Selbsterfüllende Prophezeiungen können eine ökonomische Todesspirale auslösen. Am Ende sind alle am Ende.Die Soziologie kennt das Phänomen der „selbsterfüllenden Prophezeiung". Es handelt sich dabei um eine Vorhersage, die sich erfüllt, weil Einzelne oder ganze Gesellschaften ihr Handeln danach ausrichten. Was unter normalen Umständen gar nie passieren würde, weil es keinen Grund dafür gibt, tritt plötzlich ein. Wir Menschen glauben gerne an Weissagungen aller Art. Zumindest unterbewusst tun wir vieles dafür, dass der angekündigte Zustand auch tatsächlich eintritt.
Oktober 2008 Archive
Parteien können es offenbar nicht lassen: Das große Versprechen vor Wahlen.
In keinem anderen Land der Welt wäre eine solche Karriere möglich gewesen: Das uneheliche Kind eines schwarzen Ausländers und einer weißen Einheimischen schafft den Aufstieg in die gebildeten Schichten, in die politische Elite und hat die mächtigste Position in Reichweite, in die ein einzelner Mensch derzeit aufsteigen kann. Oder wie groß könnte man die Chancen einschätzen, dass der Sohn eines Türken in Österreich auch nur in die Nähe einer Kanzlerkandidatur käme?
Jahr für Jahr brauchen die Spitäler mehr Geld vom Land. Inzwischen sind es bereits 60 Millionen Euro, die im Budget für die Kliniken reserviert werden müssen. Und die Tendenz ist stark steigend. Geld, das vor allem dafür notwendig ist, um die medizinische Versorgung der Salzburger Bevölkerung auf höchstem Niveau zu garantieren.
Der Frauenanteil im österreichischen Nationalrats des Jahres 2008 ist ein bisserl mehr als halb so groß wie jener in Ruanda. Kleine Seufzer da und dort.
Dem neuen Nationalrat gehört - sieht man von Norbert Hofer, FPÖ-Mandatar mit leichter Gehbehinderung, ab - kein einziger behinderter Abgeordneter mehr an. Tosendes Schweigen. Der Nationalrat, viel zitierter Spiegel der Gesellschaft, zeigt, wie es tatsächlich um den ebenfalls viel zitierten Selbstvertretungsanspruch mancher Bevölkerungsgruppen steht. Gibt es etwas zu verteilen, dürfen auch Frauen und behinderte Menschen mitmachen. Gibt es nichts zu verteilen, ist sehr schnell kein Platz mehr für sie da.
Keine Rede mehr davon, dass es womöglich klüger ist, Menschen für Menschen Politik machen zu lassen, die aus eigener Erfahrung wissen: Das sind die Probleme - und so könnten wir sie lösen. Stattdessen: Seufzen, Schweigen, Schulterklopfen.
Wäre der Nationalrat tatsächlich ein Spiegel der Gesellschaft, hätten gestern 18 behinderte Abgeordnete, Frauen und Männer, angelobt werden müssen. Dass es gerade einmal einer war, ist eine Schande.
Undenkbar, dass in Deutschland jemand zum Bundestagspräsidenten gewählt würde, der laut eigenen Angaben den Gründer einer verbotenen neonazistischen Partei „immer geschätzt" hat; der als „alter Herr" einer schlagenden Burschenschaft angehört, die rechtsextreme Barden einlädt, zu deren Repertoire Spottlieder auf die Opfer des Holocausts gehören; und der diesem „Lebensbund" auch nicht abschwören will.
Im nicht minder historisch belasteten Österreich ist dies nicht nur denkbar, was schlimm genug wäre. Nein, seit gestern ist es Realität, dass ein Mandatar mit diesem weltanschaulichen Hintergrund Dritter Präsident des Nationalrats ist und somit eines der höchsten Ämter der Republik bekleidet. Knapp 70 Prozent der Abgeordneten gaben ihre Stimme dem FPÖ-Abgeordneten Martin Graf. Sie rechtfertigen dies mit dem Hinweis auf die parlamentarischen „Usancen".
Dass Banken auf dem Geld sitzen, bekommen auch die Gemeinden und dann die Bürger zu spüren.
