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Wir sollten uns bei den Isländern bedanken

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Erst hob Island Europas Finanzsystem fast aus den Angeln. Nun legt ein Vulkan Europas Alltagsleben lahm. Sind wir noch zu retten?

Als Kaiser Ferdinand I. im März 1848 die Nachricht überbracht wurde, dass nun auch in Wien das Volk revoltiere, soll er gesagt haben: „Ja, derfen s' denn des?". Jetzt, da auf Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausgebrochen ist, vermeint man in halb Europa die gleiche Frage zu hören: „Ja, derf er denn des?"

Das Eiland im Nordatlantik war lange Zeit nur ein Reisetipp für Eingeweihte, ein Synonym für eine unberührte Landschaft und heißes Wasser speiende Geysire. Jetzt ist alles anders. Island ist weltberühmt und zum Zorn auf die isländischen Banken kommt nun ohnmächtige Wut über einen Asche speienden Vulkan.

Einmal abgesehen von den bedauernswerten Menschen, die an irgendeinem Punkt der Welt festsitzen, weil der Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist, drängen sich einige Fragen auf. Muss wirklich erst ein Vulkan ausbrechen, um uns vor Augen zu führen, welch absurdes Leben wir teilweise führen? Ist es wirklich eine mittlere Katastrophe, wenn man einen Termin in einer anderen Stadt verpasst, wenn die Sitzung eines x-beliebigen Gremiums nicht stattfindet oder ein Wochenendtrip ganz einfach ausfällt?
 
Sollten wir stattdessen den Isländern und ihren Vulkanen nicht dankbar sein? Dafür, dass sie uns Anlass und Zeit geben, darüber nachzudenken, ob wir noch ganz bei Trost sind? Zuerst haben sie uns gelehrt, dass sich Gier nicht bezahlt macht. Banken haben isländische Anleihen gezeichnet, weil sie tolle Renditen versprachen, und die Menschen haben Geld zu isländischen Banken getragen, die ihnen Zinsen versprachen, die so hoch waren wie die Fontänen von Geysiren. Niemand hat gefragt, wie das gehen soll. Und so haben sich Milliarden in Luft aufgelöst.
 
Jetzt stehen wir fassungslos vor Anzeigetafeln, auf denen sich ein gestrichener Flug an den anderen reiht. Ja, und? Wie die hektischen Bemühungen zeigen, gestrandete Menschen mit anderen Verkehrsmitteln von A nach B zu transportieren, schärft die außergewöhnliche Situation doch nur unser mittlerweile verkümmertes Talent zur Improvisation. Die Aschewolke über dem Kontinent ist ein willkommener Anlass, aus der Routine auszubrechen, die unseren Alltag bestimmt. Der Flug der Asche sollte uns daher nicht in eine grundsätzliche Sinnkrise stürzen und auch kein Grund sein, künftig zu Hause zu bleiben. Aber er ist vielleicht ein überfälliger Weckruf, so Manches zu hinterfragen, was wir tagtäglich tun, ohne über dessen Sinn noch nachzudenken.

7 Kommentare | Kommentieren

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    Wenn man sich als Eigentümer einer Airline auf einen " Aschen Testflug " begibt und AUA Vorstände dabei mitnimmt ist das ja alles gut und schön, he he.

    Vielleicht sollte man sich jedoch an einen Incident am 24. Juni 1982 errinnern, nämlich an British Airways
    B 747 200 London Heathrow - Auckland Neu Seeland, 4 Engines Blow Out over Mount Galunggung Jakarta auf Grund von " Vulkanasche ".

    Um jedoch dann auch noch zu meinen daß es jetzt Airlines geben werde die Regress bei Eurocontrol oder weiß der Kuckuck wo anmelden möchten, überspannt meines Erachtens den Bogen ein wenig.

    Vergessen Sie es ...

    Die Entscheiding daß der Europäische Luftraum gesperrt wurde war absolut korrekt und notwendig.

    Hier ist the Link Incident British Airways Flight 9, 24. Juni 1982, London Heathrow -. Auckland Neu Seeland.

    video.google.com/videoplay?docid=-5620835202130688048#

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    Danke für den tollen STANDPUNKT!

    Sie sprechen mir aus der Seele.

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    Ein erfrischender und in dieser Deutlichkeit leider selten zu findender Treffer auf des Nagels Kopf!!!
    Wem die Verrücktheit unserer Wohlstandsgesellschaft da nicht zu denken gibt......
    gratuliere und danke!

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    herr wiens,
    das war etwas vom besten und wichtigsten, was ich in letzter zeit in einer zeitung gelesen habe. gratulation!

  • Wenn den Airlines jetzt wieder grünes Licht zum Fliegen geben wird, dann sieht man wie wenig den Politikern die Menschen und wieviel ihnen die Wirtschaft am Herzen liegt.

  • danke.....das ist auch mein standpunkt, endlich weiß ich, dass ich nicht allein bin!

  • I hoch X!!!!!!
    Das i s t meine Meinung! Besser wäre das nicht auszudrücken gewesen. Ich habe das in einem Beitrag zur Kerosinsteuer schon ausgedrückt. Aber dies hier ist wesentlich umfassender und geht viel weiter.
    Wie die viel versprechenden Gewinnchancen fallen auch die Fontänen von Geysiren alsbald in sich zusammen. Ein anschauliches Bild. Dazu passt, dass, jedenfalls erklärte uns das unsere Reiseleiterin mit sehr guten Islandkenntnissen, es auf ganz Island nur noch den einen Geysir im Süden gibt, und der wird als Touristenattraktion künstlich am Leben erhalten.
    Nicht nur das Improvisationstalent hat abgenommen, sondern überhaupt die schöpferische Phantasie. Wie die Lemminge wird dem Trend gefolgt: „Man“ fliegt im Urlaub weit weg, weil das doch scheinbar „alle“ machen. „Es“ gehört angeblich einfach dazu. Aha. Das Warum wird erst gar nicht hinterfragt. Welcher Wahnsinn das ist, nur so auf drei Tage eine Städtereise zu machen, das fällt gar nicht mehr auf. Individualisten, die das ablehnen, werden als Außenseiter belächelt. Kaum vorzustellen; sie machen in einem Land Urlaub, in das jedes Jahr viele Tausende kommen, das Berge und Seen, Sportmöglichkeiten und Kultur zu bieten hat: Österreich! Doch jene, die sich so von dem Man abhängig gemacht haben, seien darauf verwiesen, dass es immer mehr gibt, die das für sich entdeckt haben.
    Worum immer es geht, wäre Selbstreflexion angesagt: Warum tue ich das eigentlich und warum gerade so? Und zwar ohne auf die anderen zu schielen. Geheimnisverrat: Individualität und Kreativität haben auch einiges für sich!

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