Standpunkt

Ausgewählte Kommentare aus der SN-Redaktion zu den Themen des Tages.

Login

Gefällt mir 1 Gefällt mir
 
user-pic

Der soziale Kitt der Gesellschaft

| Kommentare (2)
Ohne die freiwillige Arbeit vieler Menschen würde unsere Gesellschaft in vielen Teilen nicht funktionieren. Zuerst das Hochwasser, dann der Hagel.

Die Unwetter, die in diesem Sommer Österreich heimsuchen, halten die Feuerwehren in Stadt und Land auf Trab. Ein Großteil der Hilfe wird von Frauen und Männern geleistet, die ihren Dienst freiwillig und ohne Bezahlung machen, die für ihren Einsatz Urlaub nehmen müssen oder die von ihrem Chef dankenswerterweise ohne große Diskussionen für diese Arbeit abgestellt wurden. Die Feuerwehren sind nicht die einzigen, die auf ehrenamtlich Helfer angewiesen sind. Das Rote Kreuz, die Bergrettung, die Wasserrettung, viele Sozial- , Kultur- und Umweltvereine sind weitere Beispiele für Organisationen, die ohne die unbezahlte Arbeit engagierter Menschen nicht funktionieren würden. Das Ausmaß der so geleisteten Arbeit ist enorm. Beinahe jeder zweite Österreicher ist im Schnitt 4,6 Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig. 764 Millionen Arbeitsstunden werden so pro Jahr geleistet. Auch wenn es immer wieder Zeitgenossen gibt, die über das freiwillige Engagement die Nase rümpfen: Ohne das Ehrenamt funktioniert unsere Gesellschaft nicht. 
Der Staat hätte nicht das Geld, all diese Aufgaben zu finanzieren - außer die Gesellschaft würde in Kauf nehmen, dass das Niveau der Hilfeleistungen massiv sinkt. Das wiederum kann niemand wollen. Die freiwilligen Helfer - welcher Organisation sie auch immer angehören - erfüllen auch noch eine andere Funktion, die für eine Gesellschaft unerlässlich ist. Sie sind der soziale Kitt, der diese Gesellschaft zusammenhält. Auch abseits der Einsätze verbringen die Frauen und Männer in den Hilfsorganisationen ihre Freizeit oft miteinander, widmen sich einer gemeinsamen Aufgabe und spielen im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde eine unverzichtbare Rolle. Dieses ehrenamtliche Engagement hilft aber nicht nur der Gesellschaft, es bringt auch dem einzelnen Helfer einen deutlichen Mehrwert. Wer sich engagiert, der gibt seinem Leben einen zusätzlichen Sinn. All das müsste Auftrag für die Politik sein, die freiwillige Arbeit in Hilfsorganisationen besser zu unterstützen. Finanziell, aber vor allem imagemäßig. Denn soll das Ehrenamt weiter funktionieren, dann benötigt es Anerkennung durch die Gesellschaft. Sonst besteht die Gefahr, dass die Zahl der Menschen zurückgeht, die sich für diesen Akt der Mitmenschlichkeit entscheiden.

2 Kommentare | Kommentieren

  • Standard-Benutzerbild

    Ich stimme Herrn Pfeiffenberger zu. Und ich möchte aufmerksam machen auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aus 1948. Dort heisst es u.a. in Artikel 29:
    "Artikel 29 Grundpflichten
    1. Jeder Mensch hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entwicklung seiner Persönlichkeit möglich ist....."
    Ich möchte auch aufmerksam machen auf www.garten-der-menschenrechte.at

  • Das soziale Engagement für einander ist nicht nur der Kitt, das macht erst recht eigentlich die Gesellschaft aus. Das hat sich in Not- und Krisenzeiten gezeigt, sich bestens bewehrt, als es keine Regierung, eigentlich nicht einmal einen legitimierten Staat gab. Niemand ist im zerbombten Wien – aber auch anderen Städten damals nach dem Fall des „tausendjährigen Reiches“ verhungert. Es wurde geteilt, das Nötige organisiert, nicht nur für sich selbst, gegenseitig Schutz und Obdach gewährt. Das ist die Gesellschaft, wenn sie nicht von oben in lebensfremde Gesetzeskorsetts gesteckt wird. Und das ist zugleich der Grund, dass diese Freiwilligen-Organisationen vom Staat so kurz gehalten werden, damit niemand merkt, wie entbehrlich dieser eigentlich ist und wie sehr er auf der ganzen sozialen Linie versagt.

    In der heutigen SN-Ausgabe geht ein Gerichtsmediziner der Frage nach, wodurch das Handeln eines Menschen bestimmt wird. Ist er dazu determiniert, also von angeborenen Instinkten gesteuert oder hat er einen freien Willen, der ihn dann auch für seine Taten verantwortlich macht? Welche Motive geben den Ausschlag? Sieht man sich in der Tierwelt um, läge ersteres nahe. Tiere leben in Rudeln oder anderen sozialen Formen in Gemeinschaft, die ihre Nachkommenschaft ermöglicht und sie vor Gefahren schützt. Vielfach wurde beobachtet, dass sie auch zärtlich sein können, ja dass sie unter Umständen sogar bereit sind, Tieren ganz anderer Art beizustehen, wenn etwa verstoßene Junge einfach mit gesäugt werden. Das funktioniert – ganz ohne Obrigkeit – tadellos.
    Aber das allein mag für Menschen in einer Zeit, da etliche dieser Notwendigkeiten wegfallen, als Motivation nicht ausreichen. Da spielt auch das Ethos eine Rolle, das zu tun, was man als richtig erkannt hat. Und die es tun, finden sich in ihrer Tätigkeit bestätigt, aufgewertet und finden in den Organisationen einen gleichgesinnten Freundeskreis. Paul Hörbiger: „Gut ist, wonach man sich gut fühlt.“ Eben; und ist es nicht verständlich, dass ihnen das alles mehr wert ist als eine finanzielle Abgeltung? Anders als die Tiere hätten sie durchaus die Möglichkeit, sich auch entgegen ihrem Instinkt zu verhalten. Dass sie es dennoch nicht tun, weist ihren Einsatz als menschlichen Wert aus und erlaubt unserer Gesellschaft, sich als menschlich zu bezeichnen. Wie wenig zählen da Schmähungen, wie „schön dumm“ oder „Gutmenschen“! Wehe unserer Gesellschaft, wenn es sie nicht gäbe, und zwar deshalb und nicht nur wegen ihres Arbeitseinsatzes an sich!

Jetzt kommentieren

Mit *) gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
*
*

TrackBacks

TrackBack-URL dieses Eintrags: http://mein.salzburg.com/mt-tb.cgi/40263