Israels designierte Regierungschefin Tzippi Livni ist - so wenigstens sehen es viele in Israel - gescheitert. Der Grund? Die populäre amtierende Außenministerin hat sich geweigert, den mehr oder weniger unverschämten Forderungen einer extrem religiösen Partei nachzugeben. Diese Truppe unter Führung eines greisen Rabbi forderte Millionen für die Kinderbetreuung ihrer Klientel und die Tabuisierung der Stadt Jerusalem bei Friedensverhandlungen mit den Palästinensern.
Die Pechsträhne des FC Bayern München lief parallel mit mit dem politischen Absturz der CSU. Jetzt will der deutsche Fußball-Rekordmeister mit einem Siegeszug an die Tabellenspitze stürmen. In ähnlicher Weise setzen die Christsozialen darauf, dass sie mit Horst Seehofer ihre Ausnahmestellung in Bayern wiedererlangen können.
Ob die Ballkünstler Fortune haben, ist freilich so ungewiss wie der politische Erfolg des neuen Steuermanns der CSU.
Zwei Hiobsbotschaften für das Lammertal binnen weniger Tage: Die Martin-Bau GmbH in St. Martin am Tennengebirge ist schon in Konkurs geschlittert. Am Mittwoch meldet die Schachl Gebirgsholz GmbH in Abtenau die Insolvenz an. Mehr als 140 Mitarbeiter zittern um ihren Job.
Die heiße AUA-Kartoffel liegt wieder bei der Regierung. Der zweite Akt der Privatisierungstragödie beginnt.
Die multipolare Welt ist längst eine Realität. Das Treffen der europäischen und der asiatischen Staaten zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise unterstreicht das neuerlich.
Das bisher alles dominierende Amerika kann im Interregnum zwischen zwei Präsidentschaften nicht mehr den Ton angeben. Die EU zeigt sich handlungsfähig vor allem dank der Energie des amtierenden Ratsvorsitzenden Nicolas Sarkozy. Asiatische Aufsteiger wie China und Indien als „Schwellenländer" zu bezeichnen, wirkt überholt; sie sind globale Spieler.
Die Zeiten waren schon lustiger. Seit einige Bankmanager die Welt mehr oder weniger verzockt haben, mehren sich auch die negativen Nachrichten aus anderen Branchen. In Salzburg sind es vor allem exportorientierte Industriebetriebe, die Personal abbauen müssen. Trotz dieser unerfreulichen Meldungen besteht aber kein Grund zur Panik. Viele Bereiche der Salzburger Wirtschaft laufen noch sehr gut. Der Tourismus rechnet mit einem Rekordwinter, das Gewerbe ist zum großen Teil sehr gut ausgelastet und im Handel ist von einer großen Kaufzurückhaltung der Konsumenten noch nichts zu merken.
Der AUA-Verkauf wurde von Politik, ÖIAG und Airline-Management vermurkst. Zum Handkuss kommt der Steuerzahler. Also, wenn das keine Erfolgsmeldung ist.
Austrian Airlines gaben am Freitag bekannt, dass sie mit 31. Oktober den Treibstoffzuschlag für Kurz- und Mittelstreckenflüge um drei Euro von 27 auf 24 Euro senken werden. Ansonsten gibt es ja wenig Erfreuliches von der schwer ins Trudeln geratenen rot-weiß-roten Luftlinie zu berichten. Was sich in den letzten Tagen, Wochen und Monaten rund um AUA abgespielt hat, ist ein einziges Trauerspiel. Und ein Lehrstück noch dazu, wie man es nicht machen soll. Was im Bermuda-Dreieck AUA-Management, Staatsholding ÖIAG und Politik vermurkst wurde, ist schon abenteuerlich. Lange Zeit gab man sich der Illusion hin, die Airline könnte allen wirtschaftlichen Daten und dem Umfeld in der Luftfahrtbranche zum Trotz allein überleben. „Die AUA ist saniert", posaunte Konzernchef Alfred Ötsch noch im Frühjahr hinaus.
In der lokalen Realität sieht die Welt anders aus. Gott sei Dank passieren nur selten Morde. Oft genug lassen „normale" Todesfälle aber Fragen offen. Im Zusammenspiel der Kräfte läuft es bei solchen Ermittlungen offenbar nicht rund.
