigentlich so ziemlich egal ob die Daten auf Facebook oder am Computer beim Hausarzt gespeichert sind. In beiden Fällen sind die Daten einer Anzahl von Personen zugänglich die Sie und ich nicht kennen…..

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