Hillary Clinton hat sich auf dem Parteitag in Denver als kluge Machtpolitikerin erwiesen. Nicht aus plötzlicher Liebe zu Barack Obama, sondern im Interesse ihrer eigenen politischen Zukunft, stellt sie sich ohne wenn und aber hinter den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten.
Sie weiß, was mit Spielverderbern passiert. Schon gar in einem Wahljahr. Sollte nur im Entferntesten der Eindruck entstehen, sie spalte die Partei, alle Finger zeigten auf sie, wenn es Obama im November nicht schaffen sollte.
Selbst bei einem Wahlsieg der Demokraten wäre sie erledigt. Mindestens im Senat, wo sie respektiert, aber nicht geliebt wird. Ihre Kollegen, die bei den Vorwahlen mehrheitlich Obama unterstützten, würden sie niemals zur Senatsführerin machen.
Mit dem Frontalangriff auf John McCain lenkt sie die Enttäuschung ihrer
Anhänger und vielleicht auch ihren eigenen Ärger auf den politischen
Gegner um. Damit verschafft sie sich Einfluss, ohne sich vor Obama
verbeugen zu müssen. Stattdessen kann sie hoch erhobenen Hauptes tun,
was die politische Nahkämpferin am besten kann: Angreifen.
Ganz nebenbei poliert sie ihr Ansehen auf, das in Teilen der Partei
während der Vorwahlen sehr gelitten hat. Hillary profiliert sich als
wertvolle Teamspielerin, die ihren Ehrgeiz im Zaum halten kann und für
die gemeinsame Sache eintritt. Dass sie ihre verbissensten Anhänger
dafür im Regen stehen lässt, muss sie in Kauf nehmen.
Indem sie in ihrer Rede keinen Raum für Zweideutigkeiten lässt, hält
sich Hillary alle Türen offen. Bei einem Scheitern Obamas könnte sie
2012 einen zweiten Anlauf auf das Weiße Haus nehmen. Andernfalls könnte
sie eine führende Rolle auf dem Capitol Hill übernehmen, um vom
Kongress aus, Einfluss auf den Kurs der Regierung zu nehmen.
So gesehen war ihr Auftritt in Denver nicht nur für Obama wertvoll, in
seiner Bedeutung vielleicht auch historisch, sondern steht für kluge
Politik.


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