Hu Jia macht aufmerksam auf Unzulänglichkeiten chinesischer Politik. Er setzt sich ein für Aidskranke, er kämpft für den Schutz der Umwelt und übt Kritik daran, dass Chinas Obrigkeit sich nicht als Dienerin für die Bevölkerung versteht, sondern als deren Herrin. Mit anderen Worten, Hu Jia stellt die Machthaber in Peking als das dar, was sie sind: Absolute Herrscher in einer Tradition, die im 21. Jahrhundert längst überwunden sein müsste.
Die Liste der Versäumnisse bei der AUA ist lang. Schuld sind nicht Finanzkrise und Ölpreis, sondern Politik und Management.
Gierige Banker sind bisher als die Hauptschuldigen der Finanzkrise dargestellt worden. Aber auch Politikversagen hat diesen Scherbenhaufen angerichtet.
Banken, die Kapital vom Staat erhalten, verlieren das Gesicht, Manager viel Geld. Wenn das so bleibt, verlieren am Ende alle.Er glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes. So tönte Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, im Frühjahr. Jetzt, da der Staat den Banken zu Hilfe eilt, posaunt der selbe Herr Ackermann hinaus, dass die von ihm geführte Bank nun wirklich keine Hilfe vom Staat nötig habe. Andere schon, aber die Deutsche Bank nicht. „Ich bin Purist, ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden." Das ist purer Unsinn.
Am Ende stand ein 4:3-Auswärtssieg. Ende gut, alles gut? Das Resultat betreffend: Ja. Das Spiel betreffend: Jein. Letztlich hatte es Salzburg einem Traumtag von Marc Janko und seinen vier Toren zu verdanken, dass es den Platz als Sieger verlassen konnte.
Wenn es so ein Vermächtnis geben sollte, dann lautet es ganz klar: Fahre niemals betrunken mit dem Auto. Wie fatal eine Alkofahrt enden kann, bekam Österreich am Beispiel der Todesfahrt von Jörg Haider drastisch vor Augen geführt.
Erstmals ist bei uns kein Mitläufer, sondern ein Star aufgeflogen - das sollte vielen zu denken geben.
Der Abgang war ebenso stillos wie das Gezerre davor: Nur ausgewählte Medien und der Staatsfunk durften bei Bernhard Kohls Dopinggeständnis unter Tränen dabei sein. Medien, die sich kritisch mit diesem Thema auseinander setzen, wie auch diese Zeitung, waren nicht geladen. Danke. Wir nehmen es als Auszeichnung.
Jetzt liegt es da, das Hilfspaket der Regierung, und keiner will auch nur dran anstreifen. Einige Banken haben sich zumindest durchgerungen, zu sagen, dass sie Garantien für Interbankdarlehen in Anspruch nehmen werden. Aber Eigenkapital vom Staat? Pfui, wie grauslich! Der starke Mann im Raiffeisensektor, Christian Konrad, wird sogar mit der Aussage zitiert, dass man sich „nur über meine Leiche" Eigenkapital vom Staat besorgen werde. Angesichts der Machtverhältnisse bei Raiffeisen ist klar, dass die Giebelkreuzler damit aus dem Spiel sind. Gut für die anderen.
Drei Debatten, ein Sieger: Barack Obama hat den Wohlfühltest bestanden. Mit einem Lächeln steckte er die Attacken John McCains auch in der letzten Präsidentschaftsdebatte weg und ließ den Republikaner im wahrsten Sinne des Wortes „alt" aussehen.
Die späte Reaktion Europas auf die Finanzkrise zeigt die Schwäche der EU-Kommission, daher darf Barroso bleiben.
Beim EU-Gipfel richteten die Staats- und Regierungschefs ihr Augenmerk völlig zurecht auf globale Lösungen, die für eine Neuordnung der internationalen Finanzwelt nötig sind. Im höchsten Gremium der Union wurde noch eine Krisenfeuerwehr für den Finanzmarkt beschlossen, und monatliche Treffen sollen dafür sorgen, dass die nationalen Finanzmarktaufsichtsbehörden enger kooperieren. Wenig überraschend, übernahmen auch die Länder, die nicht der Eurozone angehören, nun jenes Modell, das ausgerechnet der britische Premier Gordon Brown zur Rettung der Banken auf dem Kontinent serviert hatte.
