Standpunkt

Ausgewählte Kommentare aus der SN-Redaktion zu den Themen des Tages.

Login

Gefällt mir 0 Gefällt mir
 
user-pic

Ein neuer Chef! Eine neue Bahn?

| Kommentare (1)
Die ÖBB bekommen im Juni also einen neuen Chef. Es ist der vierte binnen eines Jahrzehnts, und das ist symptomatisch für den Zustand der Bahn. Seit Jahren dreht sich bei den ÖBB sehr viel um den Umbau des Konzerns und sehr wenig um den Ausbau der Bahn.

Seit Jahren beschäftigen sich die ÖBB zu viel mit internen Problemen und zu wenig mit den Wünschen ihrer Kunden. Denen aber sind die Strukturen egal. Sie interessiert auch nicht, ob der Vorstand gerade mit der Gewerkschaft im Clinch liegt. Was sie für ihr Geld wollen, sind saubere Züge und pünktliche Verbindungen. Die Bestellung des Marketing-Fachmanns Christian Kern ist hoffentlich ein Signal, dass sich die ÖBB künftig stärker auf den Markt und die Kunden als auf sich selbst konzentrieren will. Das Wollen allein reicht aber nicht. Man muss Kern auch tun lassen, was nötig ist, um aus den ÖBB eine kundenorientierte Bahn zu machen. Denn ihr Zustand ist Spiegelbild der österreichischen Verkehrspolitik. Wichtig ist nicht, ob ein Projekt sinnvoll ist, sondern ob damit Wünsche von Landespolitikern erfüllt werden. Das gilt für Tunnelbauten genauso wie für das Einstellen leerer „Geisterzüge". Dass sich Kern im politischen Umfeld zu bewegen weiß, könnte ihm helfen - auch bei den Kämpfen mit Wilhelm Haberzettl, dem vierten (!) Stellvertreter des ÖBB-Aufsichtsratspräsidenten und Chef der Eisenbahnergewerkschaft. Klar ist: Kern kann nur Erfolg haben, wenn Politik und Gewerkschaft am Zustand der Bahn etwas ändern wollen. Andernfalls wird er nur ein weiterer Name in der Liste der ÖBB-Chefs sein.

1 Kommentar | Kommentieren

  • Dauerbrenner ÖBB
    Bei keinem anderen Konzern trifft in vollem Umfang zu und tritt mit solcher Klarheit zutage, dass der Fisch vom Kopf her zu stinken anfängt. Der oftmalige Wechsel in der Chefetage, ohne dass sich dadurch am Zustand des Konzerns etwas ändern würde, das erwähnenswert wäre, ist ein deutlicher Hinweis darauf. Im Gegenteil: Die ÖBB rutschen immer tiefer in die roten Zahlen, während die Bahnen in Deutschland und in der Schweiz sogar in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer noch Gewinne schreiben.
    Arge Zweifel an der Qualität des Managements im operativen Bereich, aber auch im Aufsichtsrat der ÖBB drängen sich auf. Bahn-Chefs kommen und gehen, lange bevor ihre Verträge ablaufen. Man sieht offenbar keinen anderen Weg, um sie loszuwerden, als ihnen den Abgang mit astronomisch hohen Abfertigungen zu versüßen, sogar dann, wenn sie Mist gebaut haben. Denn der Aufsichtsrat der ÖBB wird offensichtlich nicht einmal aus Schaden klug, weil er sich jedes Mal Verträge aufschwatzen ließ, die auch in solchen Fällen keine andere Lösung zulassen.
    Jetzt ist es wieder einmal so weit: Ein Bahn-Chef wird vor Auslaufen seines Vertrages abgelöst, obwohl ihm sein Aufsichtsrats-Chef bescheinigt, hervorragende Arbeit geleistet zu haben, – vermutlich ist dieser Abschied wieder mit einer saftigen Abfertigung verbunden, was bei den ÖBB eine Selbstverständlichkeit ist. Sein Nachfolger hat sich gleich ein um 20 Prozent höheres Gehalt „ausgehandelt“, weil man das nicht mehr verdienen nennen kann, was man ihm nachwirft.
    Diese Großzügigkeit begründet der Aufsichtsrats-Chef mit der Riesenverantwortung, die den Bahn-Chef erwarte. Doch diese Verantwortung würde sogar ich um weit weniger Geld sehr gerne tragen. Denn noch keinen einzigen Bahn-Chef oder einen seiner Vorstandskollegen hat man dafür haftbar gemacht, wenn sie sich als Nieten erwiesen und sogar dann nicht, als sie hunderte Millionen verzockt hatten.
    Und das Defizit der Bundesbahnen wächst und wächst und mit ihm deren Zuschussbedarf, den der Steuerzahler ungefragt abdecken muss.

Jetzt kommentieren

Mit *) gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
*
*

TrackBacks

TrackBack-URL dieses Eintrags: http://mein.salzburg.com/mt-tb.cgi/56685