Landeshauptmann Jörg Haider war also nicht nur viel zu schnell unterwegs, als er am vergangenen Wochenende im Süden von Klagenfurt in den Tod raste. Er war auch stockbetrunken. Das ändert nichts an der Tragödie für Familie und Land, wirft aber Fragen auf. Etwa die nach dem sorglosen Umgang von Politikern mit dem Thema Alkohol am Steuer. Da wird öffentlich Wasser gepredigt und heimlich Wein getrunken.
Obwohl es schon einige Zeit her ist, dass Salzburg in Guatemala-City von den Damen und Herren des Internationalen Olympischen Komitees mehr oder weniger in die Wüste geschickt wurde, nimmt die Diskussion um die Bewerbung kein Ende. Verantwortlich dafür sind Berichte des städtischen Kontrollamtes und des Landesrechnungshofes, die das Thema erneut aufgekocht haben. Einiges, das in diesen beiden Papieren enthalten ist, regt durchaus zum Nachdenken an. Etwa, dass es zwei Rechnungskreisläufe gab, von denen nur einer wirklich überprüft werden kann, oder dass für die Gagen der Geschäftsführer deutlich mehr ausgegeben wurde als bei der ersten Bewerbung.
Die Finanzkrise hält uns im Bann. Höchste Zeit, über die Zukunft nachzudenken. Zum Beispiel über weniger Steuern auf Arbeit. Nichts bewegt die Menschen derzeit mehr als die Frage, wie sehr sie von der Finanzkrise persönlich betroffen sind oder sein werden. Verdenken kann man es ihnen angesichts der vielen Hiobsbotschaften nicht. Doch die Lage an den Finanzmärkten wird sich irgendwann normalisieren, die Folgen der Finanzkrise werden alle aber noch lange spüren.
Jetzt muss die Temporegelung neu um einen Monat verschoben werden. Eigentlich halb so wild.
Nach monatelangen Warnungen hat der ÖAMTC jetzt Ernst gemacht und will aus der Flugrettung aussteigen. Für das jährliche Defizit von knapp fünf Millionen Euro könnte man jeweils einen neuen Rettungshubschrauber anschaffen. Aber Notarzthelikopter gibt es schon sehr viele. Zu viele, wie die Krankenkassen immer wieder betonen. Sie wollen nicht einsehen, warum ein nur leicht verletzter Patient geflogen werden muss und sie dann zahlen müssen. Diese Ablehnung ist ebenso nachvollziehbar wie das Argument des ÖAMTC, er könne im Vorhinein gar nicht beurteilen, ob ein Rettungsflug medizinisch notwendig sein wird. Er bleibe jedenfalls auf den Kosten sitzen.
Der Staat hilft den Banken aus. Gut so. Aber jetzt müssen die auch ihren Kunden helfen.
Mark Twain hielt mit seiner Meinung über das Geldgewerbe nicht hinter dem Berg. Ein Banker sei ein Kerl, der seinen Schirm verleiht, wenn die Sonne scheint, und ihn sofort zurück haben will, wenn es zu regnen beginnt, schrieb der amerikanische Schriftsteller. Nun sind es die Banken selbst, die einen Schirm brauchen, um sich vor dem Gewitter zu schützen, das sich auf den Finanzmärkten entlädt. Die Staaten müssen diesen Schutzschirm aufspannen. Es hat lange gebraucht, bis sie sich dazu durchgerungen haben, aber sie haben es getan. Hoffentlich war es rechtzeitig.
"Toll, wie Du das schaffst." Frauen, die einen Elternteil oder ihren Partner pflegen, kennen diesen Satz zur Genüge. Manchmal ist er ein Alibi, manchmal bringt er ernst gemeinte Anerkennung zum Ausdruck. Aber Anerkennung alleine nützt pflegenden Angehörigen nichts.
Mit dem Start der Koalitionsverhandlungen ist dem ÖVP-Chef der Applaus des Publikums sicher. Und der Groll vieler in seiner Partei. Jetzt kann es schnell gehen: Josef Pröll will sich heute Abend im ÖVP- Parteivorstand die Aufnahme der Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ absegnen lassen. Die wartet nur darauf. Daher ist es gut möglich, dass es tatsächlich noch vor Weihnachten eine neue Regierung geben wird. Was so eine internationale Bankenkrise alles auslösen kann!
Es folgte der tiefe Fall. Nach dem 3:1 gegen Frankreich kam das 0:2 in Litauen. Und jetzt dieses blamable 1:1 gegen eine Färöer-Truppe. Die letztgenannten Gegner gehören wahrlich nicht zum Besten, das der europäische Fußball zu bieten hat.
Diese tragischen Umstände bringen die Menschen, vor allem in Kärnten, ihrem Landeshauptmann noch näher. Egal, ob sie ihn gemocht haben oder nicht. Wobei es ohnehin schwierig war, den Menschen Jörg Haider abseits seiner politischen Aktivitäten nicht zu mögen. Diejenigen, die ihn aus politischen Gründen nicht akzeptieren konnten oder wollten, haben sich am Besten von ihm fern gehalten. Es bestand akute Anziehungsgefahr. Haider war nämlich ein Menschenfischer. Er hat die Sprache der Bürgerinnen und Bürger gesprochen.
Wohlverdient ist der Friedensnobelpreis für den geschickten Vermittler Martti Ahtisaari. Auch mit seinem ausgewogenen Kosovo-Plan hat der Finne den Weg aus einer verfahrenen Situation gewiesen. Nur weil Russland nicht an einer konstruktiven Lösung interessiert war, ist daraus ein internationaler Streit entstanden.
Hohl klingt die russische Kritik an der Entscheidung des Nobel-Komitees, seitdem Moskau völlig schiefe Parallelen zwischen dem singulären Fall Kosovo und dem Georgien-Konflikt gezogen hat. Nach dieser Polit-Pirouette der Kremlgewaltigen setzen nicht einmal die Kosovo-Serben mehr auf Russland, sondern mittlerweile auf die EU. Dass jetzt auch Serbiens Nachbarn Montenegro und Mazedonien die Unabhängigkeit des Kosovos anerkennen, spricht für Ahtisaaris Ansatz.
Österreichs Team spielt wieder Fußball. Und es ist wieder dasselbe Theater: Jeder erwartet wie immer einen Sieg. Egal, gegen wen. Als ob Siege im Fußball die einfachste Sache für die Österreicher wären. Aber gleichzeitig geht die Angst vor einer Blamage um. Wie das 0:1 gegen Färöer nach der WM 1990 eine war. Immerhin war das ein Jahrhundertspiel. Wenn auch im negativen Sinn. Wie auch immer: Jahrhundertspiel bleibt eben Jahrhundertspiel. So viele gab es für Österreich nun auch wieder nicht.
Ausgerechnet die wildesten Neoliberalen rufen jetzt in der verheerenden Krise nach der rettenden Hand des Staates.
Erschüttert nehmen wir in der aktuellen Finanzkrise zur Kenntnis, dass eine Mischung aus Dummheit, Gier und krimineller Energie in der Lage ist, unser ganzes Weltwirtschaftssystem aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der Zorn der Betroffenen - ob geprellte Anleger oder bedrängte Kreditnehmer - richtet sich gegen die gierigen Manager von Finanzinstituten und gegen jene Politiker, die jetzt die unangenehme Aufgabe haben, zu retten, was zu retten ist, um größeren Schaden zu verhindern.
Sie werden nicht zu Unrecht als das Rückgrat der heimischen Wirtschaft bezeichnet: die Klein- und Mittelbetriebe, kurz KMU genannt. Während Großkonzerne bei rauem Wind globaler reagieren können und notfalls Politiker zur Hand haben, die dabei helfen, dass das Flaggschiff in ruhigere See steuert (oder das zumindest versprechen), leiden die „Kleinen" leise. Vor allem dann, wenn sie in ihrer Bank vorstellig werden, um einen Kredit für eine notwendige Investition aufzunehmen und zur Kenntnis nehmen müssen, dass Kredite teurer geworden sind.
Braucht Österreich jetzt „Österreich-Gespräche" zwischen allen Parteien? Nein. Braucht Österreich jetzt „Vorbereitungsgespräche" zu Regierungsgesprächen? Nochmals Nein.
Was Österreich jetzt braucht, ist eine nationale Kraftanstrengung, um die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf das Land so gering wie möglich zu halten. So richtig die Erhöhung der Einlagensicherung war und so richtig der Plan eines Konjunkturpakets ist: Beides sind kurzfristige Maßnahmen, die nicht genügen werden. Mehr aber kann die alte, nur noch interimistisch arbeitende Regierung nicht leisten.
Das kann nur ein Zufall sein. Am Montag haben die Salzburger Parteichefs über ein Fairnessabkommen verhandelt. Unter anderem des Inhalts, dass die Zahl der Großplakate beschränkt oder ganz auf diese verzichtet werden sollte. Es gab keine Einigung. Das Misstrauen war zu groß.
Die Entscheidung, Jean-Marie Gustave Le Clézio mit dem Literaturnobelpreis zu würdigen, zeugt für guten Kunstverstand. Le Clézio! Jean-Marie Gustave Le Clézio! - „Bitte wie? Nie gehört. Keine Ahnung. Wer ist das?" So oder ähnlich lauteten Donnerstagmittag die Reaktionen vieler Menschen (einschießlich Marcel Reich-Ranicki, siehe Seite 11, ausgenommen Nicolas Sarkozy und vieler Franzosen), als sie erfuhren, dass der 68-jährige französische Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio den Nobelpreis für Literatur erhalten wird.
Fußball vom Feinsten - und das in der heimischen Bundesliga. Verantwortlich dafür zeichneten Vizemeister Red Bull und Meister Rapid Wien. Beide Mannschaften suchten den direkten Weg zum Tor: Salzburg mit druckvollem Spiel, die Wiener mit schnell vorgetragenen Angriffen. Kein Wunder, dass daher beide Abwehrreihen nicht selten gehörig ins Schwitzen kamen. Das lag vor allem an den starken Offensivkräften auf beiden Seiten und nicht an den Schwächen in der Abwehr. Weil beide Teams tolle Chancen verjuxten, endete die Partie nur mit 1:0 für Salzburg.
Herman Verwilst hat den belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis drei Monate lang geführt, dafür bekam er eine Abfertigung von fünf Millionen Euro. Fortis kann jetzt nur mit Staatsgeldern in Milliardenhöhe überleben. Herr Verwilst dient hier freilich nur als kleines Beispiel. Die Gier unfähiger Chefs, die auch noch Millionenabfertigungen einstreiften, hat das Weltfinanzsystem an den Rand des Totalkollapses gebracht. Und nun fragen nicht mehr nur Frau und Herr Maier nach den Konsequenzen für die Akteure.
Schon rund ein Drittel der Immigranten, die in Italien an Land gehen, stellen Asylanträge und haben auch wachsende Chancen, akzeptiert zu werden oder wenigstens aus humanitären Gründen in Italien bleiben zu dürfen. Unter vierzehntausend Antragstellern im vergangenen Jahr wurde immerhin achttausend ein sicherer aufenthaltsrechtlicher Status zugebilligt. Auch wenn Italien kein eigenes Asylrecht hat, so kann es doch nicht hinter den rechtlichen Standard der Genfer Konvention zurückfallen.
Die Große Koalition ist tot, die Ausgrenzungspolitik ist tot. Leider wissen sie es nur noch nicht.Schade, dass wir die nächsten zwei Monate nicht überspringen können. Denn wer die Zeit nach der Wahl 1999 in Erinnerung hat, weiß genau, was jetzt kommt: massive Druckausübung auf die ÖVP, noch einmal in die soeben abgewählte Große Koalition einzutreten.
Das Thema Ausländer beherrscht seit Jahren die politische Diskussion. Auch in Salzburg. Erst im vergangenen Wahlkampf wurde von etlichen Parteien versucht, mit ausländerfeindlichen Parolen Stimmung zu machen, vor allem gegen Menschen, die aus islamischen Staaten kommen.
Das Geschäft boomt. Die Wachstumsraten sind gewaltig, die Einnahmen fantastisch, das Risiko minimal. Die Piraterie vor den Gestaden des zerfallenen Staates Somalia ist die seegestützte Variante des von den Warlords an Land betriebenen Banditentums - mit dem Unterschied, dass es mittlerweile international lästig wird. So darf vermutet werden, dass die Party langsam enden wird.
Standpunkt Das Rennen der "Running Mates", so heißen in den USA die Kandidaten für die Funktion des Vizepräsidenten, ist meist uninteressant und von wenig Belang. Kein noch so brillanter "Running Mate" hat je einem schwachen Kandidaten ins Weiße Haus verholfen, kein noch so schlichter und einfältiger Vizekandidat hat je einen starken Anwärter vom Weißen Haus fern gehalten.
Wohl in keinem anderen Wirtschaftszweig spielt das Vertrauen eine so
große Rolle wie in der Finanzbranche. Die Anleger vertrauen darauf,
dass die Banken ihre Spareinlagen ordentlich verwalten. Sie vertrauen
darauf, dass ihnen Produkte verkauft werden, die halten, was
versprochen wird. Die Kreditnehmer vertrauen darauf, dass die Bank ihr
Darlehen ordentlich abwickelt.
Noch immer scheint die CSU im Schockzustand nach dem unerwartet tiefen Fall am vergangenen Sonntag zu sein. Anders ist nicht zu erklären, dass man sich mit Konsequenzen aus dem Jahrhundertdebakel überaus schwer tut. Hätte eine andere Partei einen solchen Verlust erlitten, die CSU wäre die Erste gewesen, die den Austausch des Führungspersonals nahe gelegt hätte. Immerhin hat das für die Niederlage an vorderster Front verantwortliche Führungsduo inzwischen die Konsequenzen gezogen. Man kann nicht als Duo in den Wahlkampf ziehen und die Niederlage dann nur einem anlasten. Darum ist es richtig, dass auch Beckstein zurückgetreten ist.
Die EU-Kommission hat gestern die bereits seit Längerem angekündigten neuen Eigenkapital-Vorschriften für Europas Banken präsentiert. Der Zeitpunkt war goldrichtig: Denn die Chance, dass die EU-Staaten den neuen Bestimmungen zustimmen, ist angesichts des Übergreifens der US-Finanzkrise auch auf Europas Wirtschaft größer als noch vor einigen Monaten. Europa steht unter dem Schock täglich neuer Meldungen über die Schieflage großer Banken, die mit Staatshilfe gerettet werden müssen. In einer solchen Situation ist es leichter als früher, von den Mitgliedsstaaten Unterstützung für gemeinsame Lösungen zu bekommen.
Präsident Dmitrij Medwedew tut, was Vorgänger Wladimir Putin tat: Begleitet von zackiger Rhetorik kündigt er die Modernisierung der Armee an. Das hat die Truppe tatsächlich nötig. Selbst das „entschiedene" Zurückschlagen der „georgischen Aggression" in Südossetien (Medwedew) war nur unter bitteren Verlusten möglich. Es fehlte am kleinen Einmaleins der Aufklärung und Kommunikation, Fahrzeuge blieben mit Defekten liegen, die Luftwaffe verlor laut inoffiziellen Angaben acht Flugzeuge, darunter einen schweren Langstreckenbomber.
600 neue Arbeitsplätze seit 2004 - das ist die tolle Leistung der Firma Bosch in Hallein. Schulungen statt Kurzarbeit - das versucht mit aller Kraft die Firma Senoplast in Piesendorf. Die Salzburger Industrie hat die fetten Jahre gut genützt, Kapazitäten ausgebaut, neue Produkte entwickelt und - mit traurigen Ausnahmen - die Standorte gesichert.
Die Weichen stehen in Richtung Große Koalition: SPÖ-Chef Faymann will sie mangels Alternativen. ÖVP-Chef Pröll hält sich seine theoretischen Alternativen (Schwarz-Blau-Orange, Opposition) noch offen - doch vor allem aus taktischen Gründen: erstens um seiner Partei Zeit zu geben, die Wahlniederlage zu verdauen; zweitens, um den Preis in die Höhe zu treiben. Und über allem schwebt die Frage, ob eine Neuauflage der Großen Koalition besser funktionieren würde als die abgewählte.
Jahrelang lief der Konjunkturmotor auf vollen Touren: Die Firmen mussten die Produktion ausbauen, um die Nachfrage - vor allem aus Osteuropa - befriedigen zu können.
Jetzt ist - praktisch über Nacht - alles anders. Die Optimisten sprechen davon, dass die Wirtschaft sich wieder auf normalem Niveau einpendelt. Die Pessimisten sehen eine Wirtschaftskrise - auf die fetten Jahre könnten die mageren folgen.



































